Corona

Fünf Argumente für die Impfung

Impfen geht im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut. Jeder und jede muss für sich abwägen, ob er eine Impfung möchte oder nicht. Es gibt aber gute Argumente für eine Impfung, sagt Christoph Berger, Kinderarzt und Infektiologe am Universitäts-Kinderspital Zürich.

Marita Fuchs

Impfbus
Impfbus
Vom 23. bis 27. August 2021 ist an der UZH ein Impfbus im Einsatz. Dieser ermöglicht, sich spontan, mit oder ohne Registrierung impfen zu lassen. (Bild: rstupf)

 

Herr Berger, schweizweit haben sich laut neuesten Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit über 550 Personen mit dem Coronavirus infiziert, obwohl sie bereits vollständig geimpft waren. Lohnt es sich angesichts der hochansteckenden Delta-Variante überhaupt, sich impfen zu lassen?

Christoph Berger: Wir sollten folgende Tatsachen berücksichtigen: Die momentan dominierende Delta-Variante ist viel ansteckender als die ursprüngliche Variante, und sie hat die vorherigen Varianten verdrängt. Statistisch gesehen schützen die in der Schweiz zugelassenen Impfstoffe auch vor der Delta-Variante sehr gut. Zwar kann sie Ansteckungen nicht restlos verhindern. Wenn es aber zu einer Ansteckung kommt, dann mildert sie den Krankheitsverlauf deutlich ab und schützt vor schwerer Erkrankung.

Jüngere Personen wie Studierende erleben meist keine schweren Verläufe. Sollen Sie sich trotzdem impfen lassen?

Ja, denn es ist wichtig, die Viruszirkulation möglichst gering zu halten. Sobald wir wieder enger zusammenrücken und mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbringen, werden sich wieder mehr Menschen infizieren. Das Impfen trägt auch dazu bei, die Älteren oder diejenigen mit Vorerkrankungen, die vulnerabler sind, zu schützen. Ich verstehe das Impfen auch als soziale Aktivität. Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich, sondern auch Familie, Freunde, Kommilitonen und WG-Partnerinnen und -partner.

Die Inzidenz ist im Moment niedrig, somit ist doch keine Eile geboten, oder doch?

Die Inzident steigt jetzt. Den besten Schutz haben diejenigen, die beide Impfungen erhalten haben. Das geschieht in etwa in einem Zeitraum von sechs Wochen. Das Semester beginnt bereits Mitte September, wer also geschützt am Universitätsleben teilnehmen möchte, muss sich spätestens jetzt impfen lassen. Die Universität stellt dazu auch neu Impfbusse zur Verfügung. (siehe rechte Spalte)

Christoph Berger
Der Kinderarzt und Infektiologe am Universitäts-Kinderspital Zürich ist Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen. (Bild: zVg.)

Einige haben Bedenken vor den Folgen der Impfung; zum einen vor der Impfreaktion aber auch vor den langfristigen Auswirkungen der Impfung, die man heute noch nicht kennt. Wie schätzen Sie die Skepsis gegenüber dem neuen mRNA-Impfstoff ein?

Bei neuen Krankheiten wie Covid-19 und neuen Impfstoffen können gar nicht alle Nebenwirkungen zum Zeitpunkt der Zulassung schon bekannt sein. Inzwischen sind jedoch bereits hunderte Millionen Menschen geimpft. Die Geimpften haben oft Reaktionen in den Tagen nach insbesondere der 2. Impfung aber schwere Nebenwirkungen sind sehr selten. Die Erfahrung mit vielen Impfstoffen über viele Jahre hat gezeigt, dass die meisten schädlichen Auswirkungen einer Impfung bereits kurze Zeit danach sichtbar werden.

Eine gewisse Skepsis gegenüber dem Covid-19-Impfstoff beruht auf der Technologie, die noch niemals in der Geschichte der Impfungen eingesetzt worden ist, dem mRNA-Impfstoff. Aber man muss wissen: Diese Technologie ist gar nicht so neu. Sie beruht auf mindestens 10 Jahre langer Forschung und grossen Impfstudien. (Mehr zum mRNA-Verfahren lesen Sie im Kasten unten.)

Schützt die Impfung auch vor Long Covid?

Ja, selbstverständlich. Wer von Long Covid betroffen ist, lebt stark eingeschränkt. Einige von hundert Menschen, die positiv auf das Coronavirus getestet werden, zeigen ein sehr verzögerte Erhloung und entwickeln z.B. ein so genanntes Fatigue-Syndrom. Wer daran leidet, kann für längere Zeit, Wochne bis Monate, den Alltag und auch die Anforderungen des Studiums kaum bewältigen.

Kann man sich mit der Impfung ein Stück Freiheit erhalten und auch beibehalten?

Wenn alle geimpft wären, wäre der Freiheitsgewinn riesig. Vor allem für die Studierenden. Das ist doch kein Studentenleben – auf dem Bett zu sitzen und per Zoom am Seminar teilzunehmen! Alles ist reduziert, keine Gruppenarbeiten, keine Austauschsemester, keine Praktika, keine Jobs, keine Partys. Das alles ist doch eine riesige Einschränkung. Wir wollen doch gern unsere Freiheit zurück, das geht nur, wenn mehr als jetzt, d.h. möglichst alle sich impfen.

Die Hochschulen können und wollen keine Impfung verlangen, die Impfung soll und wird freiwillig bleiben. Die beste Voraussetzung dafür, den wieder angesagten Präsenzunterricht aufrechterhalten zu können, ist, wenn viele geimpft sind. Stellen Sie sich vor: Es gibt im Hörsaal einige, die andere mit der Deltavariante anstecken, dann beginnt der Kreislauf aus Quarantäne und Abwesenheiten wieder von vorn. Als Dozent und Vater von Studierenden wünsche ich mir ein Semester mit voller Präsenz. Noch einmal so ein Jahr wie das vergangene möchte ich nicht erleben.
 

Fünf Argumente, die für das Impfen sprechen:

1: Wer sich impft, schützt sich und andere

2: Corona Pandemie insbesondere mit Delta Variante nicht unterschätzen

3: Long Covid nicht unterschätzen und keine Chance geben

4. Nur eine hohe Impfquote ermöglicht einen Universitätsbetrieb in Präsenz

5: Impfung ist die beste Voraussetzung zu mehr Normalität und Freiheit

 

Der mRNA-Impfstoff

Bei der Impfung wird der mRNA-code für ein Viruseiweiss verabreicht. Der Körper folgt dem Bauplan und produziert dieses Eiweiss, das dann als Antigen präsentiert wird. Bei Coivd-19, ist es das Spike-Protein des Sars Corona-Virus 2. Das Protein ruft eine Immunantwort auf den Plan, der Geimpfte beginnt mit der Produktion von spezifischen Antikörpern und Zellen, die dann agieren, sobald es zur Virusinfektion kommt.

Seit 20 Jahren wird an der mRNA Technologie und Impfstoffen geforscht, auch an UZH. Ohne diese Forschung hätte man niemals so schnell einen Impfstoff herstellen können. Der mRNA-Impfstoff hat viele Vorteile, er kann in kurzer Zeit designt und dann in hohen Dosen hergestellt werden. Diese jetzt breit angewandten mRNA-Imfstoffe zeigen eine hervorragende Wirksamkeit und eine sehr gute Verträglichkeit und Sicherheit. Zu den mRNA-Impstoffen gehören Comirnaty von Pfizer/BioNTech und Spikevax von Moderna.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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