Alkoholika

Die süsse Verführung wird teurer

Wären die süssen Alkoholika Alcopops auch so beliebt, wenn sie mit einer Sondersteuer verteuert würden? Der Lehrstuhl Marketing der Universität Zürich wollte es genauer wissen. Die Hälfte der befragten Jugendlichen gaben an, sie würden bei einer Preiserhöhung ihrem Lieblingsgetränk untreu werden. Am 1. Februar ist es so weit.

Brigitte Blöchlinger

Der typische Alcopop-Konsument ist weiblich, achtzehn Jahre alt ... (Bild: Christoph Schumacher)

Alcopops haben's in sich: viel Süssstoff und Alkohol - entsprechend schnell «fahren sie ein». Das poppige Getränk erreicht sein Zielpublikum, die Jugendlichen. In den letzten drei Jahren stieg der Absatz von 2 Millionen auf 40 Millionen Fläschchen. Gut zehn Prozent der Konsumierenden sind unter 18Jahre alt und dürften von Gesetzes wegen gar keinen Alkohol verkauft bekommen. Mädchen sind den als Limonade «getarnten» Verführern besonders zugetan. Der typische Alcopop-Konsument ist weiblich, achtzehn Jahre alt, macht eine Lehre und besucht die Berufsschule, hört Hip-Hop und Rhythm'n'Blues, geht zweimal die Woche aus und trinkt in Clubs während der Party ein Smirnoff Ice oder einen Bacardi Breezer, weil es weniger als zehn Franken kostet, berauscht und einfach gut schmeckt.

Sondersteuer ab 1. Februar

Bis jetzt war der Verkaufspreis der Alcopops bewusst auf Teenager-Budgets zugeschnitten, doch das soll sich nun ändern. Ab 1. Februar 2004 werden Alcopops in der Schweiz nämlich mit einer Sondersteuer belegt, die viermal höher ist als der normale Steuersatz. Konkret bedeutet dies, dass auf einer 2,75-dl-Flasche zu 5,6 Volumenprozent Alkohol neu 1,80 bis 2 Franken an Steuern erhoben werden (früher zwischen 45 und 50 Rappen). Das Parlament möchte mit dieser Änderung die Jugendlichen vor der alkoholhaltigen süssen Verführung schützen.

... macht eine Lehre und besucht die Berufsschule, hört Hip-Hop und Rhythm'n'Blues ... (Bild: cs)

Vom gebrannten zum vergorenen Alkohol

Der Lehrstuhl Marketing an der Universität Zürich hat sich letzten Dezember der Problematik der Alcopops angenommen und eine Studie zu den Auswirkungen der Sondersteuer durchgeführt. Die Autoren der Untersuchung, Thomas Bamert, Rudolf Ergenzinger und Thomas S. Meier-Bickel, plazierten während einer Woche auf der Nightlife-Plattform tilllate.ch einen Fragebogen, den 3700 Personen im Alter von zwölf bis fünfzig Jahren ausfüllten. Das Resultat der Befragung in der Schweiz entsprichtden Erfahrungen im Ausland: Werden Alcopops teurer, sinkt die Nachfrage. Viele Jugendliche, vor allem die Jungs, wollen auf das günstigere Bier umsteigen. Männer sind tendenziell preisbewusster als Frauen, doch geben beide Geschlechter an, bei einer Preiserhöhung würden sie weniger Alcopops konsumieren.

Mit Steuern den Konsum lenken

Mit der neuen Sondersteuer auf gebrannte Alkoholgetränke will der Bund (einmal mehr) das Trinkverhalten der Schweizerinnen und Schweizer verändern. Als nämlich im Sommer 1999 die Besteuerung und Einfuhrpraxis von Spirituosen liberalisiert wurde, führte dies zu einer Preisreduktion von bis zu fünfzig Prozent. Die Bevölkerung reagierte prompt mit erheblich mehr Konsum.

... geht zweimal die Woche aus und trinkt in Clubs während der Party ein Smirnoff Ice oder einen Bacardi Breezer ... (Bild: cs)

Vorbild Frankreich

Nun soll dieser Entwicklung im wahrsten Sinne des Wortes Gegensteuer gegeben werden. In Frankreich konnte nämlich bereits 1996 beobachtet werden, dass sich der Konsum von Spirituosen mittels Steuern gezielt lenken lässt. Frankreich verdoppelte (!) damals durch eine höhere Branntweinsteuer den Verkaufspreis von alkoholischen Premixes (unter die die Alcopops fallen) und konnte so den Konsum erfolgreich eindämmen. In der Schweiz wird die Steuer den Preis um zirka zwei Franken erhöhen. Die Umfrage des Lehrstuhls Marketing hat nun ergeben, dass immerhin 42 Prozent der Befragten in diesem Fall weniger Alcopops konsumieren werden.

Ahnungslose Jugendliche

Die meisten Jugendlichen wissen noch nichts von ihrem Glück beziehungsweise Unglück. 80 Prozent der Befragten gaben an, nichts von der geplanten Sondersteuer auf ihrem Lieblingsgetränk zu wissen. An der nächsten Party werden sie es wohl erfahren.

... und weiss nicht, dass sein Lieblingsgetränk ab nächster Woche teurer wird. (Bild: cs)
Brigitte Blöchlinger ist Redaktorin bei unipublic und Journalistin BR.