«We’re open – are you?»

Open Science erfordert Kulturwandel

Zum Start der internationalen Woche für Open Access lanciert die UZH das Thema mit einer internen Kampagne und einer neuen Website. Die Leiterinnen der Geschäftsstelle für Open Science, Manuela Höfler und Katherine Hermans, erläutern, wie der Wissenschaftsbetrieb von Open Science profitiert.

Stefan Stöcklin

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«Wir von der UZH unterstützen Open Access», sagen die abgebildeten Forscherinnen und Forscher der Universität Zürich. (Bild:zVg)

 

Sollte noch jemand an der Bedeutung von Open Access und Open Science zweifeln, dann dient die Corona-Krise als Lehrbeispiel. «Die Pandemie hat wie kein anderes Ereignis den Wert einer offenen Wissenschaft deutlich gemacht», sagen die beiden Co-Leiterinnen der Geschäftsstelle Open Science der UZH, Katherine Hermans und Manuela Höfler.

Konfrontiert mit dem neuen pandemischen Virus, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit ihre Ergebnisse möglichst schnell auf sogenannten Preprint Servern wie bioRxiv und medRxiv öffentlich gemacht – noch vor dem sonst üblichen Peer Review Verfahren. Gleichzeitig haben führende Fachjournale ihre Artikel frei geschaltet. Medizinisches Fachpersonal und die Forschergemeinde konnten sich so über die neusten Erkenntnisse austauschen – und beschleunigen damit die Massnahmen, um die Pandemie möglichst rasch unter Kontrolle zu bringen.

Geschäftsstelle Open Science

Die Universität Zürich setzt sich seit 2003 für Open Access ein und gibt dem Thema zusammen mit swissuniversities und dem Schweizerischen Nationalfonds weiteren Schub. An der Hauptbibliothek HBZ der UZH widmet sich das Team unter Andrea Malits dem Thema Data Services und Open Access. Vor einem Jahr ernannte die Universitätsleitung Mark Robinson, Professor für Statistische Genomik und Marc Thommen, Professor für Schweizerisches Strafrecht, zu Delegierten für Open-Science. Seit Anfang dieses Jahres betreuen Manuela Höfler und Katherine Hermans die Geschäftsstelle Open Science, die dem Prorektorat Forschung angegliedert ist. «Unsere Aufgabe ist es, die Entwicklung hin zu einer transparenten und kooperativen Forschung im Sinne von Open Science an der UZH zu fördern», sagen Hermans und Höfler.

Hermans hat ursprünglich als Journalistin gearbeitet und danach die Organisation «Global Changemakers» gegründet, die sich weltweit für soziale Projekte von Jugendlichen engagiert. Manuela Höfler war Kommunikationsverantwortliche des Schweizerischen Bundesarchivs. Dieses hat das nationale Open Data Portal des Bundes aufgebaut. Bei ihren Arbeiten als Co-Leiterinnen der Geschäftsstelle an der UZH geht es natürlich auch um Open Access, also den freien Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Daten. Open Science ist aber breiter gedacht und umfasst zusätzliche Bereiche, die alle den Zweck eines grösstmöglichen und fairen Austauschs von Methoden und Ressourcen verfolgen. So gehören auch Themen wie Fair Data, Integrität der Forschung oder die Bürgerwissenschaft Citizen Science dazu.

Wissenschaft verändert sich tiefgreifend

«Open Science ist eigentlich unbestritten», sagt Katherine Hermans. Die Umsetzung im universitären Tagesgeschäft ist allerdings einfacher gesagt als getan. Sie bedingt viele Schritte, die für sich genommen wenig spektakulär sind, zusammengenommen aber die Wissenschaft tiefgreifend verändern. Das beginnt bei der Wahl der passenden Open-Access-Zeitschriften, geht weiter mit der Aufbereitung der Rohdaten oder der Zusammenarbeit in Netzwerken. Je nach Fachgebiet sind die Voraussetzungen und Anforderungen unterschiedlich.

Open Science hat aber auch mit der Lehre oder der Bewertung akademischer Karrieren und der Kultur bei den Berufungen zu tun, Stichwort DORA-Deklaration (San Francisco Declaration on Research Assessement). Die 2012 in San Francisco verabschiedete Erklärung empfiehlt eine umfassende Bewertung der Forschungsleistung einer Wissenschaftlerin, eines Wissenschaftlers und wurde von der UZH 2014 unterzeichnet. So sollten zum Beispiel bei Anstellungen den Publikationslisten und High-Impact-Journals weniger Beachtung geschenkt werden, stärker zu gewichten wären dagegen «weiche» Faktoren und die Qualität der Lehre. Solche Veränderungen brauchen Zeit. «Wir befinden uns in einem Kulturwandel, den wir weiter voranbringen möchten», sagt Manuela Höfler.

Neue Website und Policy

Die Kampagne wird von der Hauptbibliothek und der Open Science Geschäftsstelle zum Start der internationalen Woche für Open Access lanciert. Fast hundert Angehörige der UZH sind Teil der Kampagne «We ’re open. Are you?», die für die Anliegen von Open Access sensibilisieren soll. Ab dem 19. Oktober informiert die Geschäftsstelle auf der neuen Website www.openscience.uzh.ch über die Aktivitäten und Ressourcen zu Open Science an der UZH.  Während der Open Access Woche wird sich auch die neu geschaffene, fakultätsübergreifende Open Science Kommission der Universität zum ersten Mal treffen.

In Planung ist eine Policy, die in der ersten Jahreshälfte 2021 verabschiedet werden soll und Regeln für die Forschenden enthalten wird, zum Beispiel im Bereich des Publizierens. «Die Policy dient dazu, den Zielen von Open Science mehr Verbindlichkeit zu geben», sagen die Co-Leiterinnen. Und fügen hinzu: «An der Universität Zürich wird bereits viel gemacht, wir möchten diese Aktivitäten vernetzen und dort, wo noch Lücken bestehen, helfen, diese zu schliessen.» Denn es sei wichtig, dass die Forschenden bei diesen Veränderungen in der Wissenschaftspraxis aktiv unterstützt werden.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News

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