Ausstellung

Eine diskrete Gesellschaft stellt sich vor

Was Sie schon immer über die Freimaurerei wissen wollten – eine Ausstellung im Lichthof der Universität Zürich-Zentrum gibt Antworten. Doch ein bisschen Geheimnis bleibt.

Sascha Renner

Arbeitsteppich mit freimaurerischen Symbolen. (Bild: Internet)

Die Freimaurer kämpfen gegen ihr Image als obskurer Geheimbund. Seit jeher bot die Diskretion der Logen, ihre archaischen Rituale und Symbole Nahrung für allerlei wilde Geschichten und abstruse Verschwörungstheorien. Die makaberste: In schwarzen Messen, bei denen womöglich noch der Teufel selbst zugegen sei, würden die Freimaurer Menschenopfer, vorzugsweise Jungfrauen, darbringen. Päpste verfolgten die Logen bis 1970, die Nazis liessen ihre Tempel im Glauben verwüsten, die Bruderschaft greife nach der Weltherrschaft. Auch wenn diese extremen Zerrbilder der Vergangenheit angehören, so bleibt die Freimaurerei doch bis in die Gegenwart geheimnisumwittert.

Abbau von Vorurteilen

Bei soviel Misstrauen tut Aufklärung Not – eine Einsicht, die sich auch bei den Zürcher Freimaurern durchgesetzt hat. Mit einer Ringvorlesung der Volkshochschule an der Universität Zürich, einer Publikation und der Ausstellung «Freimaurerei: gestern – heute – morgen» im Lichthof der Universität Zürich-Zentrum legen sie ihre Verschwiegenheit ab. Auf 23 informativ gestalteten Text- und Bildtafeln soll der Öffentlichkeit gezeigt werden, was Freimaurerei wirklich ist. Die Darstellung reicht vom Ursprung der Gemeinschaft in der mittelalterlichen Steinmetzbruderschaft über die künstlerische Ausgestaltung des Gebrauchsguts der Logen bis hin zur Bekleidung, den Ritualen und den Symbolen des Mysterienbunds.

Zufriedene Gesichter am Eröffnungsabend: Professor Jacques Laager (links) und Alfred Messerli, Autor der Ausstellung. (Bild: Sascha Renner)

Die Eröffnung der Ausstellung am letzten Donnerstagabend lockte denn auch zahlreiche Neugierige in den Lichthof der Universität. Alfred Messerli, Autor der Ausstellung, führte zusammen mit Professor Jacques Laager in die Thematik ein. Beide sind aktive Freimaurer und bekleideten das Amt eines Meisters vom Stuhl, das höchste Logenamt. «In der Mediengesellschaft kann man keine Geheimnisse mehr haben», begründete Messerli den Schritt an die Öffentlichkeit. Bei allem Willen zur Aufklärung bleiben aber gewisse Dinge so geheim, wie sie immer waren: Wie ein neues Mitglied die Aufnahmezeremonie erlebt, muss vertraulich bleiben.

Grosses Informationsbedürfnis

Viele Besucher nutzten die Gelegenheit, sich direkt bei den anwesenden «Insidern» über den Bund zu informieren. Wiederholt sah sich Professor Laager mit der Frage konfrontiert, warum die Freimaurer den Frauen noch immer den Zugang verwehrten. Vertraut mit diesem Unbehagen, verwies Laager auf die historische Tradition des Ordens. In der damaligen Handwerkszunft der Maurer und Steinmetze seien Frauen als Berufsleute nicht vorgesehen gewesen. Mittlerweile gebe es aber auch reine Frauenlogen.

23 Tafeln und mehrere Exponate vermitteln Geschichte und Gegenwart der Freimaurer. (Bild: Sascha Renner)

4000 Brüder in 79 Logen zählen die Schweizer Freimaurer. Acht davon teilen sich die Säle und Katakomben auf dem Zürcher Lindenhof. Während früher viele berühmte Persönlichkeiten Freimaurer waren, fehlten heute die grossen Namen, so Messerli. Die Ausstellung bricht auch hier das Schweigen, indem sie in einer langen Liste die prominenten Mitglieder aus Wirtschaft, Politik, Literatur, Musik, Kunst und Wissenschaft aufführt. Sie reicht von den amerikanischen Jazzlegenden Louis Armstrong und Count Basie über den Westernhelden John Wayne bis hin zum Vater der modernen Türkei, Atatürk und – weniger überraschend – dem Benimmpapst Adolph von Knigge.

Ausstellungsinfo

«Freimaurerei: gestern – heute – morgen» bis 23. November im Lichthof der Universität Zürich-Zentrum, Rämistrasse 71.

Sascha Renner ist Redaktor unijournal und unipublic.