Studien zu Anlageverhalten und Aktienbesitz

Die Börse studieren

Zwei Studien des Institutes für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich beleuchten das Anlageverhalten der Schweizerinnen und Schweizer. Während der Anteil der Aktionäre stagniert, haben die «Strukturierten Produkte» im Portfolio weiter an Bedeutung gewonnen. Die Befragungen fanden allerdings noch vor den jüngsten Turbulenzen an der Börse statt.

Adrian Ritter

Eine breite Schicht der Schweizer Bevölkerung scheint bezüglich des Aktienhandels allgemein desillusioniert zu sein. (Bild: Stockxpert)

Lag der Anteil der Aktionärinnen und Aktionäre in der Schweizer Bevölkerung im Jahre 2000 noch bei 30 Prozent, stagniert er bei rund 20 Prozent. Dies bestätigt die neue Studie «Aktienbesitz in der Schweiz 2008» des Institutes für schweizerisches Bankwesen (ISB).

Im Abstand von zwei Jahren wird dabei seit dem Jahr 2000 eine repräsentative Befragung der Schweizer Bevölkerung durchgeführt. Die diesjährigen Telefoninterviews fanden im Mai/Juni statt und widerspiegeln somit noch nicht die jüngsten Geschehnisse an den Börsen.

Die Immobilienkrise in den USA und deren Folgen haben in der Studie trotzdem bereits Spuren hinterlassen. So hat etwa die Skepsis gegenüber US-Anlagen gemäss den neuesten Zahlen seit 2006 deutlich zugenommen.

Allgemeine Skepsis

Eine breite Schicht der Schweizer Bevölkerung scheint bezüglich des Aktienhandels allgemein desillusioniert zu sein. Auch Hausse-Phasen an der Börse wie 2005 und 2006 führten zu keiner wesentlichen Veränderung der jetzt vorherrschenden Zurückhaltung. So hat beispielsweise der Anteil der Aktionäre bei den 18-39 Jährigen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich abgenommen. «Das Platzen der «Internet-Blase» führte offenbar dazu, dass insbesondere jüngere Anleger dem Aktienmarkt den Rücken kehrten», ist in der Studie zu lesen.

«Die Börsenwelt hat ihren Zauber vorerst verloren und es könnte lange dauern, bis neue Anleger wieder vertrauensvoll Aktieninvestments tätigen», so das Fazit von Studienleiter Prof. Teodoro Cocca. Dies sei insofern umso bedauerlicher, weil sich dank der technologischen Entwicklung der letzten zehn Jahre die Informationsmöglichkeiten und der Börsenzugang für breite Bevölkerungskreise deutlich verbessert habe.

Der Vertrauensverlust hat gemäss den Autoren damit zu tun, dass der Aktienmarkt sich in den letzten Jahren von der launischen Seite gezeigt habe. Nachhaltige Wertmehrung blieb ein seltenes Ereignis, vielmehr prägten Übertreibungen, Exzesse und fehlendes Risikobewusstsein die Börsenschlagzeilen. So erstaunt es gemäss Studienleiter Cocca nicht, dass sich der Swiss Market Index (SMI) in etwa auf demselben Stand wie vor zehn Jahren befinde: «Man kann auch von einem verlorenen Jahrzehnt für das Volkssparen in Aktien sprechen.»

Auf dem Vormarsch

Bemerkenswert ist demgegenüber der weitere Vormarsch so genannter «Strukturierter Produkte». Dies sind Kombinationen herkömmlicher Anlagen (Aktie, Obligation usw.) mit derivativen Finanzinstrumenten. Unter letzteren versteht man Termingeschäfte, deren Preis sich von einem Basiswert (Gold, Öl, Zinsen, Devisen) ableitet.

Das ISB veröffentlichte dazu am Montag die Studie «Strukturierte Produkte in der Schweiz 2008». Sie basiert ebenfalls auf einer Befragung im Mai/Juni 2008. Rund sieben Prozent der befragten Personen gaben dabei an, über mindestens ein Strukturiertes Produkt zu verfügen (2001: rund zwei Prozent). Die erwartete Rendite wurde dabei als das entscheidende Kriterium für den Kaufentscheid angegeben.

Rund 70 Prozent der Besitzer solcher Produkte haben vor dem Kauf ein Beratungsgespräch bei einem Bankenvertreter in Anspruch genommen. Strukturierte Produkte sind deutlich komplexer als Anlagefonds, Aktien oder Obligationen. Entsprechend schätzen die Befragten auch ihren Wissensstand über verschiedene Anlageinstrumente unterschiedlich ein. Das Instrument Bankkonto erreicht dabei deutlich höhere Werte als Anlagefonds/Aktien/Obligationen und diese liegen wiederum deutlich vor den Strukturierte Produkten.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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