Schülerinnen- und Schülerstudium

«Ich kann schnell viel lernen»

Seit rund einem Jahr schnuppern Gymnasiastinnen und Gymnasiasten Uni-Luft. Sie schätzen es sehr, einen Einblick ins Studium an der UZH zu erhalten. Nun wird das Pilotprojekt um zwei Jahre verlängert.

Nathalie Huber

Sie besuchen dieses Semester das Schülerinnen- und Schülerstudium der UZH (v.l.n.r.): Maurin Brunner, Marie Schrader und Pebijn Cobben.
Sie besuchen dieses Semester das Schülerinnen- und Schülerstudium der UZH (v.l.n.r.): Maurin Brunner, Marie Schrader und Pebijn Cobben.
Sie besuchen dieses Semester das Schülerinnen- und Schülerstudium der UZH (v.l.n.r.): Maurin Brunner, Marie Schrader und Pebijn Cobben. (Bild: Nathalie Huber)


Studieren vor der Matur? – das geht. Im Herbstsemester 2018 startete das Schülerinnen- und Schülerstudium an der UZH. Unter den zur Auswahl stehenden Fächern ist Neuroinformatik der Spitzenreiter bei den Jugendlichen, gefolgt von Rechtswissenschaft, Astrophysik, Publizistik und Politologie. Bis anhin haben rund 80 motivierte und wissenshungrige Gymnasiastinnen und Gymnasiasten aus dem Kanton Zürich reguläre Lehrveranstaltungen an der UZH besucht. Der Grossteil unter ihnen ist 17 Jahre alt und besucht die 6. Klasse des Lang- beziehungsweise die 4. Klasse des Kurzzeitgymnasiums.

Viel Lob

Projektleiterin Maresa Knaus zieht nach drei Semestern eine positive Zwischenbilanz. Gemäss einer ersten Befragung sprechen Schülerinnen, Schüler und ihre Lehrpersonen dem Pilotprojekt viel Lob aus. «Sie sehen das Schülerinnen- und Schülerstudium als einmalige Chance an», sagt sie.

Nach dem Herbstsemester 2018 haben rund Dreiviertel der eingeschriebenen 34 Schülerinnen und Schüler die Modulprüfungen abgelegt – ein Drittel mit guten bis sehr guten Noten. Sie sammelten damit erste ECTS Credits, die sie später in ein Studium an der UZH einbringen können.

Mehr Kantonsschulen  

Für das laufende Herbstsemester haben 20 Zürcher Kantonsschulen Schülerinnen und Schüler angemeldet. Damit beteiligten sich vier Zürcher Kantonsschulen mehr am Pilotprojekt als im ersten Jahr. Die Schulen entscheiden darüber, welche Schülerinnen und Schüler sich für eine Anmeldung eignen. Wobei die Anzahl der Teilnehmenden pro Schule kontingentiert ist: Bei kleineren Gymnasien sind es maximal drei Schülerinnen und Schüler und bei grösseren jeweils ein Prozent von den dafür in Frage kommenden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten.

«Die Gymnasien schätzen unser niederschwelliges Angebot, begabte Schülerinnen und Schüler an die UZH zu entsenden», so Maresa Knaus. Lehrpersonen betonen, dass die Erfahrungen, die die Schülerinnen- und Schülerstudenten an der Universität machen, für die ganze Schule aufschlussreich sind.

Mehr kleine Module

Für die Zukunft wünschen sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen eine grössere Auswahl an Modulen mit einem kleineren Leistungsumfang. Gerade bei Einführungsmodulen mit bis zu sieben ECTS Credits pro Semester ist der Zeitaufwand für die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten sehr gross. «Diesem Wunsch versuchen wir gerecht zu werden», hält Knaus fest. «Ausserdem wollen wir noch mehr Erfahrungen sammeln, um dann zu entscheiden, ob und wie das Schülerinnen- und Schülerstudium verstetigt wird.» Deshalb wird das ursprünglich auf zwei Jahre geplante Pilotprojekt um weitere zwei Jahre, bis Ende Frühjahrsemester 2022, verlängert.   


UZH News wollte wissen, wie es den Schülerinnen und Schülern während ihres Studiums an der UZH ergangen ist. Maurin Brunner, Marie Schrader und Pebijn Cobben erzählen.

 

Maurin ist 17 Jahre alt und besucht die Kantonsschule Enge. Er absolviert den Grundlagenkurs «Chemie 101».

Maurin Brunner
Maurin Brunner
«Ich wählte das Modul Chemie, weil ich das Fach am Gymnasium sehr interessant finde.» (Bild: Fabio Schönholzer)

«Der Unterricht an der Universität ist genauso, wie ich ihn mir vorgestellt habe: Ein riesiger Vorlesungssaal mit einer dozierenden Person vorne und vielen Studierenden hinten, die selten Fragen stellen. Was mich hingegen sehr überrascht hat, ist, in wie wenig Zeit wir so viel Stoff büffeln mussten.

Ich glaube, dass ich unter allen Studierenden derjenige bin, der am besten auf das Modul vorbereitet ist. Denn ich hatte – im Gegensatz zu den anderen mit Matur – keine Pause, während der ich mein Chemiewissen hätte verlieren können. Normalerweise hat man am Gymnasium nur bis in die fünfte Klasse Chemieunterricht.

