Open-Access-Verhandlungen

Dritter Grossverlag im Boot

Die Verhandlungen der Hochschulbibliotheken mit dem Verlag John Wiley & Sons konnten erfolgreich abgeschlossen werden. Damit stehen die Angebote aller drei wissenschaftlichen Grossverlage den Forscherinnen und Forschern der UZH für Open-Access-Publikationen zur Verfügung.

Stefan Stöcklin

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Veröffentlichungen von Forscherinnen und Forschern der UZH sind nun auch in den Zeitschriften von John Wiley & Sons unmittelbar nach der Publikation frei verfügbar. (Graphik ZB)

 

Vor gut drei Jahren begannen die Verhandlungen der Schweizer Universitäten unter der Leitung von swissuniversities mit den drei wissenschaftlichen Grossverlagen Elsevier, Springer Nature und John Wiley & Sons über einen kostenlosen Zugang zu ihren Online-Zeitschriften. Das Ziel war einerseits die Fortführung der freien Lektüre wissenschaftlicher Publikationen und andererseits die kostenlose Open-Access-Publikation neuer Artikel für Angehörige der universitären Institutionen. Seit kurzem ist nun der letzte dieser drei transformativen Read&Publish Verträge mit Wiley unter Dach und Fach. Letzte Woche hat der Universitätsrat die Vereinbarung für die UZH genehmigt. Vergleichbare Vereinbarungen mit Elsevier und Springer Nature sind seit Januar rsp. Juli 2020 in Kraft.

Umsetzung ab 1. Mai

«Der Abschluss dieser Verhandlungsrunde mit Wiley ist ein grosser Schritt in unserer Open-Access-Strategie», sagt Elisabeth Stark, Prorektorin Forschung. Dank dem Abschluss stehen den Angehörigen der UZH ab dem 1. Mai fast alle der 1’450 Hybrid-Zeitschriften des Wiley-Verlags für kostenlose Open-Access-Publikationen zur Verfügung, wobei ihre Zahl durch ein jährliches Kontingent begrenzt ist. Die für Open-Access-Publikationen fällige Gebühr wird durch einen Pauschalbetrag von der Hauptbibliothek HBZ und der Zentralbibliothek ZB finanziert.

Wilfried Lochbühler, Direktor der HBZ, sagt dazu, dass der Vertrag kostenneutral abgeschlossen werden konnte, das heisst die Universität Zürich zahlt für den Read&Publish-Vertrag nicht mehr als vorher. Der Verlag Wiley wurde vor über 200 Jahren gegründet und beinhaltet heute einen breiten Zeitschriften-Bereich aus den Naturwissenschaften, der Medizin, Technik und der Wirtschaft. Auch Elsevier und Springer Nature sind vor allem auf Publikationen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) spezialisiert.

Frei publizieren in fast 10'000 Zeitschriften

Nebst den drei Grossverlagen hat die Universität weitere analoge Vereinbarungen mit weiteren Verlagen wie Cambridge University Press, Taylor&Francis und Sage abgeschlossen, die auch geistes- und sozialwissenschaftliche Titel anbieten. Gemäss Wilfried Lochbühler stehen den Forschenden bereits fast 10'000 Zeitschriften kostenfrei für Open-Access-Publikationen zur Verfügung. Mit weiteren Verlägen wie zum Beispiel Oxford University Press finden Verhandlungen zu Read&Publish Verträgen statt.

Als Fachbibliothek für Naturwissenschaften und Medizin übernimmt die HBZ im Bereich Open Access eine gewisse Leadfunktion. Wie Prorektorin Elisabeth Stark bereits deutlich gemacht hat, legt sie ihr Augenmerk vor allem auch auf die Unterstützung der Nachwuchsforschenden aller Fakultäten in diesem «komplexen Bereich» des Publikationswesens, das im Umbruch begriffen ist. «Es ist wichtig, dass der Nachwuchs dort publizieren kann, wo es für ihn karriereentscheidend ist», sagte Stark kürzlich in einem Blogbeitrag.

Transformation läuft

Auch mit den jetzt erfolgten Verhandlungsabschlüssen sind die Ziele von Open Access rsp. Open Science noch nicht vollständig erreicht. Viele dieser Zeitschriften sind noch keine reinen Open-Access-Publikationen, sondern befinden sich in einem Transformationsprozess und nähern sich diesen Zielen an. Das bedeuet für die Leserschaft ausserhalb der Hochschulen, dass je nach Zeitschrift noch nicht alle Artikel frei lesbar sind und dass auf Autorenseite Publikationsgebühren für die Artikel (APCs) anfallen können. Weitere Verhandlungen von swissuniversities für einen vollständigen Open Access mit allen Grossverlagen werden folgen.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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