Dies academicus 2006

Wissenschaft und Glaube

Anlässlich des Dies academicus am 29. April wurden neun Ehrendoktoren ernannt und fünf Jahrespreise vergeben. Rektor Hans Weder widmete seine Rede dem Gegensatz von Religion und Wissenschaft.

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Überlegungen zum Verhältnis von Wissenschaft und Religion, von Evolutionsbiologie und Schöpfungsglaube standen im Mittelpunkt der Rede von Rektor Hans Weder zum Dies academicus. Weder hob die fundamentalen Unterschiede hervor, die zwischen Glaube und Wissen bestünden. «Wissen entfaltet Vorstellungen über die Welt, der Glaube ist eine Einstellung zur Welt», sagte er, und fuhr fort: «Religion hat nicht die Aufgabe, bestehendem Wissen ein besseres Wissen entgegenzusetzen. Ihre Sache wäre es vielmehr, einen sinnvollen Umgang mit dem Wissen zu pflegen.»

«Wissen entfaltet Vorstellungen über die Welt, der Glaube ist eine Einstellung zur Welt», Rektor Hans Weder in seiner Rede zum Dies Academicus. (Bild: Frank Brüderli)

Gian Autenrieth, Präsident des Studierendenrates, vertrat in seiner Rede das Anliegen, der Studierendenschaft die Form einer Rechtskörperschaft zu geben.

Gian Autenrieth, Präsident des Studierendenrates, will der Studierendenschaft eine Rechtskörperschaft geben. (Bild: Frank Brüderli)

Neun Personen wurde die Ehrendoktorwürde verliehen:

Professor Dr. Timothy Besley in Anerkennung seiner grossen Verdienste in der Forschung der öffentlichen Wirtschaft (Public Economics), der modernen Politischen Ökonomie sowie der Entwicklungsländerforschung.

Dr. Andres Briner in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Musikforschung und deren Vermittlung in eine breite Öffentlichkeit.

Professor Dr. Martin Karplus in Anerkennung seiner fundamenalen Beiträge zur Entwicklung der Moleküldynamik-Computersimulation, welche eine wichtige Grundlage der computergestützten Chemie und Strukturbiologie bildet.

Rektor Hans Weder im Kreis der Geehrten: (v.l.n.r.) Prof. Dr. Timothy Besley, Prof. Dr. Albert de Pury, Prof. Dr. Giulio Tononi, Prof. Dr. Donald L. Resnick, Rektor Hans Weder, Dr. Andreas Moser, Dr. Alexander Immanuel Wandeler, Dr. Andreas Briner, Prof. Dr. Martin Karplus. (Bild: Frank Brüderli)

Dr. Andreas Moser in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Darstellung von Tieren und ihrer Vernetzung mit ihrem Lebensraum. Durch seine Fernsehsendungen hat Herr Moser einen wichtigen Beitrag zur Förderung des Naturverständnisses in der Bevölkerung geleistet.

Professor Dr. Albert de Pury in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Erforschung der Literaturgeschichte des Alten Testaments, seiner religionsgeschichtlichen Hintergründe und seiner theologischen Bedeutung.

Professor Dr. Donald L. Resnick in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der modernen Bildgebung der Radiologie des Bewegungsapparates.

Professor Dr. Giulio Tononi in Anerkennung seiner herausragenden wissenschaftlichen Leistungen, seiner fundamentalen Beiträge zum Verständnis der Funktion und der Regulation des Schlafes.

Dr. Alexander Wandeler in Anerkennung seiner grossen Verdienste um die Bekämpfung der Tollwut in der Schweiz.

Postum erhielt Dr. Harald Szeemann (1933-2005) die Ehrendoktorwürde in Anerkennung, seiner jahrzehntelangen Verdienste in der Dokumentation und Erforschung moderner Kunst und alternativer Kulturen sowie als Begründer einer neuen Konzeption von Kunstmuseum und Kunstausstellung im Dienste des transkulturellen Dialogs.

