Training für die Raucherlunge

Heilbar ist die Raucherlunge bisher nicht, aber körperliches Training kann das Leiden vermindern. Dr. Milo Puhan vom Horten-Zentrum der Universität Zürich konnte zeigen, wie ein solches Training beschaffen sein sollte.

Adrian Ritter

Ausdauertraining bei COPD: Wird in Intervallen trainiert, brechen die Patienten deutlich weniger häufig das Training ab. (Bild: zVg)

Es beginnt mit chronischem Husten und zunehmender Atemnot und endet mit einer Muskelschwäche der Lunge und anderen Folgeerkrankungen. Die «chronisch obstruktive Lungenkrankheit» (COPD) verringert die Lebensqualität und Lebenserwartung stark und hat sich in der WHO-Rangliste der weltweit häufigsten Krankheiten seit den 1990er Jahren von Platz zehn auf Platz vier vorgearbeitet.

Allein in der Schweiz sind schätzungsweise 400’000 Menschen von der umgangssprachlich auch «Raucherlunge» genannten Krankheit betroffen. «COPD nimmt weltweit als einzige der wichtigsten Todesursachen an Häufigkeit zu», weiss PD Dr. Milo Puhan vom Horten-Zentrum der Universität Zürich.

Ausdauer mit Abbruchgefahr

Das Forschungsteam um Milo Puhan hat in Zusammenarbeit mit der Klinik Barmelweid nach Wegen gesucht, den Betroffenen wieder mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Atemnot und Muskelschwäche schränken die täglichen Aktivitäten stark ein. Deshalb werden verschiedene Formen körperlichen Trainings bei COPD als Therapie angewandt.

Als Standard gilt dabei ein auch von Lungenfachgesellschaften empfohlenes Ausdauertraining, bei welchem sich die Patienten beispielsweise eine halbe Stunde bei gleich bleibendem Belastungsniveau auf dem Fahrradergometer betätigen. Für viele scheint dies allerdings in erster Linie ein Abmühen zu sein, haben doch rund 75 Prozent der Patienten häufige Trainingsabbrüche.

Wechselnde Intensität

Ganz anders beim so genannten «Intervalltraining», bei welchem die Patienten täglich während 25 Minuten abwechslungsweise für 20 Sekunden auf sehr hoher Intensität und 40 Sekunden auf niedriger Intensität trainieren. Milo Puhan und Martin Frei, Chefarzt der Klinik Barmelweid, konnten in ihrer Studie in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift «Annals of Internal Medicine» aufzeigen, dass das Intervalltraining ebenso wirksam ist, aber nur rund 25 Prozent der Patienten häufige Trainingsabbrüche haben.

«Das Intervalltraining erlaubt somit einen deutlich angenehmeren Einstieg ins Training, das für Patienten ein fester Bestandteil der langfristigen COPD-Behandlung werden muss», so Puhan. Er hofft nun, dass aufgrund der neuen Studie die Lungenfachgesellschaften künftig auch das Intervalltraining in ihre Empfehlungen aufnehmen.

Die Forschung zu COPD ist seit einigen Jahren ein Schwerpunkt am Horten-Zentrum der Universität Zürich. Unter der Leitung von Milo Puhan wurden mehrere Studien über die Wirksamkeit nicht-medikamentöser Behandlungen der Krankheit durchgeführt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Entwicklung eines Schulungsprogramms. Dieses soll den Patienten helfen, mit ihrer Krankheit selbstständiger umzugehen und akute Verschlechterungen der Gesundheit zu vermeiden. Demnächst beginnt zudem eine Serie von Studien, deren Resultate Hausärzten helfen sollen, Patienten mit einem hohen Risiko für solche Verschlechterungen zu erkennen und frühzeitig Massnahmen zu ergreifen, um Hospitalisationen zu vermeiden.  

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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