Armenien und Türkei

Abkommen an der Universität Zürich unterzeichnet

Historischer Moment an der Universität Zürich: Die Türkei und Armenien haben sich am Samstag nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen verpflichtet. Die Zeremonie hatte sich zuvor wegen Uneinigkeiten verzögert.

Marita Fuchs3 Kommentare

Aufnahme aus dem Übertragungshörsaal: Der Aussenminister der Türkei, Ahmet Davutoglu (rechts sitzend), und Armeniens, Edouard Nalbandian, setzten in der Aula der Universität Zürich ihre Unterschriften unter das rund zehnseitige Dokument. (Bild: Marita Fuchs)

Armenien und die Türkei haben in der Aula der Universität Zürich ein Abkommen zur Normalisierung ihrer Beziehungen geschlossen. Die Aussenminister beider Länder setzten am Samstagabend mit dreistündiger Verspätung ihre Unterschriften unter das Abkommen. Eingeladen von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und begleitet von US-Aussenministerin Hillary Clinton machten die Türkei und Armenien damit einen bedeutenden Schritt aufeinander zu.

Zitterpartie bis zum Schluss

Die Universität Zürich glich am Samstag einer Hochsicherheitsfestung. Schon am frühen Morgen hatte die Polizei das Gelände um die Hochschule abgesperrt. Einlass fanden ausschliesslich die politischen Delegationen und etwa 180 akkreditierte Journalisten. US-Aussenministerin Hillary Clinton war wie ihre Kollegen aus Russland, Frankreich und der EU extra zur  Unterzeichnungszeremonie in die Schweiz gereist.

Die Zeremonie war auf 17.00 Uhr geplant, allerdings mussten sich alle Beteiligten länger gedulden, bis es schliesslich um 20.25 Uhr zur Unterzeichnung kam.

Journalisten verfolgten das Geschehen auf der Grossleinwand im Hörsaal 180.
Mit einem Augenzwinkern

Wegen armenischer und türkischer Bedenken gegen die geplanten Schluss-Statements nach der Zeremonie hatte sich die Unterzeichnung  mehrmals verzögert. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und US-Aussenministerin Hillary Clinton schalteten sich mit ihren Unterhändlern schlichtend ein und konnten einen Kompromiss aushandeln: Weder der Türke Ahmet Davutoglu noch sein armenischer Kollege Edouard Nalbandian würden ein Statement abgeben. Als es endlich zur Unterzeichnung kam, zwinkerte Hillary Clinton ihrer Schweizer Amtskollegin Micheline Calmy-Rey erleichtert zu.

Dank auch an die Universität Zürich

In ihrer kurzen Ansprache lobte die Bundesrätin den türkischen und armenischen Aussenminister für ihren Mut und ihre Einsatzbereitschaft. Sie bedankte sich ebenfalls bei der Universität und dem Kanton Zürich, die als Gastgeber das Abkommen mit möglich gemacht hätten.

Das von der Schweiz vermittelte Dokument ruft zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen und zur Öffnung der seit 1993 geschlossenen Grenzen zwischen der Türkei und Armenien auf. In einigen Formulierungen wird ausserdem die Grundlage für weitere Gespräche gelegt.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News

3 Leserkommentare

Christoph Suter schrieb am Ein denkwürdiger Anlass Es ist grossartig, was sich am Samstag an der UZH abgespielt hat. Unsere schnöde Uni als Ort, an dem zwei entfremdete Völker einen Schritt aufeinander zu machen. Erfüllt das einen nicht mit Stolz, wenn man das nächste mal eine Vorlesung in der Aula besucht? Hier wird nicht nur 20min gelesen und von Folien abgelesen, es findet ab und an ein Anlass statt, der innehalten lässt und vor Augen führt, wozu Menschen in der Lage sind. Der Mensch kann nicht nur Waffen produzieren, Kriege vom Zaun brechen und Mittellose ausbeuten, sondern ab und zu auch mal etwas richtig machen. Bravo! Und dass dieser Anlass hier bei uns und nicht in einem anonymen staatlichen oder gar privatenUmfeld stattgefunden hat, beweist Volksnähe. Trotz der kritisierten Sicherheitsmassnahmen! Ein Risiko einzugehen und sich hinterher für eventuelle Sicherheitsmängel entschuldigen zu müssen, wäre einem weiteren Gesichtsverlust der Schweiz im Ausland gleichgekommen. Ein Anlass mit Strahlkraft, an den wir uns gerne erinnern.
Atac Enes schrieb am Wir haben eine grosse Chance verpasst.Warum? Der Aussenminister der Türkei, Ahmet Davutoglu, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, US-Aussenministerin Hillary Clinton und wie ihre Kollegen aus Russland, Frankreich und der EU. Sie könnten an der UZH eine Konferenz für die Studenten organisieren. Es könnte brauchbar für Studenten sein.Wann kann UZH so viele erfahrungsvolle würdige Diplomaten wieder zusammenbringen?
Bernhard Meier schrieb am Fast wie ein Agenturbericht Das konnte man in ähnlicher Form bereits in der Sonntagspresse lesen! Schade nehmen Sie die Gelegenheit nicht wahr, den Lesern stattdessen einen Blick hinter die Kulissen dieses fragwürdigen Anlasses zu geben. Ausserdem würde ich ein paar kritische Worte zur Absperrung der gesamten Universität inklusive Umgebung erwarten. Es ist doch unerhört, einen ganzen Tag lang die Universität für die Öffentlichkeit resp. das "gemeine Volk" zu sperren, obwohl die Uni ein öffentliches Gebäude ist, bezahlt aus den Steuergeldern des Zürcher und Schweizer Volks und nicht etwa von der Türkei, Armenien oder den USA. Wieso konnte die Unterzeichnung nicht gleich im Dolder stattfinden? Dann hätte man auch das Verkehrschaos durch die Diplomatenkarawane vermeiden können und dieSicherung des Gebäudes wäre viel einfacher und günstiger gewesen, da privat. Und vor allem wäre dann die Uni nicht zu einem Ort der Eliten degradiert worden, sondern ein Ort fürs Volk geblieben.

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