Musikwissenschaft

Mendelssohns Welten

Am kommenden Freitag und Samstag findet ein Symposium des Musikwissenschaftlichen Instituts im Rahmen der Zürcher Festspiele statt. Anlass ist der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy. Unter dem Titel «Mendelssohns Welten» werden zentrale historische und musikhistorische Zusammenhänge ergründet.

Laurenz Lütteken

Felix Mendelssohn Bartholdy: Das musikwissenschaftliche Seminar organisiert anlässlich seines 200. Geburtstags ein Symposium. (Bild: Edward Magnus)

Der 200. Geburtstag von Felix Mendelssohn Bartholdy ist der Anlass für einen eigenen Schwerpunkt der Zürcher Festspiele 2009. Und es ist eine ebenso anspruchsvolle wie lohnende Herausforderung, ein Symposium diesem Thema zu widmen. Mendelssohn, einer der erfolgreichsten und folgenreichsten Musiker des 19. Jahrhunderts, ist gewissermassen ein Komponist der divergierenden, zum Teil widerstreitenden Kontexte.

So liegt es nahe, im Symposium diese Kontexte zu vergegenwärtigen. Der Name Mendelssohn ist wie kein anderer verknüpft mit der jüdischen Aufklärung und Akkulturation im 18. Jahrhundert. Felix’ Grossvater Moses nimmt hier die alles entscheidende Schlüsselstellung ein. Das gilt jedoch nicht bloss für Philosophie und Ästhetik, sondern auch für die Musik im engeren Sinne. Moses Mendelssohn hat immer wieder, zum Teil in Zusammenarbeit mit dem Musiktheoretiker und Komponisten Johann Philipp Kirnberger, in die musikalischen Debatten seiner Zeit eingegriffen – gewissermassen eine ererbte Verpflichtung für den Enkel.

«Lieder ohne Worte»

Ausgehend von diesem Sachverhalt werden im Symposium verschiedene (wenn auch, notgedrungen, nicht alle zentralen) Kontexte zur Sprache gebracht. Die Eröffnung macht ein Lecture Recital von Siegfried Mauser im Kleinen Saal der Tonhalle, in dem – gewissermassen vor der Folie der ‚Lieder ohne Worte’ – Mendelssohns Lektüre-Erfahrungen zur Sprache gebracht werden.

Am eigentlichen Symposiumstag stehen institutionelle, historische und lebensgeographische Aspekte im Zentrum. In zwei Beiträgen wird Mendelssohns Verhältnis zur Tradition zur Sprache gebracht, in einem allgemeinen Sinne und zugespitzt für ihn auf die so wichtige Frage nach dem musikalischen Historismus. Der preussische Generalmusikdirektor, der Leipziger Gewandhauskapellmeister und der Konservatoriumsgründer bilden die wichtigsten institutionellen Bezugspunkte in Mendelssohns Biographie, überwölbt einerseits vom Hintergrund der jüdischen Abstammung mit Konversion, andererseits vom berlinischen Klassizismus und seiner besonderen Ausrichtung an und Begeisterung für Italien.

Schliesslich werden zwei für Mendelssohn besonders wichtige Reise-Erfahrungen näher beleuchtet: die Erkundungen der Schweiz und die intensiven Beziehungen zu England.

Wie immer wendet sich das Festspiel-Symposium an alle Interessierten und findet bei freiem Eintritt statt.

Die Eröffnung bildet am Freitag, 19. Juni 2009, ein Lecture Recital von Siegfried Mauser im Kleinen Saal der Tonhalle. Am Samstag, 20. Juni 2009, finden dann ab 9.00 Uhr die Vorträge im Kammermusiksaal des Kongresshauses statt. Zu den Referenten zählen Eckart Klessmann, Wolfgang Sandberger, Hans-Joachim Hinrichsen, Christoph Henzel, Anselm Gerhard und Melanie Wald.

Laurenz Lütteken ist Professor für Musikwissenschaft an der UZH.

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