Giganten in der Tierwelt

Grenzen für die Grössten

Riesen sind in der Tierwelt die Ausnahme. Weshalb es dennoch immer wieder Giganten gibt, stellt Forscher vor ein Rätsel. Tiermediziner Marcus Clauss von der Universität Zürich und Zoodirekter Alex Rübel diskutierten über die besonderen Probleme grosser Tiere – vom Saurier bis hin zum Elefanten.

Sonja Käser

Das Ranking der grössten Landtiere wird heute von den Elefanten angeführt. Sie haben aber auch mit Nachteilen zu kämpfen: Grosse Tiere benötigen mehr Zeit zum Wachsen, mehr Futter und mehr Platz. (Bild: Wikimedia)

Giganten faszinieren. Nicht nur weil sie wegen ihrer Grösse Angst einjagen, sondern auch weil sie für Forscher interessante Fragen aufwerfen. Diese Woche fand unter dem Titel «Vom Dinosaurier zum Elefanten  – Wie Giganten funktionieren» eine Veranstaltung des Zürcher Zentrums für Integrative Humanphysiologie (ZIHP) der UZH statt. Referenten waren der Tiermediziner Marcus Clauss von der Universität Zürich und Alex Rübel, Direktor des Zürcher Zoos. Moderator war Jean-Michel Hatt, der den Zoo tierärztlich betreut.

Keine Sackgasse der Evolution

Dinosaurier sind die grössten Landtiere, die jemals gelebt haben. Während über 100 Millionen Jahren dominierten sie die Erde. «Über die Frage, weshalb sie ausgestorben sind, geraten sich Forscher noch immer in die Haare», sagt Marcus Clauss. Bekannt hingegen ist, wie der Stoffwechsel der Riesenreptilien funktionierte. Seine Erkenntnis dazu publizierte Clauss im Oktober 2008 in der Zeitschrift «Science».

Der einzigartige Gigantismus der Pflanzenfresser (bis zu vierzig Meter lang und hundert Tonnen schwer) habe verschiedene Ursachen. So besassen die Tiere keinen Kauapparat, sondern schlangen die Nahrung herunter. Sie verfügten über vogelähnliche Lungen und eine flexible Stoffwechselrate. Zudem legten sie Eier und hatten dadurch viele Nachkommen.

Von links nach rechts: Moderator Dr. Jean-Michel Hatt, Zootierarzt und die Referenten Dr. Marcus Clauss und Dr. Alex Rübel informierten über die Besonderheiten der grössten Tiere. (Bild: Sonja Käser)

Unklar bleibt, wie das Herz einer Riesenechse genügend Druck aufbauen konnte, um das Blut durch den acht Meter langen Hals ins Gehirn zu pumpen. «Die heutigen Erklärungsversuche sind widersprüchlich und unzulänglich», sagt Clauss. Möglicherweise waren die Saurier mit zusätzlichen Pumpen ausgestattet. Eine andere Theorie besagt, dass die Tiere ihren Hals nur waagerecht trugen und somit weniger Druck nötig war, um das Blut zu transportieren.

Grenzen für Giganten

Saurier gibt es seit 65 Millionen Jahren keine mehr. Das Ranking der grössten Landtiere wird heute von den Elefanten angeführt. Und noch immer gilt gemäss Clauss der Grundsatz: «Grosse Tiere haben Vorteile. Sie erreichen höher gelegene Futternischen, können weiter wandern, um an Futter zu kommen, haben mehr Reserven und werden selten von Räubern angegriffen.» Die Kehrseite der Medaille: Sie benötigen mehr Zeit zum Wachsen, mehr Futter und brauchen mehr Platz.

Die Folgen davon bekommt in der Heimat der Elefanten auch der Mensch zu spüren: «In Asien machen die Dickhäuter den Bauern das Leben schwer, wenn sie sich auf Futtersuche an Plantagen gütlich tun», sagt Zoodirektor Alex Rübel. Aus Platzmangel müssen die Elefantenherden durch besiedelte Gebiete ziehen.

«Damit Mensch und Tier friedlich nebeneinander leben können, braucht es viel Aufklärungsarbeit», sagt Rübel. Weil natürliche Feinde fehlen, wird das Überleben der Tiere nur durch das Nahrungsangebot begrenzt. Und Nahrung gibt es vor allem in den Reservaten genug. Kein Wunder diskutiert die Südafrikanische Regierung deshalb, «zu grosse Elefanten-Populationen durch Abschuss zu reduzieren», wie Clauss ausführt.

Lieben, was man kennt

Im Zoo besteht eine spezielle und intensive Form der Mensch-Tier-Beziehung. «Früher führten Missverständnisse bei der Tierhaltung zu Unfällen. Man hat mittlerweile aber viel über das Verhalten der grauen Riesen gelernt», sagt Rübel. So werden heute Bullen separat von der Herde gehalten. Kühe dürfen ihre Jungen im Beisein der Tanten zur Welt bringen und die Pfleger sind sich der Tatsache bewusst, dass der Elefant ein Wildtier ist und bleibt.

«Wir schützen, was wir lieben und lieben, was wir kennen», bringt Rübel den Umgang mit Tieren auf den Punkt. Aktuell plant der Zoo Zürich eine neue Elefantenanlage mit dem Ziel, den Tieren eine Umgebung zu bieten, die ihrem natürlichen Habitat entspricht. Hierfür hat der Zürcher Kantonsrat kürzlich einen Kredit von 9,8 Millionen Franken aus dem Lotteriefonds bewilligt. 

Sonja Käser ist wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Institut für Mikrobiologie, ETH Zürich.

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