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Hochschul-Allianz

Kooperation dank Una Europa

«Una Europa» ist ein exklusiver Zusammenschluss europäischer Universitäten, dem die UZH 2022 beigetreten ist. Im Interview erläutert Prorektorin Gabriele Siegert, wie die UZH dank der Allianz die Forschung sowie das Studienangebot erweitert und internationalisert.
Stefan Stöcklin

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Die Generalversammlung von Una Europa in Dublin, Dezember 2023. (Bild: zVg)

Gabriele Siegert, seit Mai 2022 ist die UZH Mitglied von Una Europa. Sie haben bis Ende letzten Jahres die Universität Zürich in dieser Allianz im Board of Directors vertreten. Wie wichtig ist dieser Zusammenschluss für die UZH?

Gabriele Siegert: Für uns ist Una Europa von grosser Bedeutung, weil wir momentan politisch nicht an Europa angeschlossen sind und weder bei den EU-Programmen wie Horizon Europe noch Erasmus gleichberechtigt beteiligt sind. Durch die Allianz können wir enge Partnerschaften mit gleichgesinnten europäischen Universitäten etablieren und vertiefen.

Die in Una Europa verbündeten elf Universitäten haben ähnliche strategische Visionen betreffend Bildung, Lehre, Forschung und Innovation. So passt unsere Volluniversität gut zu den Fokusbereichen der Allianz, in denen wir uns engagieren. Dank der Allianz können wir auch die Lehre voranbringen, was mir als Prorektorin Lehre und Studium besonders nahe liegt.

Könnten Sie ein erstes Fazit ziehen, was die Mitgliedschaft in Una Europa den UZH-Angehörigen gebracht hat?

Siegert: Ich könnte jetzt sagen, dass eine erste Erkenntnis darin besteht, dass es an anderen Universitäten genauso bürokratisch zugeht wie bei uns…(lacht). Im Ernst: Dank den Una-Partneruniversitäten konnten wir die Lehre dynamischer vorantreiben und das Studienangebot weiter internationalisieren. Ich denke zum Beispiel an die Summer School für Doktorierende im Bereich One Health von Una Europa, wo wir bereits Module beigesteuert haben oder die Staff Weeks für institutionelles Lernen.

Als Mitglied von Una Europa haben die Forschenden der UZH Zugang zu einer Anschubfinanzierung, die die Initiierung langfristiger Kooperationsaktivitäten zwischen den Partneruniversitäten des Netzwerks unterstützt, etwa durch die Universitäre Forschungsförderung. Bereits fortgeschritten ist der Aufbau von zwei gemeinsamen Studienprogammen auf Bachelorstufe, dem Joint Bachelor of Arts in European Studies (BAES) und dem Joint Bachelor in Sustainability (BASUS).

Können Sie die Studienprogramme kurz erläutern, ab wann steht das Angebot zur Verfügung?

Siegert: Der Joint Bachelor of European Studies ist ein umfassendes Studienprogramm u.a. zur Geschichte, Politik und den rechtlichen Rahmenbedingungen von Europa und wird den UZH-Studierenden via Philosphische Fakultät und dank unserer Mitgliedschaft in der Allianz ab dem Frühjahrsemester 2025 zur Verfügung stehen. Studierende profitieren dann von einem breiten und abwechslungsreichen Studiengang und der Möglichkeit, innerhalb eines einzigen Bachelorstudiums an verschiedenen führenden Universitäten Europas zu studieren.

Was den Joint Bachelor in Sustainability betrifft, so können UZH-Studierende via Theologische und Religionswissenschaftliche Fakultät TRF voraussichtlich ab Herbstsemester 2025 als Degree-Awarding Partner teilnehmen. Wie beim BAES, bringen die Partneruniversitäten ihre spezifischen Kompetenzen in die Studiengänge ein.

gabriele siegert

Das gemeinsame Ziel von Una Europa ist eine Universität der Zukunft mit gemeinsamer Lehre und Forschung und einer vertieften Zusammenarbeit auf allen Ebenen.

Gabriele Siegert
Vize-Rektorin und Prorektorin Lehre und Studium

Attraktive, grenzüberschreitende Studiengänge dürften die Studierendenmobilität erhöhen. Wie wichtig ist dieser Aspekt?

Siegert: Sehr wichtig, denn die Erfahrung zeigt, dass die Studierenden bei uns nicht so mobil sind, wie wir uns das wünschen würden. Una Europa hat sich zum Ziel gesetzt, dass die Hälfte der Studierenden während des Studiums internationale Erfahrungen sammeln sollten. Das muss kein ganzes Semester sein, sondern kann auch mit der Teilnahme an einer Winter- oder Sommer-School erfüllt werden oder einem internationalen Online-Modul, in dem man sich mit anderen Studierenden austauscht. Ich denke, Una Europa wird uns helfen, die Mobilität unserer Studierenden zu erhöhen.

Una Europa umfasst europäische Universitäten. Inwieweit macht diese Fokussierung Sinn, die Schweiz könnte sich ja auch mit Topunis in den USA oder Asien stärker verbinden?

Siegert: Wir kooperieren ja auch mit Universitäten in der ganzen Welt, sei es in der Forschung oder etwas seltener in der Lehre. Aber es sind besonders die europäischen Länder, mit denen wir gemeinsame Werte teilen. Die Kultur von Meinungsfreiheit und der offene Austausch von Ideen ist mit europäischen Partnern am einfachsten und am besten möglich. Gemeinsame Studiengänge, die wir nun realisieren, drängen sich im europäischen Kontext geradezu auf. Diese Form der Zusammenarbeit ist mit weit entfernten Institutionen kaum zu realisieren.

