Von Schädelöffnungen und Zahnbürsten

Haben Sie gewusst, dass der erste erfolgreiche Kaiserschnitt in der Schweiz die Verzweiflungstat eines Schweinekastrators war? Solche und weitere Trouvaillen aus der Medizingeschichte sind derzeit im Rahmen der Ausstellung «Medizingeschichte plakativ» in der Cafeteria des Careum Bildungszentrums ausgestellt.

Theo von Däniken

Nachdem seine hochschwangere Frau im Jahr 1500 tagelang in Schmerzen lag und weder herbeigerufene Mediziner noch Hebammen helfen konnten, ihr Kind zur Welt zu bringen, entschloss sich Jakob Nufer, selber Hand anzulegen, und einen Kaiserschnitt zu wagen. Seine Verzweiflung muss gross gewesen sein, denn damals endete der Eingriff meist tödlich für die Frau. Kaiserschnitte wurden deshalb in der Regel nur bei toten Schwangeren vorgenommen, um das Ungeborene zu retten.

Aus Verzewiflung zum Medizin-Pionier geworden: Der Schweinekastrator Jakob Nufer nimmt an seiner Frau einen Kaiserschnitt vor. Illustration aus der Ausstellung. (Bild: Theo von Däniken)

Jakob Nufer jedoch hatte Glück: Der Eingriff – vorgenommen mit Nufers Werkzeug, das er als Schweinekastrator verwendete – verlief erfolgreich: Frau und Kind überlebten; die Frau konnte später sogar noch weitere Kinder zur Welt bringen, der per Kaiserschnitt geborene Sohn wurde 77 Jahre alt.

Dies ist jedenfalls die Geschichte, die der französische Arzt François Rousset 1581 in seinem Buch «Traité nouveau de l’Hysterotomotokie ou Enfantement Cesarien» beschreibt. Wegen der Tatsache, dass zwischen dem Kaiserschnitt und der Dokumentation 81 Jahre vergingen, ist die Authentizität von Nufers Fall jedoch nicht zweifelsfrei erwiesen.

Von den Inkas bis zur AIDS-Kampagne

Die Geschichte des ersten erfolgreichen Kaiserschnittes ist nur eines der zahlreichen Themen der Posterausstellung «Medizingeschichte plakativ». Entstanden sind die Poster als Abschlussarbeiten von Studierenden der Human- und Zahnmedizin im dritten Jahreskurs, die das Modul «Medizingeschichte» belegt haben.

Die Inkas kannten verschiedene Techniken für die Schädelöffnung. Zur Anästhesie wurde Kokain verwendet. (Bild: Theo von Däniken)

Wie vielseitig das Fach ist, davon zeugt die breite Themenpalette: Von der Schädelöffnung bei den Inkas bis zur zeitgenössischen AIDS-Aufklärungskampagne reicht das Spektrum. Und auch die Geschichte der Zahnbürste wird kurz auf einem Poster zusammengefasst. Die Themen konnten die Studierenden frei wählen. Ziel war es, das Thema eigenständig aufzubereiten und das Poster zu gestalten.

Übung für die spätere Praxis

Mit der Posterausstellung gehen die Medizinhistoriker Michael Geiges, Iris Ritzmann und Eberhard Wolff vom Medizinhistorischen Institut der Universität Zürich neue Wege. «Frisch gebackene Ärzte müssen in ihrer klinischen Tätigkeit häufig bald wissenschaftliche Poster für medizinische Kongresse herstellen, ohne dies im Studium je geübt zu haben», schreiben sie im Begeleittext zur Ausstellung. Die Aufgabe bot den Studierenden Gelegenheit, sich konkret damit zu befassen, wie wissenschaftliche Themen klar, attraktiv und überzeugend einem Publikum präsentiert werden können.

Theo von Däniken ist Redaktor von unipublic

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