Zusammenarbeit mit Japan

Kulturelle Kompetenz als strategischer Vorteil

Die Universität Zürich hat vergangene Woche ein Memorandum of Understanding mit der Hosei University Tokio unterzeichnet. An einer anschliessenden Tagung diskutierten Manager, Forscher und Ingenieure mit Japanologen über die Grundlagen für eine erfolgreiche interkulturelle Zusammenarbeit.

Yasmine Inauen

Mit dem Abkommen zwischen der Hosei-Universität und der Universität Zürich (UZH) wurde eine Partnerschaft gewürdigt, die in mehreren Bereichen schon seit längerem besteht. So entstand die Ausstellung «Surimono – Die Kunst der Anspielung», die gegenwärtig im Rietberg-Museum gezeigt wird, in einer Zusammenarbeit von Prof. Kobayashi von der Hosei-Universität, Prof. Hans Bjarne Thomsen vom Kunsthistorischen Seminar sowie weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Ausstellung zeigt japanische Holzschnitte, in denen Bild und Text in einer beziehungsreichen Form zusammenspielen.

Shake Hands für eine gut funktionierende Partnerschaft: Prof. Akira Tokuyasu, Vice President der Hosei-Universität, und Rektor Andreas Fischer bei der Vertragsunterzeichnung. (Bild: Esther Mirjam de Boer)

Prof. Christian Steineck aus dem Ostasiatischen Seminar arbeitet gemeinsam mit Prof. Claude Siegenthaler von der Hosei-Universität zum Thema der Wahrnehmung Japans in Europa. Und im Herbst wird die Hosei-Universität eine der Partnerinstitutionen der ShanghAI Lectures des Artificial Intelligence Lab der UZH sein, im Rahmen derer Prof. Rolf Pfeifer Vorlesungen zum Thema Intelligenz halten, und die Studierende aus allen Kontinenten im virtuellen Raum zu gemeinsamen Übungen zusammenführen wird.

Zahlreiche Kooperationen mit Japan

Japan und seine Universitäten und Forschungszentren gehören zu den wichtigsten Partnern der UZH und der Schweizer Forschung insgesamt. Allein in der Kooperationsdatenbank der Abteilung Internationale Beziehungen sind 56 Kooperationen festgehalten, wobei von den Forschungskooperationen bis zum Studierendenaustausch alle Formen der Zusammenarbeit vorkommen. Auf Bundesebene wurde 2007 ein Forschungsabkommen mit Japan unterzeichnet.

Die ersten Austauschabkommen mit japanischen Universitäten wurden in den 1990er Jahren erwartungsgemäss von der Japanologie initiiert, die ihre Studierenden zum Spracherwerb nach Japan sendet. Das Spektrum insbesondere in der Forschungszusammenarbeit geht jedoch weit darüber hinaus, etwa in die Bereiche Medizin und Biologie oder auch Recht. So reiht sich das Abkommen mit der Hosei Universität in eine Tradition bestehender Kooperationen.

Dennoch soll es nicht einfach schon Bestehendes formalisieren, sondern vielmehr den Beginn einer intensiveren Zusammenarbeit markieren. Die Hosei Universität hat in Zürich ein Forschungszentrum eingerichtet, das Hosei University Research Center Zürich (HERZ). Dessen Direktor, Prof. Claude Siegenthaler möchte die Zusammenarbeit mit allen Schweizer Universitäten fördern und insbesondere Fragen der Nutzung kulturwissenschaftlichen Wissens mit dem Japanologen Christian Steineck erforschen.

Kulturwissenschaftliches Wissen für die Zusammenarbeit Japan-Schweiz

Ein Schwerpunkt dieser Kooperation bezieht sich auf die speziellen Bedürfnisse, die in der Zusammenarbeit zwischen Schweizern und Japanern auf Grund der grossen kulturellen und sprachlichen Distanz entstehen. Diese stellten die Professoren Steineck und Siegenthaler auch ins Zentrum der zweitägigen Tagung mit dem Titel «Capacity Building for Swiss Japanese Collaboration», in dessen Rahmen sie die Erfolgsfaktoren für die interkulturelle Zusammenarbeit mit Interessierten aus der Wirtschaft, den Hochschulen und den  Forschungsförderungsorganisationen beider Länder diskutierten.

Ausgangspunkt der Diskussionen bildeten konkrete Erfahrungsberichte aus Wissenschaft und Wirtschaft. Diese Fallstudien machten deutlich, dass sich kulturelle Kompetenzen in verschiedenen Phasen der Zusammenarbeit als strategischer Vorteil erweisen. Dabei geht es nicht nur um Sprachkenntnisse, sondern insbesondere um die Kenntnis unterschiedlicher Erwartungsbildungs- und Entscheidungsprozesse, Arbeitsweisen sowie organisatorischer Strukturen.

Engagierte Diskussionen auch in der Pause. (Bild: Esther Mirjam de Boer)

Wie aktuell dieses Thema ist, zeigte nicht nur die Trägerschaft der Tagung durch ETH Zürich und die UZH, die Swiss Chamber of Commerce and Industry in Japan und die Stiftung Mercator Schweiz, sondern auch die rege Beteiligung der über 60 Teilnehmenden. Auch waren die Keynotes, Panels und Roundtable-Gespräche von allen Institutionen getragen, die in der Schweiz in Forschungs- und Geschäftskooperation mit Japan zu tun haben.

Japanologie als Vermittlerin für die Wirtschaft

Ziel der Tagung war, herauszuarbeiten, ob und wie die Japanologie in der praktischen Zusammenarbeit in Wirtschaft, Forschung und Technik vermittelnd wirken kann. Welche  Angebote kann sie für Institutionen und Unternehmen schaffen, die mit Forschungszentren, Universitäten oder Konzernen in Japan zusammenarbeiten? Und wie kann sie bereits existierende Angebote besser bekannt und verfügbar machen?

Im Rahmen von drei Arbeitsgruppen wurden konkrete Ideen zu Weiterbildungs- und Dienstleistungsangeboten gemeinsam mit den Zielgruppen generiert und gleich auf Nutzen und Umsetzbarkeit hin überprüft. Sie reichen von der individuellen Beratung und Begleitung von Kooperationsprojekten durch Japanologen bis zur kontinuierlichen Beteiligung im Rahmen von Forschungsprojekten. Damit eröffnen sich auch neue Perspektiven für eine angewandte Japanologie in Kombination mit naturwissenschaftlichen oder technologischen Fächern. 

Dr. Yasmine Inauen ist Leiterin der Abteilung Internationale Beziehungen der Universität Zürich

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