Swiss Science Forum 2004

Schweiz braucht Innovationsschub

Am 11. Oktober 2004 trafen sich Politiker, Wissenschafter und Wirtschaftstreibende am «Swiss Science Forum 2004» im Kultur-Casino Bern, um die Bedeutung der Wissenschaft für die Entwicklung der Schweizer Wirtschaft zu erörtern. Für die derzeit wenig rosige nationale Wirtschaftslage sei ein Mangel an Innovationsfähigkeit verantwortlich, so ein Fazit der Diskussion.

Klaus Wassermann

Die Forschung in der Schweiz kann sich weltweit sehen lassen. In keinem anderen Land ist die Anzahl der zitierten wissenschaftlichen Artikel, gerechnet auf das Bruttoinlandprodukt pro Einwohner, so gross wie hier. Das zeigte eine jüngst in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Nature veröffentlichte Statistik. Auch als Unternehmensstandort hat die Schweiz nach wie vor einen guten Ruf. Das Schweizer Wirtschaftswachstum kann da in letzter Zeit jedoch nicht mithalten. Aktuelle Zahlen zeigen sogar eine leicht negatives Wachstum, also eine Rezession. Auch in den letzten Rankings der OECD hat die Schweiz bezüglich Wachstum und Innovation an Terrain verloren. Nun könnte man meinen, dass der Erfolg in der Wissenschafteigentlich auch der Wirtschaft mit der Entwicklung von neuen und innovativen Produkten zugute kommen müsste. Doch leider ist das derzeit nicht der Fall.

Charles Kleiber, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung. (Bild: Swiss Science Forum)

Wenig Risikobereitschaft

Das «Swiss Science Forum 2004», welches letzten Montag (11. Oktober 2004) im Kultur-Casino in Bern stattfand, versuchte, die Ursachen dieser Entwicklungen zu ergründen und neue Wege zur Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Wissenschaft aufzuzeigen. Hauptproblem der Schweiz sei ein Mangel an Innovationsfähigkeit, so ein wichtiges Fazit einiger Diskussionsbeiträge. Charles Kleiber, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung meinte, die Schweizer seien durch den Wohlstand vorsichtig geworden, sie würden heute eher zögern, Risiken einzugehen. Dieses Argument unterstützte Ulrich W. Suter, Vizepräsident für Forschung an der ETH Zürich, mit Daten, nach denen rund die Hälfte der neuen Firmen in der Schweiz von Neuunternehmern aus dem angelsächsischen Raum sowie von Holländern gegründet würden. Um aus einer Erfindung ein langfristig erfolgreiches Produkt zu machen, brauche es vor allem politische Rahmenbedingungen, welche die Innovationsdynamik förderten, so Krishna Nathan, Leiter des IBM-Forschungslabors in Rüschlikon.

Ulrich W. Suter, Vizepräsident für Forschung an der ETH Zürich. (Bild: Swiss Science Forum)

Politik gefordert

Eine Firma zu gründen sei in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern relativ einfach. Jedoch sei die gesetzliche Regelung des Urheberrechts in der Schweiz uneinheitlich, eine Situation, welche der ETH-Bereich zurSchaffung einer eigenen internen Regelung zum Urheberrecht veranlasste. Aber auch die Hochschulpolitik sei laut einer Reihe von Wortmeldungen gefordert. Will sich die Schweiz in der Welt als Bildungsland behaupten, so müsse die Zahl der Maturanden, derzeit an die 25%, erhöht werden, um das geistige Potential im Land besser zu nutzen. Von mehreren Sprechern wurde für die Universitäten, Hochschulen und Fachhochschulen in der Schweiz gesetzliche Rahmenbedingungen zur Vermeidung von Mehrgleisigkeiten sowie zur bundesweiten Gleichbehandlung gefordert.

Franz Jaeger, Professor für Wirtschaftspolitik in St. Gallen. (Bild: Swiss Science Forum)

Widersprüchliche Ideen

Franz Jaeger, Professor für Wirtschaftspolitik in St. Gallen, forderte in einem von ihm selbst als provokant angekündigten Vortrag die stärkere Fokussierung auf Forschungszweige, welche ökonomischen Nutzen versprächen. Zudem sollten vermehrt Professuren privat finanziert werden können. Die Wissenschaft sei zu wertvoll, um sie allein den Wissenschaftern zu überlassen, so Jaeger. Widersprüchlich dazu wirkte jedoch Jaegers Forderung, der Forschung möglichst wenig Beschränkungen aufzuerlegen. Laut Krishna Nathan sei es nötig, in der Forschung Wege zu beschreiten, die nicht sofort ökonomischen Erfolg versprechen. Innovation könne nicht von oben her verordnet werden. Erst im Laufe der Zeit würde sich herausstellen, ob ein Forschungsprojekt die gewünschte Innovationsdynamik entwickeln könne, so Nathan.

Bertrand Piccard, Psychiater und Heissluftballon-Pionier. (Bild: Swiss Science Forum)

Nanotechnologie, Biowissenschaften und Nachhaltigkeitstechnologien wurden in der Diskussion als Bereiche genannt, die in der Zukunft innovationsfördernde Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft in der Schweiz versprechen. Die Felder «High Tech» und «Life Sciences» wurden in parallel zueinander abgehaltenen Round-Table-Diskussionen behandelt. Cornelia Boesch von der Technologietransfer-Organisation Unitectra der Universitäten Bern und Zürich zog dort eine positive Bilanz der letzten zehn Jahre ihrer Arbeit. Vor allem die Früh-Screenings von Forschungsresultaten seien für den guten Erfolg von Unitectra verantwortlich. Bertrand Piccard, Psychiater und weltbekannter Heissluftballon-Pionier, skizzierte in seiner Rede gegen Ende der Veranstaltung charismatisch die Zukunft der Schweiz als Testmarkt für nachhaltige Technologien.

Preise an innovative Projekte

Am «Swiss Science Forum 2004» wurden Preise an drei junge Unternehmer sowie drei innovative Projekte aus dem Raum Bern vergeben. Der NETS-Preis (New Entrepreneurs in Technology and Science) der Gebert-Rüf-Stiftung ging an Franco Dal Molin (Collanos Software AG), Gabriele Betz (Industrial Lab Basel) und David Maurer (Colorix SA). Mit dem Preis der Berner DC-Bank für wirtschaftlich umsetzbare innovative Projekte wurden Adrian Lussi (Zahnpflege bei Kleinkindern), Mathias Herzog (mobile Iriserkennung) und Rolf Jaggi (molekulare Brustkrebsdiagnostik) ausgezeichnet.

Klaus Wassermann ist freier Journalist.