Parasitologie

Eingewanderte Plagegeister

Parasitologen der Universität Zürich konnten zeigen, dass sich die Asiatische Buschmücke in der Schweiz angesiedelt hat. Es ist das erste Mal, dass sich eine invasive Mückenart in Zentraleuropa ausgebreitet hat. Die Mückenart ist eine Überträgerin des West-Nil-Virus.

Adrian Ritter

Asiatische Buschmücke: Hat sich in der Schweiz ansiedeln können.
Die Schweiz ist um eine Mückenart reicher. Wie Forscher des Institutes für Parasitologie der Universität Zürich herausgefunden haben, gesellt sich zu den heimischen Mückenarten neuerdings die Asiatische Buschmücke. «Aedes japonicus ist bereits so stark verbreitet, dass man davon ausgehen muss, dass sie sich schon vor mehreren Jahren bei uns angesiedelt hat», so Professor Alexander Mathis.

Larven sammeln

Es ist das erste Mal, dass sich eine invasive Mückenart in Zentraleuropa ausgebreitet hat. Im Sommer 2008 mehrten sich im Kanton Aargau die Klagen aus der Bevölkerung über aggressive Stechmücken. Das Institut für Parasitologie wurde einbezogen, stellte fest, dass es sich nicht um eine einheimische Mückenart handelt und begann grossflächig Mückenlarven zu sammeln.

Der soeben in der Zeitschrift «Medical and Veterinary Entomology» publizierte Befund: Aedes japonicus hat bereits eine Fläche von 1'400 Quadratkilometer besiedelt und liess sich in 38 Gemeinden in den Kantonen Aargau, Zürich, Solothurn, Luzern und Baselstadt sowie im angrenzenden Deutschland nachweisen.

Dort, wo Aedes japonicus vorkommt, ist sie sogar häufiger zu finden als die häufigste Mückenart Culex pipiens. Als bevorzugter Lebensraum und Brutstätte haben sich die Mücken unter anderem Blumenvasen auf Friedhöfen ausgesucht.

Per Container unterwegs?

Wie aber ist die Asiatische Buschmücke in die Schweiz gelangt, liegt ihre Herkunft doch in Japan, Korea und China? Bereits 1998 war das Insekt in die USA und Kanada eingeschleppt worden. Zu Beginn des Jahrtausends wurde sie an jeweils einem Ort auch in Frankreich und Belgien entdeckt. «Mit dem zunehmenden globalen Güter- und Reiseverkehr können sich auch Insekten leichter verbreiten», so Alexander Mathis.

In der Nähe der Flughäfen Zürich und Basel konnten die Forschenden allerdings nur wenige Larven nachweisen. Mathis vermutet, dass die Mücke beim Güterimport direkt aus Asien in die Schweiz gelangt ist, zumal längst nicht alle Container desinfiziert werden.

Dass sich die Mückenart in der Schweiz ansiedeln konnte, hat nichts mit dem Klimawandel zu tun: «Aedes japonicus kommt auch in kühleren Gebieten Japans oder Chinas vor. Es ist eine exotische, aber keine tropische Mücke», so Mathis.

West-Nil-Virus als Gefahr

Problematisch ist die Ansiedlung von Aedes japonicus, weil die Mückenart Krankheitserreger übertragen kann. Dazu gehört vermutlich auch das West-Nil-Virus, welches seit 1999 in den USA auftritt und seither unter 30'000 Erkrankten rund 1'000 Todesopfer gefordert hat.

In Europa ist die Krankheit, die mit Gehirnentzündungen (Encephalitis) einhergehen kann, bisher sporadisch nur in Ost- und Südeuropa aufgetreten.

Das Virus wird in Europa hauptsächlich durch Mücken der Gattung Culex von Vögeln, den eigentlichen Hauptwirten, auf den Menschen übertragen. In den USA wird das West-Nil-Virus aber auch in Aedes japonicus nachgewiesen.

Bisher ist das Virus in der Schweiz bei Vögeln aber nicht gefunden worden. Falls aber Zugvögel, die sich in der Schweiz aufhalten, mit dem Virus infiziert sind, ist denkbar, dass die Mücke zur Überträgerin des Virus auf den Menschen werden kann.

Ausbreitung weiter untersuchen

Grund zur Panik bestehe deshalb nicht, ist Mathis überzeugt. Allerdings gelte es, die Verbreitung von Aedes japonicus weiter zu untersuchen. Zudem wollen die Parasitologen abklären, ob die Larven mit einem Toxin bekämpft werden können, mit dem in der Magadinoebene im Tessin bereits andere Mückenlarven bekämpft werden.

Als sinnvoll könnten sich auch einfachere Methoden erweisen, um die Verbreitung von Aedes japonicus zu stoppen. Die Forschenden denken dabei vor allem an kleine, stehende Gewässer oder Pfützen, die sich als Brutstätten der Mückenart erwiesen haben. Leerstehende Blumenvasen auf Friedhöfen sollten in Zukunft vielleicht besser trocken bleiben.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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