Chemie

Zürich zieht chemische Talente an

Brain Drain einmal umgekehrt: Die Universität Zürich und die ETH sind zum Magneten für hervorragende Chemikerinnen und Chemiker aus den USA geworden. Auch in Sachen Unternehmensgründungen hat die Universität Beachtliches geleistet.

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Zürich: Seit Jahren zieht es Chemikerinnen und Chemiker aus den USA an. (Bild: zVg.)

Normalerweise zieht es Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weg von Europa in die USA, weil sie dort bessere Karrierechancen wahrnehmen können. In der Chemie ist es seit Jahren umgekehrt. Zürich zieht in diesem Fachbereich die besten Leute an, berichtet das bekannte Magazin für chemische News, «Chemical&Engineering News», in der Online-Ausgabe vom 23. Februar 2004.

Die Chemie auf dem Irchel wird von «Chemical&Engineering News» ausführlich gelobt: «Designed by Max Ziegler, the University of Zurich's science campus in Irchel sits serenely on a broad landscape that includes a pond and a park; renovated labs and new equipment are standard features of the current chemistry recruitment package of the University of Zurich.» (Bild: Jeremy Klosterman)

Grosszügige Unterstützung …

Vor allem die grosszügige Unterstützung und die hervorragende Infrastruktur in Zürich überzeugen die amerikanischen Chemikerinnen und Chemiker. Ein Plus sind auch die vielen Möglichkeiten, mit der Industrie zusammenzuarbeiten. Positiv auch Zürichs lange Tradition im chemischen Bereich - war diese früher durch eine starke Konkurrenzsituation zwischen Universität und ETH geprägt, so ist sie mittlerweile einer engen Kooperation der beiden Hochschulen gewichen. Und last but not least überzeugt die Lebensqualität in der Limmatstadt, berichten die «Chemical&Engineering News».

Die neusten Zuzüge in Chemie an die Universität Zürich: Kim Baldridge (rechts) und ihr Gatte Jay S. Siegel. (Bild: zVg.)

… und hervorragende Infrastruktur

Kim Baldridge (vormals Spezialistin für Computergestützte Chemie am San Diego Supercomputer Center in California) und ihr Gatte, Jay S. Siegel (bisher Chemieprofessor an der University of California, San Diego) sind Zürichs neueste Zuzüge aus den USA. Beide wurden letztes Jahr an der Universität Zürich angestellt.

Angefangen hat der U.S.-to-Zurich-Trend mit Steven A. Benner, der von 1985 bis 1996 an der ETH Professor für bioorganische Chemie war. Bis 1992 war Benner dort der einzige amerikanische Chemieprofessor, dann stiess James E. Bailey dazu, ein Pionier im Bereich des biochemischen Engineering. Bailey's Kollege Jeffrey A. Hubbell, Professor für chemisches Engineering, führte ab 1997 das Institut für Biomedical Engineering, das gemeinsam von der Universität und ETH betrieben wird.

Zahlreiche Spin-offs

Die Universität Zürich wird von den «Chemical&Engineering News» noch in einem anderen Zusammenhang gelobt: Sie bringe eine Menge neuer Unternehmen hervor. In einer beeindruckenden Liste werden die Spin-offs aufgeführt mit entsprechenden Links zu den einzelnen Unternehmungen. Einige wie Prionics (BSE-Tests) und Kuros Biosurgery (medizinische Gewebereparatur) sind auch in der Öffentlichkeit bekannt geworden.

Prorektor Forschung der Universität Zürich: Prof. Alexander Borbély. (Bild: zVg.)

Noch attraktiver mit Bologna-Modell

Zürich werde noch attraktiver werden, wenn die Bologna-Reform 2010 voll umgesetzt sein wird und damit die international anerkannten Bachelor-Master-PhD-Abschlüsse spielen, sind die «Chemical&Engineering News» überzeugt. Das müsse nicht bedeuten, dass in Europa eine Nivellierung auf mittlerem Niveau stattfinde, gibt Alexander Borbély, Prorektor Forschung an der Universität Zürich in einem Interview mit dem Newsmagazin zu verstehen. Gerade die Universität Zürich werde sich mit ihrem hervorragenden Angebot wie beispielsweise der Humanbiologie auf höchstem Niveau behaupten können.