Ich muss zugeben, das Studium bringt schon ziemlich viel Arbeit mit sich. Ich muss auf jeden Freitag neun bis dreizehn Aufgaben lösen. In der Regel erledige ich das mittwochs, an meinem freien Nachmittag. Dann müsste ich aber auch an der Maturaarbeit schreiben. Ich habe deshalb auch meine Herbstferien geopfert, um an der Maturarbeit zu schreiben sowie Aufgaben fürs Schülerstudium zu lösen.

Aufgrund der schnellen Stoffvermittlung an der Universität kann ich auch schnell viel lernen. Das motiviert mich. Ich schätze es, bereits jetzt diese Erfahrung machen zu können. Natürlich wäre es schön, wenn ich die Prüfungen bestünde und ECTS erhielte. Aber fast noch wichtiger als Kreditpunkte zu gewinnen, ist es, dass einem das Nichtbestehen einer Prüfung nicht als Fehlversuch angerechnet wird. 

Ich werde nächstes Jahr ein zweites Semester absolvieren. Ich habe mir aber ein weniger aufwändiges Modul ausgesucht: Einführung in die Ethik und Philosophie in der Biologie.

Wenn ich einen Wunsch äussern darf: Ich würde es schätzen, wenn wir Schülerstudenten auch die Infrastruktur und die Kurse des ASVZ nutzen könnten.»

 

Marie Schrader ist 17 Jahre alt und Schülerin der Kantonsschule Enge. Während des laufenden Herbstsemesters besucht sie das Modul «Neuroinformatik».

Marie Schrader
Marie Schrader
«Ich finde das Gehirn, und wie es aufgebaut ist, sehr spannend.» (Bild: Fabio Schönholzer)

«Da mein Vater Dozent ist und ich seinen Unterricht schon besuchen konnte, wusste ich bereits, wie es an einer Hochschule zu und her geht. Was mich überrascht hat, ist, dass unser Professor einen sehr persönlichen Umgang mit uns pflegt. Es ist ihm wichtig, dass alle den Stoff verstehen.

Für mein Modul braucht man kein spezifisches Vorwissen, alles wird von Grund auf erklärt. Zu sagen, dass es recht entspannt ist, wäre nun übertrieben. Aber ich muss keine Aufgaben lösen, sondern einfach zusätzlich Texte lesen. Da diese auf Englisch sind und viele Fachbegriffe enthalten, kann das anspruchsvoll sein. Aber wenn ich die Texte mal nicht lese, fällt das auch nicht auf. Ob ich den Stoff verstanden habe, zeigt sich dann an der Prüfung.

Für mich zählt die Erfahrung, die ich während des Schülerinnen- und Schülerstudiums mache. Ich kann zwar anschliessend nicht Neuroinformatik studieren, da es keinen entsprechenden Bachelorlehrgang gibt. Aber ich finde das Gehirn, und wie es aufgebaut ist, sehr spannend. Und: das Schülerstudium ist eine gute Möglichkeit, ins Unileben einzutauchen, ohne hundertprozentig dort zu sein.

Es wäre schon cool, die Prüfungen zu bestehen. Aber ich musste nebenbei die Maturaarbeit schreiben. Das Gymnasium hat Vorrang. Ich werde ein zweites Semester des Schülerinnen- und Schülerstudiums absolvieren und habe mich für das Modul «Einführung in die praktische Philosophie» angemeldet. Grundsätzlich fände ich es toll, wenn ich ein medizinisches Modul besuchen könnte. Mir ist aber schon bewusst, dass dies gegenüber regulären Studierenden, die den Numerus Clausus ablegen müssen, nicht fair wäre.»

 


Pebijn Cobben ist 16 Jahre alt und geht ans Literargymnasium Rämibühl. Er besucht Vorlesungen und Übungen des Einführungsmoduls «Analysis 1».

Pebjin Cobben
Pebjin Cobben
«Ich fühle mich, als wäre ich ein regulärer Student.» (Bild: Fabio Schönholzer)

«Ich wollte wissen, ob mir Mathematik auch an der Universität gefällt. Man sagt ja, dass der Unterschied zwischen gymnasialer und universitärer Mathematik gross ist. Jetzt habe ich gesehen, dass mir Mathe an der Universität passt.

Aufgrund des knappen Modulbeschriebs war mir nicht ganz klar, welches Vorwissen ich für gewisse Fachbereiche mitbringen musste. Deshalb habe ich extra den Vorkurs für angehende Studierende besucht. Vom Wissensstand her hätte ich aber bereits vor zwei Jahren das Modul besuchen können. Vielleicht könnte man die Modulinhalte in Zukunft ausführlicher beschreiben.

Ich malte mir einen verwuselten Professor aus, der komplizierte Dinge von sich gibt. Beides ist nicht der Fall, es geht sehr menschlich zu und her. Der Kontakt zu den Mitstudierenden ist jedoch eher flüchtig. Da ich nur zweimal pro Woche an der Uni bin, kenne ich eigentlich nur meine Buddys und einen anderen Schülerstudenten. Allerdings fällt den meisten regulären Studierenden nicht auf, dass ich Schülerstudent bin. Jemand meinte sogar, ich sei 24 Jahre alt. Ich fühle mich, als wäre ich ein regulärer Student.

Ich würde schon gerne die Prüfungen bestehen. Das ist eine Herausforderung für mich, und ich mag Herausforderungen. Und ja, ich muss zugeben, ich habe das Modul auch deshalb gewählt, weil es viele Kreditpunkte gibt.»

Nathalie Huber, Redaktorin UZH News

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