Demokratisiertes Wissen

Das Mitte Oktober lancierte, internationale Wissenschaftsjournal «PLoS Biology» bietet einen freien Zugriff auf hochstehende wissenschaftliche Beiträge und Forschungsresultate. In einem Kurzinterview schätzt Prof. Alexander Borbély, Prorektor Forschung der Universität Zürich, die Publikation ein.

Roger Nickl

Das Cover der ersten Nummer von PLoS Biology. (Bild: PLoS Biology)

Sie wollen nach eigenen Worten eine «Revolution im wissenschaftlichen Publikationsbetrieb» fördern: die Herausgeber des englischsprachigen Wissenschaftsjournals «PLoS Biology», das Mitte Oktober erstmals erschienen ist. Das Kürzel «PLoS» steht für «Public Library of Science». Hinter dem Namen verbirgt sich eine Non-Profit-Organisation von Wissenschaftlern, die sich zum Ziel gesetzt hat, Resultate der Spitzenforschung für die internationale Forschergemeinschaft, aber auch für Studierende und die interessierte Öffentlichkeit kostenlos zugänglich zu machen. Das Wissen, das oft mit Hilfe öffentlicher Gelder produziert wird, wird mit der Open-access-Publikation quasi demokratisiert. Finanziert werden soll das Journal vor allem durch die Autoren, die für die Publikation ihres Artikels aufkommen müssen.

«PLoS Biology» erscheint einmal monatlich online und ist - gegen die Entrichtung des Selbstkostenpreises und Portogebühren - auch in einer Print-Version erhältlich. Die Publikation will sich als biowissenschaftliches Topjournal etablieren. Für die Qualität der veröffentlichten Forschungsbeiträge zeichnen die Herausgeber sowie ein mit hochkarätigen Wissenschaftlern besetztes Editorial Board verantwortlich, dem unter anderem auch der Molekularbiologe Prof. Konrad Basler von der Universität Zürich angehört. Damit die Forschungsresultate auch für Laien zugänglich sind, werden die Artikel jeweils durch allgemein verständliche Zusammenfassungen der Artikel ergänzt. Für die Zukunft plant die «Public Library of Science» mit «PLoS Medicine» eine weitere, medizinische orientierte Open-access-Publikation.

Anlässlich der Lancierung von «PLoS Biology» findet heute um 17 Uhr eine Feier im Lichthof der Universität Zürich Irchel statt. In einem kurzen Interview mit unipublic schätzte Prof. Borbély die neue Publikation vorgängig ein.

Alexander Borbély, Prorektor Forschung der Universität Zürich. (Bild: unicom)

unipublic: Herr Professor Borbély, welche Vorteile bietet eine Open-access-Publikation wie «PLoS Biology» den Forschenden? Was bringt sie der Öffentlichkeit?

Borbély: Die Forschenden können Ihre Resultate rasch und kostengünstig auf einem allgemein zugänglichen Medium publizieren. Verlags- und Vertriebskosten fallen weg, das Copyright bleibt beim Autor oder bei der Autorin. Die Öffentlichkeit hat kostenlos und ortsunabhängig Zugriff auf wissenschaftliche Arbeiten.

Die Veröffentlichung eines Beitrags in den renommierten Wissenschaftspublikationen «Nature» und «Science» gilt unter Forschenden als sehr prestigeträchtig. Wie schätzen Sie die Attraktivität von «PLoS Biology» ein?

Borbély: Eine neue Zeitschrift, auch wenn sie in elektronischer Form erscheint, muss sich zuerst etablieren. Das wird eine gewisse Zeit brauchen. Das renommierte Herausgebergremium gibt Gewähr für eine stringente Selektion und einen hohen wissenschaftlichen Standard.

Wie sehen Sie die Zukunft von Open-access-Journalen im Allgemeinen? Welcher Stellenwert wird ihnen künftig zukommen?

Borbély: Sie werden an Bedeutung gewinnen, schon jetzt zeichnet sich ein Konkurrenzkampf mit den herkömmlichen Print-Journalen ab. Es wird wahrscheinlich auch verschiedene Mischformen geben

Kritiker stehen der neuen Publikation skeptisch gegenüber. In Frage gestellt wird vor allem die längerfristige Finanzierbarkeit von «PLoS Biology». Wie schätzen Sie diese Vorbehalte ein?

Borbély: Auch elektronische Journals benötigen einen realistischen Businessplan. Die Herausgeber von «PLoS Biology» behaupten, ihre Kalkulationen basierten auf soliden Grundlagen, die Kritiker bezweifeln es. Viel wird von der Verbreitung des Journals abhängen. Ich hoffe auf ein gutes Gelingen dieses Projekts und ganz allgemein auf einen Erfolg der Open-Access-Journale im Bereich der Life Sciences und der Medizin.

Roger Nickl ist Redaktor des
unimagazins.