Sustainability Dialogue with Leaders and Pioneers

Botschafter des Wandels

Mit der Publikation «Die Grenzen des Wachstums» sorgte Prof. Dennis L. Meadows 1972 für Aufsehen. Heute sieht er einen noch grösseren Handlungsbedarf, was den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und das ökologische Gleichgewicht anbelangt.

Adrian Ritter

«Wir haben Probleme vor uns, für die es keine gemütlichen Lösungen gibt», so Prof. Dennis L. Meadows. (Bild: Adrian Ritter)

Dennis L. Meadows hat eine Mission. Seit bald 40 Jahren versucht der heute 66-Jährige der Welt klar zu machen, dass es so nicht weitergehen kann. Wir leben über unsere Verhältnisse, so der Kern der Botschaft des emeritierten Direktors des «Institute für Policy and Social Science Research» an der Universität von New Hamsphire.

An seiner Botschaft habe sich seit der Publikation des Buches «Die Grenzen des Wachstums» nichts geändert, wie Meadows am Donnerstag anlässlich seines Referates auf Einladung des «Sustainability Forum Zurich» sagte.

Dachte vor 1972 kaum jemand über die Grenzen des Wachstums nach, sei das Thema heute viel präsenter. Dies zeige nur schon der Blick in die Medien, wo Themen wie Finanzkrise, hoher Ölpreis und Naturkatastrophen allgegenwärtig seien.

Im Unterschied zu den 1970er Jahren gehe es heute nicht darum, das Wachstum nur zu bremsen, sondern rückgängig zu machen. «Wir bewegen uns weit über einem nachhaltigen Niveau», sagte Meadows mit Blick auf die Nutzung von Ressourcen und die Verschmutzung der Umwelt. Entsprechend sei der Handlungsbedarf heute noch grösser als damals.

Entwicklungsszenario ökologischer und ökonomischer Indikatoren gemäss Prof. Meadows, wenn die Entwicklung ungebremst weitergeht. (Bild: Dennis L. Meadows)

Es wird ungemütlich

Wenn es so weitergehe, drohe ein regelrechter Kollaps, was die Übernutzung der natürlichen Ressourcen und die Verschmutzung der Umwelt anbelange. Zwischen 2040 und 2050 werde unser Planet einen Wendepunkt erreichen, nach welchem die natürlichen Ressourcen, die Industrieproduktion, die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und entsprechend auch die Weltbevölkerung dramatisch sinken werden.

Ungemütlich werde es aber bereits vorher. Wie schon in den «Grenzen des Wachstums» aufgezeigt, sei ab etwa 2020 mit gravierenden Problemen zu rechnen. Chaotische Zustände ausgelöst durch Nahrungsmittelknappheit, Klimawandel oder wie gegenwärtig im Finanzwesen dürften dann von der Ausnahme zum Standard werden.

Nachhaltigkeit aus den USA?

Nicht überall auf der Welt seien die Probleme gleich drängend, so Meadows. So habe etwa die Schweiz schon viele Schritte auf dem Weg zur Nachhaltigkeit unternommen. So gesehen sei es «lächerlich», als US-Amerikaner der Schweiz etwas über Nachhaltigkeit erzählen zu wollen, meinte er.

Klar sei allerdings auch, dass die Schweiz nicht verschont werde von den kommenden Veränderungen. Als reiche Nation könne sie sich zwar von gewissen Problemen wie etwa einer Nahrungsmittelknappheit freikaufen. Die globale Klimaveränderung oder das Ende der Ölreserven werden aber auch die Schweiz betreffen.

Podium mit (von links) Moderator Thomas Streiff (Sustainability Forum Zurich), Barbara Haering, Dennis L. Meadows, Klaus Wellershoff und Rudolf Minsch. (Bild: Adrian Ritter)

Wandel in der Politik?

Klaus Wellershoff, Chefökonom der UBS AG und Rudolf Minsch, Chefökonom von Economiesuisse, setzten dem bedrohlichen Szenario von Meadows in der anschliessenden Podiumsdiskussion eine positivere Sichtweise entgegen: Der Schutz der Umwelt sei heute politisch anerkannt und das politische System durchaus handlungsfähig.

Minsch wies darauf hin, dass die Schweiz die Verpflichtungen aus dem Kyoto-Protokoll werde einhalten können und dass der hohe Energiepreis die Suche nach Alternativen attraktiv mache.

Gewohnheiten ändern

Umweltgerechtes Reden und Handeln sei zweierlei, antwortete Meadows. Die global stark steigenden CO2-Emmissionen zeigten, dass die bisherigen Massnahmen keine grosse Wirkung erzielten. Dass technologische Massnahmen einen Ausweg aus der Sackgasse ermöglichen, daran glaubt Meadows nicht. Eine effizientere Nutzung oder alternative Formen von Energie würden das Problem nicht lösen. Dazu sei es zu spät.

«Wir haben Probleme vor uns, für die es keine gemütlichen Lösungen gibt», so Meadows. Es sei unumgänglich, unsere Ansprüche und unser Verhalten zu ändern und weniger zu konsumieren, ist er überzeugt.

Ein Haupthindernis auf dem Weg zum Wandel sieht er im fehlenden langfristigen Denken. Als mögliche Lösung plädierte er dafür, über längere Wahlperioden für Politikerinnen und Politiker nachzudenken, damit diese nicht gleich nach der Wahl wieder an ihre Wiederwahl nachdenken müssen.

Werte diskutieren

«Wir müssen über Werte diskutieren», meinte auch Umweltwissenschaftlerin und Alt-Nationalrätin Barbara Haering. Nur die Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Wirtschaft könne das nötige längerfristige Denken fördern.

«Glauben Sie, dass wir es schaffen?», wurde Meadows zum Schluss aus dem Publikum gefragt. Sein «of course» tönte allerdings nicht gänzlich überzeugt. Doch Dennis L. Meadwos ist nicht der Mann, der die Hoffnung aufgibt. Den «Club of Rome», der damals die Studie über die «Grenzen des Wachstums» in Auftrag gegeben hatte, hat Meadows zwar kürzlich verlassen. Gleichzeitig hat er aber den «Club of Vienna» gegründet, ein neues Disskussionsforum zu Fragen der Nachhaltigkeit.

Die Veranstaltung fand statt im Rahmen der Reihe «Sustainability Dialogue with Leaders and Pioneers» des Sustainability Forum Zürich (TSF) statt. TSF ist eine gemeinsame Initiative des Center for Corporate Responsibility and Sustainability an der Universität Zürich, novatlantis und ETH sustainability.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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