Wissenschaftskommunikation

60 Sekunden für das Wesentliche

Ein wissenschaftliches Projekt in einer Minute erklären, verständlich und übersichtlich – ist das überhaupt möglich? Fünf PhD-Studierende, die beim Kurs Wissenschaftskommunikation der Life Science Graduate School teilnahmen, stellten es unter Beweis. In der Jury mit dabei: Regierungspräsidentin Regine Aeppli. 

Marita Fuchs

Das Geheimnis der Muttermilch enträtseln: Adrienne Weiss vom Physiologischen Institut der Universität Zürich. (Bild: Marita Fuchs)

Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Dialog zwischen Wissenschaft, und Öffentlichkeit zu fördern. Atlant Bieri ist ein engagierter Lehrer. Seit drei Semestern gibt der Umweltwissenschaftler und Wissenschaftsjournalist Kurse für Wissenschaftskommunikation an der Life Science Graduate School der Universität und der ETH Zürich; am Montag stellte er unter Beweis, was die Teilnehmer in seinen Kursen lernen.

Die Absolventinnen und Absolventen des diesjährigen Kurses mussten vor einer hochkarätigen Jury bestehen: Neben Regierungspräsidentin Regine Aeppli beurteilten Kathrin Meier-Rust, Wissenschaftsjournalistin bei der NZZ am Sonntag, und Dominique Zygmont, Public Affairs Manager bei Syngenta International, die Vorträge der Doktorierenden. Kritische wissenschaftliche Fragen zu den Projekten stellte Michael Hengartner, Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Er war als Ehrengast eingeladen worden.

Verständlich, strukturiert und gut präsentiert

In nur einer Minute stellten die fünf jungen Forscherinnen und Forscher ihr Projekt vor. Zuvor hatten sie eine Stunde Zeit gehabt, ein wissenschaftliches Poster zu kreieren, das sie in ihrem Kurzvortrag erläutern sollten. Beurteilt wurde die Verständlichkeit des Vortrags, die Art der Präsentation und die Struktur des Erzählten.

Kursleiter Atlant Bieri (links) mit dem Preisträger Pascal Songhet, Doktorand der Mikrobiologie. (Bild: Marita fuchs)

Den «Science Communicator of the Day Award» erhielt Pascal Songhet, Doktorand der Mikrobiologie in der Gruppe Wolf-Dietrich Hardt von der ETHZ. Er erklärte, wie Salmonellen den Körper infizieren. In seiner Dissertation arbeitet er mit Mausmodellen, um herauszufinden, mit welchen Medikamenten man die Salmonellen im Körper am wirksamsten bekämpfen kann. Sein Vortrag dauerte genau 61 Sekunden und war souverän vorgetragen, befand die Jury. Einziger Mangel: Einige Bilder des Posters seien nicht gut erklärt worden.

Das Geheimnis der Muttermilch enträtseln

Die Kandidatin und der Kandidat der Universität Zürich wurden ebenfalls recht hoch eingestuft. Adrienne Weiss vom Physiologischen Institut der Universität Zürich möchte in ihrer Arbeit das Geheimnis der Muttermilch enträtseln, um Müttern, die nicht selber stillen können, einen adäquaten Ersatz zu bieten. Von Regierungsrätin Aeppli erhielt Adrienne Weiss die volle Punktzahl. Ihr Nachteil: Sie hatte mit etwa 70 Sekunden ihre Redezeit überzogen.

Fachkundige Jury (v.l.n.r.): Kathrin Meier-Rust, Wissenschaftsjournalistin bei der NZZ am Sonntag, Regierungspräsidentin Regine Aeppli und Dominique Zygmont, Public Affairs Manager bei Syngenta International. (Bild: Marita Fuchs)

Damir Perisa vom Institut für Klinische Chemie am Universitätsspital Zürich berichtete über seine Forschung zu Arterienverkalkung und zu den Gefahren von Übergewicht und Bewegungsmangel. Er hatte einen guten Titel für sein Poster gewählt, «Traffic jam in your arteries», konnte die Jury aber nicht überzeugen, weil er bei der Präsentation zu sehr dem Poster zugewandt war und den Augenkontakt zur Jury nicht suchte.

Sich Geldgebern verständlich machen

Warum sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihr Projekt in 60 Sekunden präsentieren? «Wissenschaftler müssen sich heute erklären können», sagt Atlant Bieri. Das führe auch zu einer besseren Akzeptanz der Wissenschaft in der Öffentlichkeit.  Zudem müssten junge Forscher bei einer Posterpräsentation – wie sie auf wissenschaftlichen Kongressen üblich ist – ansprechend und in kurzer Zeit Interesse für ihre Forschung wecken können, meint Bieri. Nicht zuletzt möchten auch Geldgeber und Sponsoren verstehen, in welche Projekte sie ihr Geld investieren.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000