Zuhause lernen

Tipps für Eltern

Eine neue Situation: Die Kinder lernen zuhause und auch viele Eltern arbeiten im Home-Office. Urs Moser, UZH-Professor für Bildungsevaluation, erklärt, was es braucht, damit das Lernen zuhause gelingt.

Urs Moser

Bub lernt zuhause
Bub lernt zuhause
Erfolgreich zuhause lernen: Achten Sie auf einen klaren Zeitrahmen, planen Sie, wenn möglich, den Tag oder die Woche gemeinsam mit Ihrem Kind. (Bild: iStock / Imgorthand)


Seit dieser Woche hat sich unser Alltag stark verändert: Kinder und viele Eltern lernen oder arbeiten zuhause. Die Situation ist ungewöhnlich und es herrscht vielleicht eine gewisse Ungewissheit, wie man damit umgehen soll, wenn die Familie daheim bleibt. Ablenkungen sind schnell möglich und Konflikte können entstehen. Deshalb: Nehmen Sie sich die nötige Zeit, um das Büro und den Lehrbetrieb zuhause gut einzurichten.

Digital lernen 

Online-Angebote für Schülerinnen und Schüler sind zurzeit besonders gefragt. Folgendes gilt es dabei grundsätzlich zu berücksichtigen:

  • Wie gut ist die Bandbreite zu Hause?
  • Hat das Kind einen ruhigen Ort zum Arbeiten?
  • Wird die Nutzung der Online-Lernplattform von der Lehrperson angeleitet?
  • Sind Lehrmittel und passende Bücher verfügbar?
  • Geniesst das Kind die Unterstützung der Familie?

Ist die Internetverbindung einmal überlastet, dann kann die Zeit zum Lesen eines Buches oder für Bewegung genutzt werden. Dazu braucht es keinen komfortablen Arbeitsplatz und der Gewinn ist gross.

Zielgerichtet vorgehen

Wenn ein Kind erfolgreich lernen möchte, wird dies kaum «einfach so nebenbei» geschehen. Idealerweise lernt ein Kind nicht im Bett und nicht mit dem Tablet der Geschwister, sondern zu festen Zeiten.

Online-Lernplattformen bieten ausgezeichnete Möglichkeiten, dass Kinder selbstständig lernen. Jedoch ist die Nutzung einer solchen Plattform ohne bestimmtes Ziel kaum effektiv. Auch junge Kinder müssen solche Tools zielorientiert nutzen und Fragen zum Lernen beantworten können:

  • Wo will ich hin?
  • Wie komme ich dorthin?
  • Wie gut komme ich voran?
  • Wie gut habe ich das Ziel erreicht?
  • Was kommt als Nächstes?

Unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Beantwortung dieser Fragen, indem Sie die Ergebnisse des Lernprozesses gemeinsam diskutieren. Dadurch können Sie den Lernprozess Ihrer Kinder strukturieren. Besprechen Sie auch die Resultate mit Ihren Kindern und orientieren Sie sich dabei an folgenden Fragen:

  • Weshalb kann eine Aufgabe richtig gelöst werden?
  • Weshalb kann eine Aufgabe noch nicht gelöst werden?
  • Was muss dem Kind vermittelt werden?

Wie Distanzlernen gelingt

Fünf Faktoren sind besonders wichtig, damit das Lernen zuhause gelingt:

1 – Motivation

Lernen gelingt, wenn Kinder zielorientiert vorgehen, die Ziele überprüfen und merken, dass sie etwas bewirken können und Fortschritte machen. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über seine Lernziele und zeigen Sie seine Fortschritte auf.

2 – Einstellung gegenüber Technologien

Lernen gelingt, wenn Kinder sich wirksam in technischen Dingen erleben, technikbasiertes Lernen ist aber für viele Kinder neu und ungewohnt. Zeigen Sie Ihrem Kind die Vorteile auf und ermutigen Sie es, die digitalen Angebote souverän zu nutzen.

3 – Zeitmanagement

Lernen gelingt, wenn Kinder das Lernen selbstständig planen und die Ergebnisse überprüfen können. Gerade aber wenn äussere Strukturen wie Lektionen oder Pausenzeiten fehlen, muss man diese Strukturen schaffen. Achten Sie auf einen klaren Zeitrahmen, planen Sie gegebenenfalls den Tag oder die Woche mit dem Kind zusammen.

4 – Arbeitsplatzorganisation

Lernen gelingt, wenn Kindern ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, den sie sich einrichten können und an dem sie ungestört lernen können. Stellen Sie diesen Arbeitsplatz zur Verfügung, auch wenn Sie umräumen müssen. Achten Sie darauf, dass ausreichend Arbeitsmaterial zur Verfügung steht. Idealerweise hat das Kind ein digitales Lerngerät, das sonst nicht für andere Zwecke etwa Chats oder Spiele verwendet werden kann.

5 – Hilfe suchen und annehmen

Lernen gelingt, wenn Kinder Hilfe suchen, wenn sie nicht weiterkommen und Unterstützungsangebote annehmen. Unterstützen Sie Ihr Kind und bleiben Sie mit der Lehrperson in Kontakt, wenn es Schwierigkeiten gibt.

 

Lernplattform «Mindsteps»

Das UZH-assoziierte Institut für Bildungsevaluation hat die Online-Lernplattform «Mindsteps» für den Bildungsraum Nordwestschweiz erarbeitet. Die Lernsoftware beinhaltet eine Aufgabensammlung mit mehr als 30'000 Aufgaben für die Fächer Deutsch, Englisch, Französisch und Mathematik. Die Aufgaben umfassen den zweiten und dritten Zyklus des Lehrplans 21. Somit decken sie die Kompetenzen und Themen von der 3. Klasse der Primarschule bis zur 3. Klasse der Sekundarstufe ab.

Um die Lehrpersonen und Eltern während der Coronavirus-Pandemie zu unterstützen, wird die Lernsoftware allen Schulen in der Deutschschweiz gratis zur Verfügung gestellt. Infos unter: www.mindsteps.ch

 

Urs Moser ist Titularprofessor für Bildungsevaluation

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