Wie sieht eine Kuh von innen aus?

Für einen Tag - den Tag der offenen Tür am 28. Juni - war die Tierklinik am Irchel ein einziger Erlebnispark: Wissenschaftsschau, Festhütte und Streichelzoo in einem. Spektakulärer Höhepunkt war die Sezierung von Grossvieh.

David Werner

Veterinärmedizinerin Marta Räber führt das Innenleben einer Kuh vor. (Bild: David Werner)

Wer bisher noch nie eine Kuh von innen gesehen hat, der konnte dies im Anatomiesaal des Tierspitals nachholen. Da baumelte, an Fleischerhaken aufgehängt, ein tonnenschweres, schichtweise aufgeschnittenes Hornvieh und präsentierte dem schaudernden Betrachter sein kompliziertes, entfernt an einen Lastwagenmotor erinnerndes Innenleben.

Veterinärmedizinerin Marta Räber klappte an dem schon etwas säuerlich riechenden Kadaver da und dort einen Fleischlappen hoch, hob Milz und Leber heraus und erklärte dem Publikum, wo Speicheldrüse oder Gebärmutter sitzen. Dann leuchtete sie mit einerNeonröhre die riesenhaften Magenhöhlen aus.

Auch Pferdeinnereien konnten inspiziert werden. (Bild: dw)

Einen Raum weiter hingen die Überreste eines Pferdes. Einzelne bereits entfernte Organe und Darmabschnitte lagen drumherum in Plastikwannen, und wer wollte, der konnte seine anhand der Kuh gewonnen Anatomiekenntnisse per Analogieverfahren auf das Reittier übertragen.

Ein Alpaka mit Atembeschwerden. (Bild: dw)

Es gab zum Glück auch lebende Pferde samt mobiler Pferdesanität zu bewundern, es gab Esel und Kälber zu streicheln und Ponys zu reiten. Darüber hinaus erwarteten einen Schweine mit Verdauungsproblemen oder ein Alpaka mit Atembeschwerden zum Krankenbesuch. Wer wollte, hörte per Stethoskop die Herzfrequenz und die Magengeräusche einer Kuh-Patientin ab oder schaute im Hörsaal dem Kleintier-Kardiologen Tony Glaus bei der Untersuchung einer herzkranken Hündin zu. Man warf einen Blick in den Operationssaal der Nutztierklinik oder liess sich erklären, wie ein Elektronenmikroskop funktioniert.

Auch das Streicheln kam nicht zu kurz. (Bild: dw)

Die Studenten, Veterinäre und Tierpfleger berichteten engagiert und mit sichtlicher Begeisterung über ihre Arbeit, das zahlreich erschienene Publikum, darunter vieleKinder und Familien, zeigte lebhaftes Interesse.

«C3-versenkt» hatte beim Kuhfladenlotto eine eigene Bedeutung. (Bild: dw)

Wem schliesslich nach so vielen Eindrücken nach etwas Auflockerung zumute war, der begab sich entweder zur Paella-Pfanne im eigens hergerichteten Freiluftrestaurant oder zum Rindviehgehege. Dort konnte man Wetten abschliessen: wer richtig vorausahnte, auf welches der am Boden aufgemalten Quadrate ein Haufen fallen würde, der hatte gewonnen. «Kuhfladenlotto» heisst dieses bemerkenswerte Spiel.

David Werner arbeitet als freier Journalist