Im Auftrag der Fakultäten verlieh die Universität Zürich Jahrespreise an folgende Personen:

Dr. med. vet. Julia Buchholz für ihre Dissertation «Optimizing Photodynamic Therapy: In vivo pharmacokinetics of liposomal m-THPC in feline squamous cell carcinoma». Die Arbeit befasst sich mit der Therapie von Katzen, die spontan an Krebs erkrankten. Die Ergebnisse sind über die Grenzen der Veterinärmedizin von Bedeutung.

Karsten Gaede für seine Dissertation «Fairness als Teilhabe: Das Recht auf konkrete und wirksame Teilhabe durch Verteidigung gemäss Art. 6 EMRK». Die Arbeit behandelt eine für die Ausgestaltung des Strafverfahrens zentrale Themenstellung und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung der menschenrechtlichen Grundlagen des Strafverfahrensrechts.

Manuel Oechslin für seine Dissertation «Imperfect Credit and Barriers to Entry in Macroeconomic Models». Die Arbeit leistet einen innovativen Beitrag zur Rolle von Institutionen im Entwicklungsprozess. Es wird gezeigt, wie unterentwickelte Kreditmärkte und hohe Markteintrittsschranken das Wachstum hemmen und zu hoher Ungleichheit sowie zu geringer Reformbereitschaft politischer Eliten führen.

Daniela Saxer für ihre Dissertation «Die Schärfung des Quellenblicks. Die Geschichtswissenschaftliche Forschungspraxis in Wien und Zürich (1840–1914)». Ihre Arbeit ist eine auf höchstem theoretischen Niveau und mit empirischem Tiefgang verfasste Studie, die zu substanziellen und innovativen Ergebnissen führt.

Karin Scheiber für ihre Dissertation «Vergebung. Eine systematisch-theologische Untersuchung». Ihre Arbeit entwickelt einen neuen Zugang zum Verständnis von Vergebung am Leitfaden des Begriffs der ‚moralischen Kommunikation’. Sie zeigt auf, dass Vergebung nur möglich ist, wo Reue über die moralische Verletzung einer Person geäussert wird, und dass nur vergeben kann, wer persönlich betroffen ist.

Weitere Auszeichnungen erhielten folgende Personen:

PD Dr. Frank Heppner, Oberarzt am Institut für Neuropathologie des Universitätsspitals Zürich, erhielt den Habilitationspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung 2006 für seine Arbeit «Probing neuroinflammatory and prion diseases by transgenesis and pharmacogenetics». Heppner beschäftigt sich mit Fragestellungen an der Schnittfläche zwischen Neuropathologie und Immunologie. Er erforscht Erkrankungen des Zentralen Nervensystems unter Verwendung von Modellsystemen, allen voran Gen-modifizierten Mäusen.

Dr. med. Alain Rudiger erhielt das Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung 2006. Das Stipendium ermöglicht ihm, seine Forschung zur myokardialen Dysfunktion in der Sepsis am Wolfson Institute of Biomedical Research in London weiter zu verfolgen. Rudiger wird im Herbst 2007 als Oberarzt ans Universitätsspital Zürich zurückkehren.

Dr. Sibylle Kurt erhielt den fünften UBS-Habilitationspreis der Philosophischen Fakultät für das akademische Jahr 2005/2006 für ihre Arbeiten zur Russischen Sprachwissenschaft. Ihre Habilitation befasste sich unter anderem mit der sprachlichen Charakterisierung russischer Gefängnis- und Lagererinnerungen aus der gesamten Sowjetzeit.

PD Dr. Peter Opitz erhielt den Preis für Theologie der Scheuchzer-Stiftung Zürich in Anerkennung seine Studie «Gemeinschaft mit Gott als Heiligung des Lebens». Es handelt sich dabei um eine Arbeit zur Theologie der Dekaden Heinrich Bullingers.

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