Die UZH dürfte als grösste Schweizer Universität ein attraktiver Partner für die europäischen Universitäten sein. Wie bringt sich die UZH in die Allianz ein?

Siegert: Als forschungsstarke und angesehene Universität wurden wir mit offenen Armen empfangen. Einige Mitglieder von Una Europa kennen uns ja bereits von der LERU (League of European Research Universities), wo wir seit 2006 Mitglied sind. Auch mit der FU Berlin, einem Gründungsmitglied von Una Europa, haben wir eine strategische Partnerschaft und sind uns vertraut.

Als Volluniversität können wir wertvolle Beiträge zu allen sechs Fokusbereichen von Una Europa beisteuern, die da sind: Cultural Heritage, Data Science and Artificial Intelligence, Europe an the World, Future Materials, One Health, Sustainability. Wir haben recht schnell die zuständigen Personen der UZH in den jeweiligen Steuerungsgruppen bestimmt, die dort ihre Expertise einbringen können. Aktiv sind wir auch in den sogenannten Clustern, wo es zum Beispiel um Mobilität und Lehre geht.

Die UZH ist Mitglied mehrerer europäischer Netzwerke: Nebst Una Europa auch LERU, U21 und EUF (European University Foundation). Was sind die wichtigsten Unterschiede?

Siegert: Die genannten Netzwerke positionieren sich unterschiedlich und nehmen unterschiedliche Aufgaben wahr, die sich ergänzen. Bei der League of European Research Universities (LERU) steht die Förderung der Forschungspolitik und die Positionierung institutioneller Themen in Brüssel, d.h. der EU, im Vordergrund. Die LERU ist als Netzwerk der besten europäischen Forschungshochschulen zudem ein wichtiger Benchmark für uns.

Bei Universitas 21, wo wir seit 2017 Mitglied sind, stehen bilatere Kooperationen und die Mobilität der Studierenden im Vordergrund. Dieses Netzwerk bringt hinsichtlich Mobilität eine globale Dimension und vernetzt uns vor allem mit Universitäten in Asien und Australien. Bei der EUF liegt der Fokus ebenfalls auf der Studierendenmobilität, aber mit dem Schwerpunkt Europa. Für uns ist diese Zusammenarbeit wichtig, damit wir den Anschluss nicht verlieren, weil wir ja im Moment nicht beim Mobilitätsprogramm Erasmus dabei sind.

Welche Rolle spielt nun Una Europa in diesen Hochschul-Verbindungen?

Siegert: Una Europa ist eben kein Netzwerk, sondern eine Allianz von Universitäten, wobei aus jedem Land Europas nur eine Hochschule Mitglied sein kann. Das gemeinsame Ziel ist eine Universität der Zukunft mit gemeinsamer Lehre und Forschung und einer vertieften Zusammenarbeit auf allen Ebenen, auch der Administration. In diesem Sinn ist die Allianz von Una Europa verbindlicher als die besprochenen Netzwerke. Die gemeinsamen Studiengänge mit zertifizierten Abschlüssen sind Ausdruck dieser Verbindlichkeit.

Die Delegation der UZH an der letzten Generalversammlung von Una Europa in Dublin 2023. (Bild: Trisha Wakeford)

Das Engagement in Una Europa bedingt auch eine hinreichende Finanzierung. Wie steht es mit den finanziellen Mitteln?

Siegert: Die EU stellt den europäischen Partner-Universitäten beträchtliche finanzielle Mittel für Una Europa zur Verfügung. Die Schweiz stellt ebenfalls eine gewisse Ko-Finanzierung bereit, die es der UZH ermöglicht, uns finanziell einzubringen und mitzugestalten. Die Gelder kommen einerseits von Movetia, der Nationalen Agentur für Austausch und Mobilität. Andererseits investieren wir auch aus unseren anderen Mitteln.

Im Juni 2024 ist die UZH Gastgeberin der General Assembly. Ist schon klar, welche Themen gesetzt werden, gibt es einen Schwerpunkt?

Siegert: Wir sind noch mitten in der Programmierung, aber was ich sagen kann, ist, dass One Health ein wichtiges Thema sein wird. Dieses Thema ermöglicht eine vertiefte Diskussion der verschiedenen, teils überlappenden Gesundheitsansätze in den Bereichen der menschlichen und tierischen Gesundheit aber auch der Umwelt und ihrer gesunden, das heisst nachhaltigen Entwicklung. Damit möchten wir das One Health Institut der UZH innerhalb des Fokusthemas gut positionieren, längerfristig möchten wir mit diesem Thema in der Allianz eine führende Rolle übernehmen.

Ende Jahr haben Sie ihr Amt im Board of Directors an Prorektorin Elisabeth Stark abgegeben. Gaben Sie ihr Ratschläge mit auf den Weg?

Siegert: Elisabeth Stark kennt die Allianz und die Mitglieder des Boards bestens und braucht keine Ratschläge. Im Gegenteil, dank ihren Sprachkenntnissen kann sie viele Kolleg:innen in ihrer jeweiligen Muttersprache begrüssen, was sicher kein Nachteil ist. Ich nehme an, Sie wird es bei ihrer Arbeit ähnlich wie ich halten und sich auf einige Schwerpunkte konzentrieren, diese aber mit Energie verfolgen.

Gabriele Siegert und Elisabeth Stark mit Andreas Lüssi von der Schweizer Botschaft in Dublin. (Bild: Leslie Reinhard)

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