Zurück in die Zukunft

Was einem Zoologen die Entdeckung eines lebenden Dinosauriers wäre, ist für den Botaniker Realität geworden und heisst «Wollemia nobilis». In einem australischen Nationalpark fand man eine Baumart, die man bisher nur aus Fossilfunden kannte. Der Botanische Garten der Universität Zürich hat gestern ein Exemplar geschenkt erhalten.

Adrian Ritter

Galt bis 1994 als ausgestorben und war nur in fossiler Form bekannt: «Wollemia nobilis». (Bild: Adrian Ritter)

Das Gebiet liegt etwas weniger als eine Stunde Helikopterflug vom australischen Sydney entfernt. Wer es mit eigenen Augen sehen will, muss sich allerdings die Augen verbinden lassen, denn der Standort ist geheim. Auf zwei Hektaren wächst dort eine der weltweit seltensten Baumarten, von der sich vor rund 90 Millionen Jahren Dinosaurier ernährten und die längst ausgestorben galt: «Wollemia nobilis».

Im Wollemi Nationalpark in Australien wurde der «Dinosaurierbaum» 1994 entdeckt. Um die Pflanzen zu schützen, wird der genaue Standort bis heute geheim gehalten.  (Bild: zVg)

Benannt ist der Baum nach dem australischen Parkwächter David Noble, der ihn 1994 auf einer Exkursion in den Wollemi National Park entdeckte. Im Botanischen Garten von Sydney hielt man den von Noble mitgebrachten Trieb zuerst für eine Farnart. Noble aber hatte von einem vierzig Meter hohen Baum berichtet.

Die weitere Untersuchung ergab, dass der Parkaufseher eine Pflanzenart gefunden hatte, die bisher nur aus Fossilfunden bekannt war und von der man vermutet hatte, dass sie vor rund 2 Mio. Jahren ausgestorben war. Wollemia nobilis gehört zur Familie der Araukariengewächse, eine alte Nadelholzfamilie.

Grosse Beachtung an der Feier im Botanischen Garten für die (noch) kleine Pflanze. Die seltene Baumart wird bis zu 40 Meter hoch.  (Bild: Adrian Ritter)

Umfassender Schutz nötig

Nur 40 ausgewachsene Bäume und 200 Jungpflanzen hat man am bisher einzigen Fundort in Australien entdeckt. Dass die Bäume vor dem Aussterben geschützt werden müssen, lag auf der Hand – aber wie? Die Botaniker waren überzeugt: Der Schutz des Fundortes wird nicht genügen, auch wenn dieser geheim gehalten wird, weil nur schon phytopathologische Erreger an Kleidungsstücken von Besuchern eine Bedrohung darstellen könnten. Der Botanische Garten von Sydney wagte sich deshalb an die Vermehrung und gab die Pflanze an andere Gärten weiter.

Peter Enz nimmt als Leiter des Botanischen Gartens ein Exemplar von «Wollemia nobilis» entgegen. (Bild: Adrian Ritter)

Gestern durfte Peter Enz als Leiter des Botanischen Gartens der Universität Zürich den «Dinosaurierbaum» offiziell in der Schweiz begrüssen. Erwin Meier vom Gartencenter Tann-Rüti übergab ihm eine rund meterhohe Pflanze. Das Gartencenter hat die Lizenz erhalten, die Pflanze in der Schweiz zu vertreiben. Ein Teil des Erlöses fliesst in Artenschutzprojekte.

Nachdem bereits wenige Exemplare an Privatpersonen verkauft worden sind, wird jetzt auch der Botanische Garten Erfahrungen sammeln können, wie die Pflanze im Klima von Zürich gedeihen kann. Nötig werden vor allem Tests zur Kälteresistenz sein, denn Wollemia nobilis ist nicht winterfest. So wurde die feierliche Pflanzung denn auch in einem Topf vorgenommen, der im kommenden Winter ins Gewächshaus gezügelt wird.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic.

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