Lehrpreis 2020

Fordern und fördern

Gute Lehre ist eine besondere Kunst. Deswegen zeichnet die UZH besonders engagierte Dozierende mit einem Lehrpreis aus. Dieses Jahr erhält den Preis die Biologin Carina Klein, die für ihr Seminar eine passgenaue Lehr- und Lernstruktur entwickelte.

Alice Werner

Carina Klein
«Wenn ich anderen etwas beibringen will, muss ich es selber noch mal auf einer tieferen Ebene verstanden haben», sagt Carina Klein. (Bild: zVg.)

 

«Letztlich gestalte ich meine Lehrveranstaltungen so, wie ich sie selbst gerne gehabt hätte.» Diesen Satz sagt Carina Klein, Assistentin am Psychologischen Institut, gleich zu Beginn des Gesprächs. Von ihrem eigenen Biologiestudium sind ihr insbesondere die Praktika in Erinnerung geblieben, «Situationen, in denen man den Sinn und Zweck sowie die unmittelbare Anwendung vermittelt bekommen hat und nicht nur mit einer komplizierten Theorie gefüttert wurde». In ihren Worten schwingt durchaus eine Spur Enttäuschung mit über reine Theorievorlesungen; vor allem aber hört man eine grosse Portion Motivation und Ehrgeiz heraus, es in ihrer eigenen Lehrveranstaltung besser zu machen.

Besser machen heisst für die Neurowissenschaftlerin unter anderem: komplexe Sachverhalte zunächst aufs Wesentliche herunterbrechen, Details und weiterführende Inhalte erst einführen, wenn die Grundlagen sitzen. Und die, so hat es Klein in ihren Kursen festgestellt, erklärt man möglichst einfach und anschaulich: «Multimethodische Mittel helfen dabei, so zum Beispiel der Einsatz von Bildern, Videos, Tabellen, selbst gezeichneten Darstellungen und Animationen.»

Sehr wichtig ist ihr auch, dass die Studierenden praktische Erfahrung sammeln. Daher geht Carina Klein mit ihren Studenten und Studentinnen zu Beginn des Semesters zuerst ins Labor, damit die Kursteilnehmenden mit der Methode der Elektroenzephalografie (EEG) «ein bisschen warm werden».

Repetition in Gruppen

Was nach einem simplen Lehrrezept klingt, kostet in Wirklichkeit viel Zeit, Planung und Arbeit. Als Klein am Anfang ihres Postdoktorats mit der Lehre beginnt, reorganisiert sie das Methodik-Seminar für Masterstudierende der Psychologie von Grund auf. Und merkt dabei: «Wenn ich anderen etwas beibringen will, muss ich es selber noch mal auf einer tieferen Ebene verstanden haben.»

Klein, die ihren Seminarteilnehmenden neuropsychologische Untersuchungsmethoden mit EEG näherbringen soll, überlegt sich für ihr Seminar eine passgenaue Lehr- und Lernstruktur, die den individuellen beziehungsweise gruppenbezogenen Lernprozess bestmöglich unterstützt. «Aus eigener Erfahrung weiss ich, wie wichtig auch die Repetition ist.»

Und so lässt Klein die Studierenden in jeder Sitzung den Lernstoff der vorangegangenen Lektion in Gruppenreferaten wiederholen und durch das Aufzeigen von Praxisanwendungen vertiefen. Durch diese Form der intensiven Nachbereitung, die gleichzeitig Raum schafft für allfällige Fragen, «bleibt das Gelernte sehr gut hängen», meint einer von Kleins Seminarteilnehmenden.

Ein anderer ergänzt, dass Klein die Gruppe dank ihrer überlegten Seminarplanung während des gesamten Semesters perfekt gefordert und gefördert habe. «Ausserdem entsteht auf diese Weise ein schönes Verhältnis zwischen dem Vortrag der Lehrperson und den Beträgen der Studierenden», so ein anderer Seminarteilnehmer.

Interaktive Elemente

Für noch mehr Überblick über den aktuellen Wissensstand der Studierenden greift Carina Klein zudem auf Classroom Response Systems (CRS) zurück, etwa auf die UZH-App Klicker; mittels vorbereiteter Multiple-Choice-Fragen kann sie so schnell in Erfahrung bringen, ob alle Kursteilnehmenden einen Stoffaspekt verstanden haben. Diese interaktiven Elemente kommen bei den Studentinnen und Studenten sehr gut an: «Wir wissen dank dieses Feedbacksystems stets, wo wir leistungsmässig stehen.»

Dass sie für ihr Engagement in der Lehre nun mit dem diesjährigen Lehrpreis der UZH ausgezeichnet wird, ist für Carina Klein eine schöne Belohnung und ein Bonuspunkt in ihrem CV. Schliesslich absolviert sie am Institut für Erziehungswissenschaft zurzeit ihr Lehrdiplom für Maturitätsschulen. «In Zukunft möchte ich mich noch stärker in der Lehre einbringen. Wo und in welcher Form ist allerdings noch offen.»

 

Lehrpreis der UZH

Der Lehrpreis 2020 steht ganz im Zeichen folgender Frage: «Welche Dozentin / welcher Dozent begleitet den Lernprozess bis hin zum Leistungsnachweis am besten?» Alle Bachelor-, Master- und Doktoratsstudierenden der UZH konnten während einer Online-Umfrage im November 2019 Dozierende bewerten und für den Lehrpreis nominieren. Im Anschluss an die Online-Umfrage wurden die eingegangenen Studierendenvoten von der Abteilung Hochschuldidaktik statistisch ausgewertet.

Insgesamt haben sich diesmal 2419 Studierende an der Umfrage beteiligt. Sie haben 569 Dozierende für den Lehrpreis nominiert. 82 Dozierende erhielten sechs oder mehr Nominationen und wurden bei den weiteren Auswertungen berücksichtigt. Das Resultat der statistischen Auswertungen war eine Liste mit den zehn aussichtsreichsten Dozierenden. Im letzten Schritt hat eine studentische Jury, bestehend aus Vertreter*innen des VSUZH, die Auswertungsergebnisse zu den zehn gelisteten Dozierenden beurteilt und im Austausch mit der Prorektorin Lehre und Studium, Gabriele Siegert, die Lehrpreisträgerin 2020 bestimmt. Die Entscheidung der Jury für Carina Klein fiel vor allem aufgrund der ausgeprägten Passung zwischen dem diesjährigen Lehrpreis-Thema und den studentischen Begründungen.

Alice Werner, Redaktorin UZH Journal

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