Zürcher Theologiepreis verliehen

«Die beste aller möglichen Welten»

Am Donnerstag wurde an der Diplomfeier des Theologischen Seminars auch ein ganz junger Nachwuchsforscher ausgezeichnet: Der Zürcher Theologiepreis ging an Ronny Noser für seine Maturaarbeit über das Theodizee-Problem.

Marita Fuchs

Konrad Schmid, Dekan der Theologischen Fakultät, gratuliert Ronny Noser zu seiner ausgezeichneten Arbeit. (Bild: Natalie Pieper)

Seit 2005 wird von der theologischen Fakultät jährlich der Theologiepreis für eine herausragende Maturaarbeit im Bereich Religion, Ethik und Theologie verliehen. Die Auszeichnung und ein Preisgeld von 500 Franken erhält in diesem Jahr der Maturand Ronny Noser für seine Arbeit über das Theodizee-Problem.

Als Theodizee wird ein klassisches theologisches Problem bezeichnet, das ausgehend von der Existenz eines allmächtigen und allwissenden Gottes die Frage aufwirft, wie Gott mit dem Übel oder dem Bösen in der Welt vereinbar sei. Der Begriff Theodizee selbst geht auf den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz zurück, der diese Welt als «die beste aller möglichen Welten» bezeichnete und deshalb – so Leibniz – widerspreche die Existenz des Übels in der Welt nicht der Güte Gottes.

Frühes Interesse

Der Maturand Ronny Noser verfasste seine Arbeit an der «Kantonsschule Im Lee» in Winterthur. Vom schwierigen Thema hat er sich nicht abschrecken lassen, schon in der dritten Klasse wurde er auf das Thema aufmerksam. «Im Freifach Theologie lernte ich das Theodizee-Problem kennen. Mich interessierte dieses philosophisch anspruchsvolle Thema sehr, da ich mich mit dem schwerwiegendsten Argument konfrontiert sah, das man gegen die Existenz eines Gottes vorbringen konnte. Da ich selber an einen Schöpfergott im christlichen Sinn glaube, hat mich dieses Problem auch im privaten Leben weiter beschäftigt», erklärt Noser seine Motivation.

Ronny Noser hatte auf der Diplomfeier gestern auch Gelegenheit, Dozierende und Studierende der Fakultät kennen zu lernen und Fragen zu stellen. Falls er sich für ein Theologiestudium entscheiden sollte, taucht er schon mit Vorkenntnissen ins Fach ein.

«Grosser persönlicher Gewinn»

UZH-Professor und Jury-Mitglied Thomas Krüger begründet die Auszeichnung der Fakultät: «Der Preis steht im Rahmen der Nachwuchsförderung. Wir möchten Schülerinnen und Schüler anspornen, sich mit Theologie und Religionswissenschaften auseinanderzusetzen.»

Bei den dreizehn eingereichten Arbeiten achtete die Jury bei ihrer Preisvergabe auf folgende Kriterien: neben dem Bezug zur Religionswissenschaft oder Theologie sollte die Arbeit kreativ, methodisch exakt und urteilssicher sein. Ein weiteres Kriterum ist, dass sich die Arbeit auf eine unvoreingenommene und wissenschaftliche Weise mit dem Thema auseinandersetzt.

Diese Kriterien erfüllt Ronny Nosers Maturaarbeit voll und ganz. Nach einführenden geschichtlichen Fakten zur Theodizee geht er auf die drei klassischen Lösungsversuche nach Augustinus beziehungsweise den Leibniz'schen Erklärungsversuch und deren Kritik ein. In der Folge werden die klassischen Eigenschaften Gottes – Allgüte, Allwissenheit und Allmacht – im Hinblick auf das Theodizee-Problem diskutiert und in Frage gestellt. Ausserdem wird die These von Gott als das für den Menschen schlechterdings unbegreifliche Subjekt beleuchtet.

Nach dieser systematischen Evaluation verschiedener Lösungsansätze schliesst die Arbeit mit der Darlegung der eigenen Meinung, die sich Ronny Noser im Zuge der Beschäftigung mit den verschiedenen Positionen gebildet hat. Er schreibt: «Abschliessend betrachtet habe ich von meiner Arbeit einen grossen persönlichen Gewinn. Ich weiss zwar noch immer nicht, wie das Leid und das Böse auf dieser Welt mit einem gütigen, allmächtigen und allwissenden Gott vereinbart werden könnte, doch ich habe in dieser Hinsicht einiges dazu gelernt – auch was die Art zu denken anbelangt.»

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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