Sprachförderung

Diplomatische Note aus dem Reich der Mitte

Erstmals wurde am 18. September 2004 an der Universität Zürich das Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK), der Chinesische Proficiency-Test, durchgeführt. Anlässlich dieser Premiere war der chinesische Botschafter aus Bern angereist, um der Universität und dem Ostasiatischen Seminar für ihre Initiative zu danken und gemeinsam auf die Sprachförderung und die damit zusammenhängende Annäherung der Kulturen anzustossen.

Marita Fuchs

Prorektor Alexander Borbély begrüsst den Botschafter und seine Gattin (links). (Bild: Marita Fuchs)

Neuigkeit für alle, die Chinesisch lernen: Jetzt besteht in Zürich die Möglichkeit, seine Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Ob man nun an der Volkshochschule, am Ostasiatischen Seminar oder am Sprachenzentrum Chinesisch lernt, das Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK) - vergleichbar mit dem Proficiency-Test für die englische Sprache - steht allen offen. Am vergangenen Samstag wurde die Prüfung zum ersten mal in Zürich am Ostasiatischen Seminar durchgeführt. Eigens aus China angereiste Prüfer führten den Test durch.

Am Tag vor der ersten HSK-Prüfung kamen der chinesische Botschafter Zhu Bangzao und seine Gattin an die Universität Zürich, um gemeinsam mit den chinesischen Prüfern, Mitgliedern des Ostasiatischen Seminars und Vertretern der Universität auf ein gutes Gelingen anzustossen.

Prorektor Alexander Borbély begrüsste den Botschafter und dankte für die Durchführung des HSK an der Universität Zürich, es sei eine Ehre für die Universität, die dadurch auch an Internationalität gewinne.

Der chinesische Botschafter Zhu Bangzao wies in seiner Rede auf die lange Tradition der Sinologie an der Universität Zürich hin. (Bild: Marita Fuchs)

Der Botschafter Zhu Bangzao beschrieb in seiner Ansprache zunächst die Entwicklung des HSK, der in den 80er-Jahren geschaffen und seither kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Inzwischen habe das Prüfungssystem ein hohes Niveau erreicht und sei weltbekannt. Heute werde der Test in 33 Ländern durchgeführt. Dank der gemeinsamen Bemühungen von Schweizer und chinesischer Seite etabliere sich jetzt der Test auch in der Schweiz.

Der Unterricht der chinesischen Sprache in der Schweiz habe eine ungewöhnliche Geschichte sagte der Botschafter: Schon 1950 habe die Universität Zürich Sinologie als Studienfach eingeführt, obwohl China damals für die ganze Welt noch ein fernes und unbekanntes Land gewesen sei. Durch die Liebe zur chinesischen Sprache hätten Studierende und Dozierende über Jahre hinweg Brücken gebaut, die den Austausch und die freundlichen Beziehungen zwischen China und der Schweiz gefördert hätten. Inzwischen wachse die Zahl derer, die die chinesische Sprache erlernen ununterbrochen. Mit der Einführung des HSK werde das Interesse an der chinesischen Sprache stimuliert, und letztlich trage die Sprache auch zum Verständnis für die andere Kultur bei. Der Botschafter dankte den Sinologen der Universität Zürich und beschrieb ihre langmütige Arbeit mit einem chinesischen Sprichwort: «Plus on laboure et sarcle, plus la récolte est belle» (in etwa: Je länger die Arbeitszeit, desto besser die Ernte.)

von links: Andrea Riemenschnitter, Ausserordentliche Professorin für Sinologie an der Universität Zürich, Liu Baoli, Attaché für Bildung der chinesischen Botschaft in Bern und Robert H. Gassmann, Professor für Sinologie. (Bild: Marita Fuchs)

Robert H. Gassmann, Ordentlicher Professor für Sinologie an der Universität Zürich, wünschte den Prüfern und Prüflingen in Zürich und Genf gutes Gelingen. Zeitgleich mit der Prüfung in Zürich werde nämlich in Genf die gleiche Prüfung durchgeführt. In Zürich hätten sich für die Elementarstufe 14 Personen angemeldet, für die Grund- und Mittelstufe seien es 22. Die Elementarstufe umfasst 100–800 Unterrichtseinheiten mit 400–3000 Schriftzeichen, die Grund- und Mittelstufe 400–2000 Unterrichtseinheiten mit 2000–5000 Schriftzeichen.

Der HSK wird von chinesischen Prüfern abgenommen, die Tests selbst stammen aus China und die Bewertung erfolgt in chinesischen Testzentren. Die 36 Prüflinge, die sich in Zürich angemeldet haben, werden in ungefähr zwei Monaten erfahren, wie sie abgeschnitten haben, wenn ihnen das Zertifikat von China aus zugeschickt wird. Bleibt zu hoffen, dass für alle gute Noten aus dem Reichder Mitte kommen.

Marita Fuchs ist Mitarbeiterin von unicom