Psychologie und Umwelt

Wie bringt man die Leute dazu, Energie zu sparen, weniger Auto zu fahren, den Abfall zu trennen und das Wasser nicht zu verschmutzen? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigt sich die Umweltpsychologie.

Brigitte Blöchlinger

Die Umweltpsychologie beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen zu ökologischem Verhalten motiviert werden können. Die Abteilung Sozialpsychologie an der Universität Zürich legt dabei den Schwerpunkt auf das Verkehrs- und Energieverhalten. (Bild: Pixelquelle)

«Wer für die Umwelt etwas tun will, muss beim Verhalten der Menschen ansetzen», ist Prof. Dr. Hans-Joachim Mosler vom Wasserforschungsinstitut Eawag und Titularprofessor an der Universität Zürich überzeugt. Letzten Samstag führte der Sozialpsychologe und Wasserspezialist in die hierzulande noch junge Thematik der Umweltpsychologie ein.

Anlass war der erste Kongress der «Initiative Psychologie im Umweltschutz» (IPU). Die IPU versteht sich als Anlaufstelle und überregionales Netzwerk zur Förderung des Umweltschutzes mit Mitteln der Psychologie. Eine weitere IPU gibt es in Deutschland, der Schweizer Ableger wurde vor einem Jahr gegründet.

Umweltschutz mittels Psychologie

«In den USA kennt man die Umweltpsychologie bereits seit drei Jahrzehnten», sagt Hans-Joachim Mosler. In der Schweiz rückt sie erst nach und nach ins Bewusstsein von Behörden und Bevölkerung. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einen neuen Park ökologisch sinnvoll und gleichzeitig attraktiv für die Nutzerinnen und Nutzer zu planen (den Wahlenpark in Oerlikon zum Beispiel). Schwerpunkte der Abteilung Sozialpsychologie an der Universität Zürich sind allerdings das Verkehrs- und Energieverhalten der Schweizerinnen und Schweizer.

Sauberes Trinkwasser als existenzielles Problem: Schulkinder in Indonesien werden instruiert, wie mit der UV-Strahlung des Sonnenlichts Keime im Wasser abgetötet werden können. (Bild: Eawag - aquatic research)

Sauberes Wasser dank der Sonne

In Drittweltländern wie Bolivien, Vietnam, Burkina Faso oder Kuba, wo Mosler häufig sein Wissen einbringt, haben «Wasserthemen» Vorrang. Häufig geht es darum, wie Familienhaushalte dazu beitragen können, zu sauberem Trinkwasser zu kommen – ein existenzielles Problem, sterben doch weltweit Hunderttausende von Kindern an verschmutztem Wasser. PET-Flaschen, die mit Wasser gefüllt werden und einen halben Tag in der Sonne liegen, sind die Lösung: Die UV-Einstrahlung tötet die Keime und macht aus kontaminiertem Wasser trinkbares.

Leitungswasser wie Flaschenwasser

In der Schweiz stehen andere Ökoprobleme im Vordergrund. «Die Schweiz hat genug sauberes Wasser», sagt Eawag-Umweltpsychologe Mosler; Kampagnen für den sparsamen Umgang mit Wasser wären hierzulande deshalb übereifrig. Auch weist das Leitungswasser nach wie vor beste Qualität auf – regelmässig kursierenden Gerüchten, wonach es nicht ganz sauber sei, zum Trotz.

Eine kleine Studie von Mosler wird denn auch untersuchen, weshalb ein beachtlicher Teil der Schweizer Bevölkerung trotz bestem Leitungswasser Flaschenwasser kauft beziehungsweise nur gefiltertes Leitungswasser trinkt.

Probleme Verkehr und Energie

In der Schweiz ökologisch relevant sind der zunehmende Individualverkehr und die Energieverschwendung in den Haushalten. Dazu betreibt Mosler als Titularprofessor am Psychologischen Institut angewandte Grundlagenforschung: Er entwickelt und verfeinert bestehende psychologische Techniken wie Feedbackkontrolle oder Selbstverpflichtung, die darauf abzielen, die Leute zu ökologischem Verhalten anzuleiten, und er entwirft Massnahmenpakete und wertet deren Erfolg aus.

Einen mittleren Erfolg verbuchen konnte die Abteilung vor sieben Jahren mit einem Aktionsbündel, mit dessen Hilfe der berüchtigte Stau am Bareggtunnel verflüssigt werden sollte. Die Aktion setzte auf öffentliche Selbstverpflichtung: Autofahrer konnten sich beteiligen, indem sie sich verpflichteten, zu anderen als den gängigen Stosszeiten durch das Nadelöhr zu fahren, oder indem sie sich zu Fahrgemeinschaften zusammenschlossen.

Kleber an der Heckscheibe machten öffentlich, wer sich an der Aktion beteiligte. «Das Ergebnis war mit zehn Prozent Stau-Reduktion nicht überwältigend, aber in Anbetracht der bescheidenen finanziellen Ressourcen und der kurzen Interventionszeit in Ordnung», resümiert Mosler.

Marketing für soziale Anliegen

Erfolgreicher (und finanziell besser bestückt) war die Aktion «Eile mit Weile» im bernischen Münsingen. Über tausend Leute machten mit und verpflichteten sich, in den Münsinger Quartierstrassen freiwillig nur Tempo 30 zu fahren. Fahnen, Poster, Kleber, namentlich gezeichnete Inserate, VisiSpeed am Rande der Quartierstrassen (Anzeigetafeln, die zeigen, wie schnell ein Auto fährt) – ein ganzes Massnahmenpaket machte auf die Aktion aufmerksam und brachte viele dazu, mitzuziehen.

«Ein Einzelner ändert sein Verhalten nur, wenn er das Gefühl hat, seine soziale Gruppe finde die Änderung ebenfalls gut», hat Mosler erfahren. Information und Aufklärung alleine wirken sich nur auf die Einstellung aus, nicht aber auf das Verhalten. Um das Gewohnheitstier Homo sapiens wirklich ökologisch bewusster handeln zu lassen, braucht es mehr Anstrengung – eine Art psychologisches Marketing für soziale Anliegen.

Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin von unipublic.

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