Akademische Karriere

Auf der ganzen Welt gefragt

Sie studierten an der Universität Zürich. Heute haben sie einen Lehrstuhl in Berkeley oder Berlin. Wir haben bei einigen Senkrechtstartern nachgefragt, was eine internationale Karriere möglich macht. 

Sascha Renner

International orientiert: Andreas Plückthun, Professor für Biochemie, markiert die Wirkungsstätten ehemaliger Studierender. (Bild: Frank Brüderli)

Die Welt der Wissenschaft ist keine geschützte Werkstatt. Der Wettbewerb unter Forschenden und um Forschende ist hart. Es ist ein globaler Wettbewerb, der keine nationalen Grenzen kennt. Die Universität Zürich ist dank ihres Rufes ein Magnet für exzellente Forschende aus aller Welt. Umgekehrt befähigt sie aber auch den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs, auf dem internationalen Parkett zu bestehen.

Oft ist die Destination durch die Wahl des Forschungsthemas vorbestimmt, bedingt durch die Wirkstätten von Fachgrössen und Forschungsgruppen. Flexibilität und die Bereitschaft zur Mobilität sind unverzichtbar. Das kann schwierige Kompromisse im Privatleben erfordern.

Eine nicht planbare Risikopassage

Eine akademische Karriere ist immer mit einer langen Phase der Unsicherheit verbunden, die durch die eigene Leistung nur bedingt beeinflusst werden kann. Als einen «wilden Hazard» bezeichnete sie der deutsche Soziologe Max Weber 1917 in seinem Vortrag «Wissenschaft als Beruf». Diese Risikopassage berechenbarer zu gestalten, ist Gegenstand «harter» Massnahmen der Nachwuchsförderung wie Graduate Schools und Förderungsprofessuren.

Daneben spielt aber die individuelle, menschliche Komponente eine massgebliche Rolle. «Mentoren, die mich in jungen Jahren unterstützten, waren für mein wissenschaftliches Vorankommen entscheidend», sagt Michael Zaugg, seit einem Jahr Professor in Edmonton. Ursula Renz, frisch gebackene Professorin in Klagenfurt, hätte die Habilitation nicht gewagt, wenn sie ihr Doktorvater nicht dazu ermutigt hätte.

Vinzenz Hediger, seit fünf Jahren Professor in Bochum, erklärt, die Reputation seiner Doktormutter habe ihm die richtigen Türen geöffnet. Und Iris Bohnet, heute Professorin in Harvard, betont, dass die Bekanntheit ihres Doktorvaters Bruno S. Frey für ihre Karriere hilfreich gewesen sei.

Bewährte Karriere-Rezepte

Doktorväter und Doktormütter, deren junge Mitarbeitende in akademische Toppositionen weltweit aufgestiegen sind, geben ihren Nachwuchskräften früh die Chance, sich zu exponieren; sie arbeiten eng mit ihnen zusammen, um exzellente Resultate zu gewährleisten; sie schlüpfen auch mal in die Rolle eines Projektmanagers und beraten bei beruflichen Weichenstellungen; und sie geben ihren Schülern die Gelegenheit, eigenständige Forschung zu betreiben und sich ein Forschungsprofil zu erarbeiten. Bewährte Rezepte, die eine akademische Karriere etwas weniger hazardös machen.

Wir stellen Ihnen vier Zürcher Absolventinnen und Absolventen (PDF-Dokument) vor, die Rufe auf ausländische Lehrstühle erhalten und angenommen haben. Aus Edmonton, Harvard, Bochum und Klagenfurt blicken die jungen Lehrstuhlinhaber auf ihre Laufbahn zurück, die in Zürich ihren Anfang nahm. Keiner der Befragten sah eine solche Musterkarriere voraus.

Sascha Renner ist Redaktor des unijournals.

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