Statistische Beratung

Zwischen Logik und Intuition

Das Institut für Mathematik bietet den Studierenden und Forschenden der Universität Zürich statistische Beratung an. «Zuhören und nachfragen», lautet das Motto, mit dem Assistent Dominik Heinzmann bei statistischen Problemen weiterhilft.

Adrian Ritter

Rund 70 Personen suchen jährlich die statistische Beratung am Institut für Mathematik auf. Seit Mitte 2007 unterstützt dort Dominik Heinzmann die Forschenden bei statistischen Problemen. (Bild: Adrian Ritter)

«Wer sich mit Statistik gut auskennt, sollte diejenigen unterstützen, die Probleme damit haben», findet Dominik Heinzmann. Diese Ansicht teilt die Arbeitsgruppe für Biomathematik, angewandte Wahrscheinlichkeit und Statistik (BAPS) von Prof. Andrew Barbour am Institut für Mathematik, wo Heinzmann Doktorand ist.

Seit 2002 bietet die BAPS-Gruppe deshalb eine regelmässige statistische Beratung an. Dominik Heinzmann hat diese Funktion seit bald einem Jahr inne und investiert wöchentlich drei Stunden ausserhalb seiner Arbeitszeit, um Studierende und Forschende bei statistischen Fragen in ihren Projekten zu unterstützen.

Genutzt wird das Angebot vor allem von Angehörigen der Philosophischen und der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. So hat Dominik Heinzmann kürzlich eine Lizentiatin beraten, welche die Berufsrückkehr von Müttern untersuchte und Fragen hatte zum Design einer Langzeitstudie. Ein anderer Student wollte wissen, ob er das richtige statistische Modell gewählt hatte. Er untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Risikobewusstsein von Internetnutzern und der Häufigkeit, mit der sie von Viren heimgesucht werden.

Ambivalentes Verhältnis

Meist brauchen die Ratsuchenden Hilfe bei komplexen statistischen Verfahren, welche im Statistikunterricht der jeweiligen Fächer nicht vertieft behandelt werden konnten. «Manchmal geht es in der Beratung zuerst darum, den Ratsuchenden die Ängste und Zweifel bezüglich Statistik zu nehmen», erzählt Heinzmann.

Obwohl die Statistik in der Gesellschaft sehr präsent sei und nicht nur in der Wissenschaft immer wichtiger werde, hätten viele Menschen eine grosse Distanz zu ihr. Undurchschaubar und unverständlich wirke sie auf viele, gerade wenn der Mathematikunterricht in der Jugend in schlechter Erinnerung geblieben sei.

Die Erfahrung von Heinzmann in den Beratungen allerdings ist eine andere: «Wenn man einen Sachverhalt anschaulich erklären kann, verstehen ihn die Ratsuchenden meist schnell».

Dominik Heinzmann: «Meine Aufgabe ist es, aus dem Gespräch die relevanten Informationen herauszufiltern und in eine mathematische Sprache zu übersetzen.» (Bild: Adrian Ritter)

Hundebandwurm modellieren

«Zuhören und nachfragen» lautet dabei sein Motto: «Meine Aufgabe ist es, aus dem Gespräch die relevanten Informationen herauszufiltern und in eine mathematische Sprache zu übersetzen».

Wenn immer möglich arbeitet er dabei mit Grafiken und Beispielen, am besten aus dem Fachgebiet der Ratsuchenden. Wenn es sich um die Naturwissenschaften handelt, kann Heinzmann aufgrund der eigenen Erfahrung aus dem Vollen schöpfen. In seiner Dissertation versucht er gegenwärtig, das Leben des Hundebandwurmes mathematisch zu modellieren. Das soll beispielsweise Auskunft geben darüber, welches die relevanten Risikofaktoren der Übertragung sind.

Nicht zu spät kommen

«Wichtig für den Umgang mit Statistik ist eine Mischung aus Logik und Intuition», sagt Heinzmann. Die Logik betreffe das theoretische Vorgehen, die Intuition den gesunden Menschenverstand, der ein Resultat daraufhin prüfe, ob es Sinn machen kann.

So kommen die meisten Ratsuchenden denn auch mit statistischen Auswertungen in die Beratung, also erst gegen Ende ihrer Projekte. Die Möglichkeiten, zu helfen, sind zu diesem Zeitpunkt allerdings beschränkt, falls bereits bei der Datenerhebung Versäumnisse stattgefunden haben, indem etwa wichtige Variablen nicht erhoben wurden.

«Das Motto «Zuerst die Daten, dann die Statistik» ist leider eine verbreitete und falsche Ansicht», so die Erfahrung von Heinzmann. «Idealerweise nehmen Sie schon bei der Planung von Versuchen Kontakt mit uns auf», steht denn auch auf der Website der BAPS-Gruppe.

Der Rat von Dominik Heinzmann auf jeden Fall ist gefragt, auch wenn aus Kapazitätsgründen bisher wenig Werbung für das Angebot gemacht wurde. Rund 70 Personen suchen jährlich die Beratung auf, mit zwei bis drei Wochen Wartefrist ist jeweils zu rechnen.

Die Beratung ist aber nicht nur für die mit statistischen Fragen beschäftigten Forschenden nützlich. «Für mich als Doktorand ist es eine wertvolle Erfahrung, beratend tätig sein zu können», so Heinzmann.

Die kostenlose statistische Beratung der BAPS-Gruppe richtet sich an Studierende und Forschende der UZH, die mit einer Master- oder Lizentiatsarbeit, einer Doktorarbeit oder einer anderen wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt sind. Angesprochen sind Angehörige der Mathematisch-naturwissenschaftlichen, Philosophischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät. Die Medizinische und die Veterinärmedizinische Fakultät haben eigene statistische Beratungen.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000