Broschüre zu Gendoping

Genspritze für Superathleten?

Eine Broschüre des Bundesamtes für Sport erklärt, wie Gendoping wirkt und warnt vor den nicht absehbaren Schäden an Gesundheit und Leben. Auch der Epo-Forscher Max Gassmann von der Universität Zürich kommt zu Wort.

Marita Fuchs

Die finnische Skilanglauflegende Eero Mäntyranta hat etwas, das heute gerne viele Ausdauersportler besässen: Eine Mutation im körpereigenen Epo-Rezeptor-Gen, die seine Leistungsfähigkeit erhöhte. Wem die Natur keinen solchen Zufall beschert, kann künftig vielleicht auf Gendoping zurückgreifen.

Max Gassmann warnt vor den nicht abschätzbaren Langzeitfolgen von Gendoping. (Bild: zVg)

Manipuliertes Erbgut wird dafür in den Körper eingeschleust, ganz wie in der Gentherapie von Krankheiten. Professor Max Gassmann und sein Team vom Institut für Veterinärphysiologie hat auf diese Weise das menschliche Epo-Gen in Mäusen eingeschleust und untersucht nun eingehend die Folgen dieser genetischen Veränderung. Ob das in der Grundlagenforschung mit Mäusen Erprobte, auch beim Menschen gelänge, ist unklar. Wie solche Manipulationen nachzuweisen wären, ist für die Kontrolleure aber schon jetzt ein verzwicktes Problem – auch wenn diese Zukunft des Dopings wohl noch nicht angebrochen ist.

«Die Verlockung für ambitionierte Sportler, sich auf Gendoping einzulassen ist gross», meint der Veterinärphysiologe Max Gassmann. Da tut Aufklärung not. Denn die Auswirkungen des Gendopings für den Menschen sind nicht nur fatal sondern auch letal. Die Broschüre des Bundesamtes für Gesundheit bietet auf anschauliche und gut verständliche Weise einen Überblick über die Risiken des manipulierten Wettstreits.

Am Erbgut drehen

Die Belege dafür, dass Fitness eine Sache der Gene ist, sind überwältigend. Zwillinge ähneln einander auffällig in ihren Leistungsdaten, auch bei unterschiedlichem Lebenswandel. Afrikanischstämmige Athleten laufen ihrer Konkurrenz davon. Auch wenn die Medizin grosse Hoffnungen daran knüpft, kranke Gene durch gesunde zu ersetzen, so ist es doch kompliziert, Gene im Körper so an den richtigen Ort zu bringen, dass sie dort auch ihre Funktionen erfüllen.

Ein möglicher Weg besteht in der Verwendung abgeschwächter Viren. Viren vermehren sich, indem sie ihre eigene Erbsubstanz in die Zellen ihres «Opfers» einschleusen. Man kann sie aber heute so manipulieren, dass sie nicht mehr ihre krank machenden Gene mitführen, sondern jene, die dem Patienten fehlen.

Gesundheitliche Risiken des Gendopings klar machen

Wenn Krankheiten durch den gezielten Einbau von Genen geheilt werden können, sollten diese Methoden nicht auch Sportlern zur Verfügung stehen? Für die Antidopingbehörden wäre es ein Albtraum, wenn Athleten begännen, sich an ihren Genen zu vergreifen. Es gibt Anzeichen dafür, dass diese Ära nun beginnt. Für die Sportler sind die Langzeitfolgen nicht abzuschätzen, denn falsche Gene am falschen Ort oder falsch gesteuerte Gene hätten schreckliche gesundheitliche Folgen, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können.

Die Versuchsmäuse von Max Gassmann, denen das menschliche Epo-Gen eingepflanzt wurde, zeigen es: «Sie leben nur halb so lang, wie normale Mäuse, Eisenablagerungen schädigen die Nieren, die Nerven werden angegriffen und die Muskeln abgebaut.» Bleibt nur zu hoffen, dass Athleten ihren Ehrgeiz nicht genetisch, sondern nur sportlich verstehen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von unipublic

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