Kinderspital Zürich

Im Brennpunkt der Gesellschaft

An der gestrigen Vernissage stellte der Publizist Karl Lüönd seinen Bildband über das Kinderspital Zürich vor. Lüönd beschreibt die Universitätsklinik als «Brennglas der Gesellschaft». Schmerzhaft werde hier alles auf den Punkt gebracht, was uns bedrängt - Krieg, Beziehungskrisen, Missbrauch, Luftverschmutzung. Denn als erste leiden die Kinder.

Isabelle Meier

Hat sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Zürcher Kinderspitals auseinandergesetzt: der Publizist Karl Lüönd. (Bild: Isabelle Meier)

Viele graue und weisse Schöpfe, aber auch zahlreiche Mitarbeitende waren gestern (25.8.) ins Personalrestaurant des Kinderspitals gekommen, um Karl Lüönd, den ehemalige Blick-Nachrichtenchef und Chefredaktor der Züri Woche, über seine Arbeitam Bildband «Für Kind und Familie - Der Weg des Kinderspitals Zürich ins 21. Jahrhundert» sprechen zu hören. Der reich bebilderte Band blickt zurück in die Vergangenheit des Kinderspitals, er beschreibt den Klinikalltag und wagt einen Ausblick in die Zukunft. Zudem kommen im neuen Buch verschiedene Persönlichkeiten aus dem Spital-Umfeld zu Wort.

Subjektive Erinnerung

Diese Mischung aus klassisch-journalistischer Arbeit mit schriftlichen Quellen und «oral history», der subjektiven Erinnerung seiner Interviewpartner, sei das, was ihn am meisten am Schreiben einer solchen Chronik gereizt habe, sagte Lüönd. Rund zwanzig «Geschichtsbücher» hat der Publizist und Leiter des Medieninstituts des Verbands Schweizer Presse bereits verfasst, darunter auch eine Chronik der ZURICH, die anlässlich des 125-jährigen Jubiläums des Versicherungskonzerns herausgegeben wurde. Diese war es auch, die den Direktor des Kinderspitals, Louis Landolt, auf die Idee brachte, das Jubiläumsbuch bei Karl Lüönd in Auftrag zu geben. Landolt: «125 Jahre ZURICH war aus der externen Sicht des Autors geschrieben. Es ist kein trockenes Versicherungsbuch. Deshalb fragte ich Lüönd für unsere Jubiläumschschrift an.»

Freute sich über das neue Buch: Klinikdirektor Louis Landolt. (Bild: Isabelle Meier)

Verzögertes Jubiläum

Jubiläum? Das 125-jährige Jubiläum des Kinderspitals war vor fünf Jahren. Auf diesen Termin war auch die Herausgabe des Buches ursprünglich geplant, wie Prof. Dr. Felix H. Sennhauser, Ärztlicher Direktor des Kinderspitals Zürich, erklärte. Der Grund für die Verzögerung waren die harzigen Verhandlungen zum geplanten Neubau: Als wichtigsterMeilenstein für die Zukunft der Kinderklinik musste er Eingang ins Buch finden. Man wollte mit der Herausgabe des Bandes warten, bis die grundlegenden Entscheide, darunter auch die Standortfrage, vom Regierungsrat gefällt worden waren.

Nach einer guten Stunde leerte sich das Personalrestaurant. Die letzten Häppchen wurden herumgereicht. Der niedrige, dunkle Raum lädt auch nicht unbedingt zum Verweilen ein, und man freut sich auf die nächste Veranstaltung, die hoffentlich bereits im hellen, grosszügigen Neubau stattfinden wird.

Isabelle Meier ist freie Journalistin.