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Gedächtnisprobleme durch Cortison-Therapie sind nicht dauerhaft

Dominique de Quervain von der Universität Zürich hat in einer Studie gezeigt, dass Gedächtnisprobleme aufgrund von Cortison-Therapien nicht auf eine dauerhafte Schädigung des Gehirns zurückgehen. Wird die Therapie beendet, ist die Gedächtnisleistung wieder normal.
Theo von Däniken

Dominique de Quervain (l.) und Daniel Coluccia.

Therapien mit Glucocorticoiden wie Cortison werden zur Behandlung verschiedener entzündlicher Krankheiten, etwa Allergien oder rheumatoider Arthritis, erfolgreich eingesetzt. Allerdings kann die Therapie zu Gedächtnisproblemen führen. Professor Dominique de Quervain von der Abteilung Psychiatrische Forschung der Universität Zürich und sein Doktorand Daniel Coluccia haben nun in einer Studie nachgewiesen, dass diese Nebenwirkungen – auch nach langjähriger Einnahme der Medikamente – nicht auf eine dauerhafte Schädigung des Gehirns zurückzuführen sind.

Zwar kam es bei den Patienten zu leichten Gedächtnisproblemen. «Das Gedächtnis funktionierte jedoch wieder normal, sobald das Medikament abgesetzt wurde», erklärt de Quervain. Untersuchungen im Kernspintomographen lieferten ebenfalls keine Hinweise auf eine dauerhafte Schädigung des Gehirns.

In der Studie wurden Patienten mit rheumatoider Arthritis untersucht, welche über mehrere Jahre entweder mit Glucocorticoiden in häufig verwendeten Dosierungen behandelt wurden oder andere Medikamente erhielten. De Quervain betont, dass die Ergebnisse nur für Therapien mit niedrigen bis mittleren Dosierungen gelten. Bei Therapien mit hohen Dosierungen könne nicht ausgeschlossen werden, dass eine dauerhaften Schädigung des Gehirns mit verantwortlich für die Gedächtnisprobleme ist.

Magnetresonanztomographie des Gehirns. Unter Glucocorticoidtherapie kam es zu keinen Volumenveränderungen des Gehirns, insbesondere auch nicht des Hippocampus (gelb umrandet), einer für das Gedächtnis wichtigen Hirnstruktur.

Die Studie bestärkt frühere Untersuchungen de Quervains, wonach hohe Glucocorticoidwerte im Blut zu einer Behinderung des Gedächtnisabrufs führen. So schüttet der Körper in Stresssituationen das Glucocorticoid Cortisol aus, das die Gedächtnisleistung beeinträchtigt und zum Beispiel in Prüfungssituationen ein «Black-out» hervorrufen kann. Sinkt der Cortisolwert wieder auf ein normales Mass, ist die Gedächtnisblockade vorüber.

Dasselbe Verhalten konnten de Quervain und Coluccia nun für die Therapie-bedingten Gedächtnisverluste aufzeigen. De Quervain vermutet, dass erhöhte Werte von Glucocorticoiden auch bei anderen Erkrankungen für Gedächtnisprobleme mit verantwortlich sind. Er arbeitet derzeit mit seinem Team an einer Strategie, solche Gedächtnisprobleme pharmakologisch zu behandeln.