Mit kleinen Tieren zum grossen Preis

Prof. Michael Hengartner vom Institut für Molekularbiologie wird vom Schweizerischen Nationalfonds mit dem Latsis-Preis 2006 geehrt. Seine Forschung mit dem Fadenwurm liefert grundlegende Erkenntnisse darüber, wie Zellen funktionieren - und wie sich allenfalls Krebs bekämpfen lässt.

Adrian Ritter

Wird für seine Forschung mit dem Latsis-Preis 2006 geehrt: Prof. Michael Hengartner vom Institut für Molekularbiologie. (Bild: SNF)

Michael Hengartner hat sich schon vor rund 20 Jahren als Doktorand beim späteren Medizin-Nobelpreisträger Robert Horvitz am Massachusetts Institute of Technology (MIT) mit dem kleinen Wurm mit dem sperrigen Namen «Caenorhabditis elegans» (C. elegans) zu beschäftigen begonnen. Ähnlich wie die Drosophila-Fliege oder der Zebrafisch dient der Fadenwurm als Modellorganismus, um Vorgänge in Zellen zu studieren. Das Genom von C. elegans zeigt dabei grosse Ähnlichkeiten mit dem menschlichen Genom, weshalb die Erkenntnisse auch für die Medizin von grossem Interesse sind.

Modellorganismus für die Forschung über Zellvorgänge: Der Fadenwurm, «Caenorhabditis elegans». (Bild: zVg)

Fehlender Zelltod bei Krebs

Dies gilt zum Beispiel für die Mechanismen des Zelltodes. Wie schon Horvitz ist Hengartner der Frage auf der Spur, welche Mechanismen dazu führen, dass sich beispielsweise eine Zelle mit beschädigtem Erbgut selber tötet und warum dieser Mechanismus bei Krebszellen oft nicht mehr funktioniert. «Wir suchen nach Mechanismen, um dieses «Selbstmordprogramm» im Falle von Krebszellen gezielt aktivieren zu können», so Hengartner. Geforscht wird am Institut für Molekularbiologie auch daran, wie tote Zellen überhaupt als tot erkannt und in der Folge von ihren Nachbarzellen «gefressen», verdaut und somit recycliert werden können.

Das Gengut im Überblick

Anhand des Fadenwurms will das Team von Michael Hengartner zudem die Gesamtheit der vom Wurm produzierten Eiweisse erfassen. Mit Unterstützung des Universitären Forschungsschwerpunktes Systembiologie an der Universität Zürich soll dabei der Blick von der Funktion einzelner Gene auf das Zusammenwirken des gesamten Gengutes gelenkt werden. Die Forschenden wollen klären, über welche Mechanismen die rund 20`000 Gene von C. elegans bestimmen, welche Eiweisse in den Zellen produziert werden und wie aktiv und stabil diese sind.

Ansporn für Spitzenforschung

Für seine «grossen Verdienste bei der Erforschung des wichtigen Modellorganismus C. elegans» erhält Hengartner den mit 100`000 Franken dotierten Latsis-Preis 2006, wie der Nationalfonds (SNF) schreibt. Der Preis wird seit 1984 jährlich vom SNF im Auftrag der Genfer Latsis-Stiftung verliehen und honoriert besondere wissenschaftliche Leistungen von Forschenden im Alter bis 40 Jahren. Er gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Schweiz.

Für den Nachwuchs engagiert

Michael Hengartner wird den Preis am 11. Januar 2007 im Rathaus Bern entgegennehmen dürfen. Dies sei eine «grosse Ehre und Ansporn für weitere Spitzenforschung», so Hengartner. Der Preis zeige auch, dass an der Universität Zürich sehr gute Forschung möglich ist und auch gemacht wird.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, engagiert sich Hengartner in der Nachwuchsförderung. Er hat beispielsweise mit der «Life Science Zurich Graduate School» ein von Universität und ETH Zürich getragenes Nachwuchs-Programm initiiert, das die besten Doktorandinnen und Doktoranden auf dem Feld der Molekularbiologie nach Zürich holen will. Beteiligt ist er zudem am «Life Science Zurich Learning Center», welches die Brücke zwischen den Hochschulen und den Gymnasien schlagen will.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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