Open Access

Open Access-Journals: Gut sichtbar und leicht zugänglich

Die wissenschaftliche Publikationsbranche ist im Umbruch. Open Access-Journals untergraben das Monopol wissenschaftlicher Zeitschriftenverlage. Und die Universitäten wollen nicht länger die Publikationen ihrer eigenen Forschenden teuer erwerben. Nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Online-Publikationsmedium führt die Universität Zürich am 15. Oktober 2004 ein Symposium zum Thema «Open Access to Knowledge and Scholarly Communication» durch.

Sabine Witt

«PLoS Biology» ist das peer-rewiewed Open Access-Journal der Public Library of Science (PLoS), einer Nonprofit-Organisation von Wissenschaftlern und Physikern, die medizinische und wissenschaftliche Literaturallen kostenlos via Internet zugänglich machen. (Bild: Internet)

Initiativen wie die im Oktober 2003 verabschiedete «Berliner Erklärung für den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen», kurz: Berlin Declaration, lösten eine Welle von Zeitschriftengründungen aus. Dabei handelt es sich um wissenschaftliche Online-Publikationen, deren Initiator/innen genug davon haben, sich die Publikationsbedingungen von kommerziellen Wissenschaftszeitschriften diktieren zu lassen. Inzwischen sind einige dieser so genannten Open Access-Journals soweit etabliert, dass die kommerziellen Zeitschriften allmählich unter Druck geraten, ihre Publikationsstrategien auf neue Modelle umzustellen.

Vertrauen aufbauen

An der Universität Zürich wurde im November 2003 die Gründung des Open Access-Journals «PloS Biology» im grösseren Rahmen gefeiert. Der Molekularbiologe Professor Michael Hengartner ist ein «Fan», wie er selber sagt, dieses Online-Journals. Als Publikationsmedium akzeptieren würden es zwar bislang eher etablierte Wissenschaftler/innen als Nachwuchsforschende. Die Forschenden auf der Postdoc-Stufe etwa befürchten, dass der Impact-Faktor zu gering sein könnte. Es gelte darum vorerst, so Hengartner, Vertrauen in die neue Zeitschrift aufzubauen. Er selber rate seinen Mitarbeiter/innen jedenfalls, dort zu publizieren, weil er vom Niveau des Mediums überzeugt ist.

Gleiches Niveau bei mehr Sichtbarkeit

Was macht es für Naturwissenschaftler/innen attraktiv, in einem Online-Journal zu publizieren? Zum einen können sie das Copyright an ihren Papers behalten. Wichtig istzudem die grosse «Sichtbarkeit» und leichte Zugänglichkeit, die das Internet bietet. Anders als bei kommerziellen Zeitschriften, die inzwischen ebenfalls Websites unterhalten, sind im Open Access die Texte gebührenfrei als Volltexte einzusehen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt zitiert werden können.

Das wissenschaftliche Niveau sichern wie bei den herkömmlichen Printausgaben Peer Reviews. Auch sind mit der Zeit ähnliche qualitative Abstufungen wie im Printbereich zu erwarten. Eine wichtige Aufgabe wird wie bei den Print-Geschwistern sein, die grosse Zahl an wissenschaftlichen Publikationen in den einzelnen Disziplinen zu filtern.

Teure Zeitschriftenabos

Ein handfestes Interesse an den neuen Publikationsmedien haben die Universitäten und letztlich die Öffentlichkeit. Die öffentliche Hand finanziert die Forschung und kauft dann die eigenen Forschungsergebnisse als wissenschaftliche Publikationen von den Verlagen zurück. Damit könnte Schluss sein, wenn sich das Open Access-Prinzip vollends durchsetzt.

Besonders die Hochschulbibliotheken stöhnen über die teuren Zeitschriften. Den grössten Teil ihrer Budgets werfen sie nämlich für Abonnements auf. Die Association for Research Libraries (ARL) weist für das besonders teure Segment Science, Technology, Medicine von 1986 bis 2000 aus, dass die Preise um 226 Prozent gestiegen sind. An der Hauptbibliothek Universität Zürich (HBZ) werden deshalb gemeinsam mit den Informatikdiensten Überlegungen zu einem Dokumentenserver als Teil eines Netzes von Dokumentenservern angestellt. Er enthielte idealerweise die gesamte wissenschaftliche Produktion der Universität Zürich. Auf solch einem Server, schränkt die Leiterin des Bereichs Forschung an der HBZ Ingeborg Zimmermann ein, könnten nicht alle Arbeiten im Volltext weltweit zugänglich sein, zumindest aber mit den Metadaten erfasst werden.

BibliotheksserviceBeratung

Das Prinzip des offenen Zugangs zu wissenschaftlichem Wissen stellt neue Anforderungen anBibliotheken. Schon heute ist ein grosses Know-how über Zeitschriften und Verlage vorhanden. Die neuen Aufgaben sind laut Ingeborg Zimmermann, aufzuklären über Copyright und Politik kommerzieller Verlage, bereits bestehende Open Access-Journals mit ihren Impact-Faktoren nachzuweisen, zu beraten, wenn jemand einneues Open Access-Journal gründen möchte, den kommerziellen Zitationsnachweisen Alternativen entgegenzusetzen und die Langzeitarchivierung in die Hand zu nehmen.

Dienst an der Wissenschaft

Die Universität Zürich unterstützt die Open Access-Initiativen mit einem Symposium am 15. Oktober 2004, auf dem die verschiedenen Aspekte dieser Publikationsform behandelt werden. Das liegt in ihrem ureigensten Interesse, denn die Bemühungen um alternative Publikationsmöglichkeiten leisten einen Dienst an der Wissenschaft. Wissenschaftler/innen möchten über die Forschung ihrer Fachkollegen auf dem Laufenden sein und sich mit ihnen darüber austauschen können. Vielleicht wird Michael Hengartners Wunsch in absehbarer Zeit ja wahr: «Ich träume davon, alle Publikationen meines Faches auf meiner Harddisk zu versammeln – wie meine eigene Bibliothek von Alexandria.»

Sabine Witt ist Journalistin.