Neue Förderprofessuren an der Universität Zürich

Sie simulieren die Entstehung von Galaxien am Computer, suchen den Weltraum mit Teleskopen ab und sind der «dunklen Materie» auf der Spur. Für mindestens vier Jahre können Dr. Steen Hansen, Dr. Lucio Mayer, und Dr. Kim-Vy Tran diese Forschung dank neuen Förderprofessuren des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität Zürich fortsetzen.

Adrian Ritter

31 neue Förderprofessuren hat der Schweizerische Nationalfonds für das Jahr 2006 soeben vergeben. Zehn davon wurden Nachwuchsforschenden an der Universität Zürich in den Bereichen theoretische Physik, physikalische Geographie, Mathematik, Umweltwissenschaften, Medizin sowie Indogermanistik und Philosophie zugesprochen.

Aufschwung dank Technologie und Innovation

Das Institut für Theoretische Physik erhält gleich drei der begehrten Professuren. Ein Erfolg, der insbesondere Professor Daniel Wyler als Leiter des Instituts freut. Er stellt allgemein einen Aufschwung der Astronomie und Kosmologie innerhalb der Physik fest. Dieser sei insbesondere auf die technologischen und konzeptuellen Fortschritte zurückzuführen, die in den letzten zehn Jahren zu leistungsstärkeren Teleskopen und Rechnern geführt haben. Wichtig für den Erfolg bei den Förderprofessuren waren unter Anderem die Neuberufungen und die entsprechenden Ausrichtungen der Forschungsgebiete des Instituts, die auch in Abstimmung mit dem Physikdepartement der ETH Zürich geschah. «Weil wir in den letzten Jahren international bekannte Forschende an die Universität Zürich holen konnten, bewarben sich nun auch drei renommierte Kandidaten für die Förderprofessuren. Das hat sicher zum positiven Entscheid des Nationalfonds beigetragen», ist Wyler überzeugt.

Steen Hansen ist der «dunklen Materie» auf der Spur. (Bild: zVg)

Die «dunkle Materie» suchen

Dr. Steen Hansen (35) ist bereits seit 2002 am Institut tätig, seit Anfang März im Rahmen der Förderprofessur. Der studierte Physiker ist der «dunklen Materie» auf der Spur. Von dieser «dark matter» gibt es in unserem Universum sechsmal mehr als normale Materie. Gemäss aktuellem Wissensstand ist sie für die Entstehung aller uns bekannten Strukturen im Weltall verantwortlich. Trotzdem ist es bisher nicht gelungen, die dunkle Materie direkt nachzuweisen und theoretisch zu erklären. Hansen will das bisherige Wissen bündeln und mit Simulationen dazu beitragen, dass Forscher am richtigen Ort nach ihr suchen: «Wir müssen besser verstehen, wie sie sich im Raum verteilt, um sie gezielt suchen zu können.»

Kim-Vy Tran schaut in die entlegenen Winkel des Universums. (Bild: zVg)

Am Rand des Universums

Die Astronomin Dr. Kim-Vy Tran (31) richtet die Teleskope bei ihrer Forschung vor allem auf die am weitesten entfernten Galaxien. Im Rahmen ihrer Förderprofessur will sie ab Herbst 2006 untersuchen, wie diese entstanden sind und wie sie sich weiterentwickeln. Die dazu nötigen Teleskope stehen allerdings nicht an der Universität Zürich-Irchel, sondern beim «European Southern Observatory» im chilenischen Hochland. Kim-Vy Tran wird deshalb zwischen Südamerika und der Schweiz pendeln, um Beobachtungen und Computersimulationen optimal verbinden zu können.

Lucio Mayer vertraut für seine Forschung auf die Rechenkapazität der zwei Supercomputer Zbox und Zbox2 am Institut für Theoretische Physik. (Bild: zVg)

Unvorstellbare Dimensionen im Rechner

Für die Entstehung von Galaxien, Sternen und Planeten interessiert sich auch der Physiker Dr. Lucio Mayer (34). Trotz grosser Fortschritte in der Astronomie bestehen in diesem Bereich nämlich noch viele offene Fragen. Die zugrunde liegenden physikalischen Gesetze sind zwar weitgehend bekannt, die unvorstellbaren Dimensionen in Raum und Zeit machen aber die mathematisch-theoretische Bewältigung schwierig und aufwändig. Um die Datenmenge zu bewältigen, wird Lucio Mayer ab September 2006 mit seinem Team insbesondere die zwei Supercomputer Zbox und Zbox2 aus der Forschungsgruppe von Prof. Ben Moore am Institut für Theoretische Physik nutzen.

Liste der zehn neuen SNF-Förderprofessuren an der Universität Zürich: Claudia Binder, Reducing human health and environmental risks from pesticide use: Integrating decision-making with spatial risk assessment models, Physikalische GeographieStehen Harle Hansen, Galaxy clusters – electrons, protons and dark matter: A phenomenological and theoretical study, Institut für Theoretische PhysikUrs Karrer, Influence of Cytomegalovirus infection on immune senescence, Departement für Innere Medizin; Zentrum für Klinische ForschungLucio Mayer, The baryonic Galaxy; from cosmic structure formation to stars and planets, Institut für Theoretische PhysikWolfgang Reichel, Continouous and discrete variational problems and one-parameter transformation groups , Institut für MathematikKarin Stüber, Verbalnomina im Indoiranischen und Keltischen, Indogermanisches SeminarKim-Vy Tran, Stellar Assembly and Galaxy Evolution in the Distant Universe, Institut für Theoretische PhysikBruno Weber, A multimodal neuroimaging approach to cerebral blood flow and metabolism, Pharmakologisches InstitutFrancis Cheneval, Politische Gerechtigkeit und zwischenstaatliche demokratische Integration, Philosophisches SeminarChristine B. Müller, The complexity of interaction webs and the role of microbes and habitat alterations, Institut für Umweltwissenschaften SNF-Förderprofessuren Seit 2000 vergibt der Schweizerische Nationalfonds (SNF) jährlich Förderprofessuren an Nachwuchsforschende, die sich durch hervorragende wissenschaftliche Leistungen auszeichnen. Die Finanzierung besteht aus einem Salär für eine Assistenzprofessur, einem Forschungsbeitrag zur Bildung eines Teams und aus einem Beitrag an die Infrastrukturkosten. Die Beitragsdauer beträgt vier Jahre und kann um maximal zwei Jahre verlängert werden.

Adrian Ritter ist Redaktor von unipublic

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000