Corona

«Und, wie geht es Dir wirklich?»

Die Corona-Pandemie kann seelisch belasten. Emilia Vasella, Mitarbeiterin der psychologischen Beratungsstelle, verortet die Situation für Studierende und betont, dass die Beratungsstelle gerade jetzt für sie ein offenes Ohr hat.

Marita Fuchs

Psychologische Beratung in Zeiten von Corona
Psychologische Beratung in Zeiten von Corona
Studierende wandten sich während des Lockdowns mithilfe von Online-Medien an die Psychologische Beratungsstelle. (Bild: iStock / damircudic)


Frau Vasella, Sie beraten Studierende, die sich bei der Psychologischen Beratungsstelle melden. Was beschäftigt die Studierenden in dieser Zeit?

Emilia Vasella: Je nach Lebenserfahrungen und -umständen gibt es grosse Unterschiede. Einigen Studierenden macht die Ungewissheit zu schaffen. Sie bringt unser natürliches Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle ins Wanken. Raum und Zeit wurden ganz besonders in den letzten Wochen auf den Kopf gestellt. Vorlesungen fielen teilweise aus, die Forschungstätigkeit wurde eingeschränkt, die Bibliotheken geschlossen. Im ASVZ konnte man keinen Sport mehr treiben, Freunde zu treffen war schwierig.

Dann stellte sich die Frage nach dem eigenen Rhythmus. Die viele Zeit mit sich selbst kann schwierig sein, da jene Dinge, die bei der üblichen Geschäftigkeit des Lebens untergehen, nun an die Oberfläche drängen können. Latente Konflikte mit Eltern, Geschwistern oder Partnern brechen auf, man ist gereizt, kann ihnen weniger aus dem Weg gehen. Genau so wenig wie innere Konflikte, die manifest werden können. Schwierig, ja, aber auch eine Gelegenheit ein besseres Verständnis unserer eigenen Denk- und Verhaltensweisen zu erlangen.

Wie haben sich diese Ängste im Verlauf der Pandemie entwickelt?

In den ersten Wochen herrschte die Sorge um Ansteckung, dann kam die finanzielle Ungewissheit dazu, ebenso berufliche Unsicherheiten, Aufschub oder gar Absage des Stellenantritts, Verschieben von Prüfungen und Abschlüssen. Andere Sorgen waren ganz privater Art, etwa die Entwicklung von Liebesbeziehungen auf Distanz. Dann gibt es aber auch dieses merkwürdige Unbehagen, kaum als Angst erkennbar, die wir - wenn überhaupt - als unterschwellige Anspannung wahrnehmen.

Wie arbeiten Sie jetzt in der Beratungsstelle?

Der Lockdown hat unsere Arbeit an der psychologischen Beratungsstelle beeinflusst, wir mussten auf Online-Medien umstellen. Aber wir haben gelernt, dass es auch bei Ortswechsel gut möglich ist, einen gemeinsamen vertrauenswürdigen virtuellen Raum zu schaffen. Manche Studierende rufen aus der Küche, andere aus dem Schlafzimmer, Kinderzimmer oder aus einem improvisierten Home-Office an. Andere wiederum müssen spazieren gehen, um in Ruhe erzählen zu können. Es ist aber natürlich nicht dasselbe, wie wenn man sich im selben Raum gegenübersitzt und redet, dies kann Intimität und Vertrauen fördern. So ist es wenig überraschend, dass wir seit der Corona Epidemie weniger Anmeldungen erhalten haben.

Was raten Sie den Studierenden?

Es ist oft schwierig, Hoffnung und innere Ruhe aufrechtzuerhalten und gleichzeitig mit Unsicherheiten sowie Grenzen zu leben, die von aussen und innen kommen. Was kann man selbst in die Hand nehmen, wann darf und soll man sich an Jemanden wenden, und wann überlasst man die Dinge im Vertrauen auf eine gute Lösung der Entfaltung in der Zeit?

Neben wichtigen sachlichen Informationen sollten wir uns und unsere Mitmenschen fragen, wie dies der Gouverneur von New York empfiehl «How are you really?». Denn Gedanken und Gefühle sind gute Wegweiser und können zur Navigation schwieriger Zeiten helfen.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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