Lehrpreis 2019

Dolmetscher zwischen Mensch und Maschine

Chatchavan Wacharamanotham, Professor für Interaction Design, ist ein überaus motivierender Dozent, der sein Themengebiet auf innovative Weise an die Studierenden weitergibt. Für sein Engagement erhält er den diesjährigen Lehrpreis.

Stefan Stöcklin

Chat Wacharamanotham
Chat Wacharamanotham
«Verrückte Ideen sind ebenso willkommen wie hartnäckige Fragen», sagt der talentierte Lehrer Chatchavan Wacharamanotham. (Bild: Frank Brüderli)

 

Chatchavan Wacharamanotham hat einen für unsere Zungen schwierig auszusprechenden Namen. Der Computerwissenschaftler stellt sich beim Gespräch deshalb gleich als Chat vor – das ist einfacher und persönlicher. Mit seiner liebenswürdigen Art versteht er es auch, eine komplexe Materie an die Studentinnen und Studenten zu bringen: Interaction Design rsp. Human Computer Interaction (HCI) nennt sich sein Fachgebiet.

Der Professor am Institut für Informatik lehrt diesen Bereich so überzeugend, dass er von den Studierenden zum Lehrpreisträger 2019 erkoren wurde. «Er beherrscht die Thematik und gibt sie auf interaktive Weise weiter», so eine Stimme. Eine andere meint, «Chats Lehre ist der Inbegriff von Human Computer Interaction – einfach und intuitiv verständlich.»

Technik-Umgang vereinfachen

Human Computer Interaction – was ist darunter zu verstehen? «Es geht um das Verständnis der Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine und der Verbesserung der Benutzeroberfläche,» sagt Chat. Wenn wir einem Computer einen Befehl eingeben oder mit dem Finger auf den Touchscreen drücken, teilen wir der Maschine etwas mit und erwarten, dass sie unsere Botschaft versteht.

HCI behandelt alltägliche Fragen von Usern und strebt einen möglichst einfachen Umgang mit Technik an. «Es handelt sich um ein interdisziplinäres Fachgebiet zwischen Informatik, Psychologie und Design,» fügt Chat hinzu. Mit der Allgegenwart elektronischer Hilfsmittel hat diese Disziplin in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Wie andere Universitäten auch hat die UZH diesen Fachbereich auf- und ausgebaut.

Chat kommt aus Thailand und ist in der Metropole Bangkok aufgewachsen. Sein Interesse am Computer datiert zurück in die Jugendzeit, als sich die Familie einen Rechner für die Buchhaltung des Siebdruckunternehmens anschaffte. «Ich lernte das Gerät zu bedienen und verbrachte viel Zeit damit», erinnert er sich. Weil der Computer immer wieder abstürzte, befasste sich Chat auch mit den Programmen im Hintergrund und wie sie wieder herzustellen wären.

In der Schule glänzte er in Mathematik und Biologie und schrieb sich entsprechend an der Chulalongkorn University in Bangkok für diese Fächer ein. Den Bachelor schloss er mit einer bioinformatischen Arbeit über Genom-Datenbanken ab. Für den Master wechselte Chat nach Europa, wo er zuerst in Edinburgh und danach in Aachen dank eines Stipendiums der Europäischen Kommission studieren konnte.

Verrückte Ideen willkommen

An der Technischen Hochschule in Aachen (RWTH) absolvierte Chat auch seine Dissertation. Nach den biologisch orientierten Bachelor- und Masterarbeiten konzentrierte er sich fortan auf das Thema Interaktion Mensch und Maschine. Konkret erforschte er Verbesserungen für die Eingabe auf einem Touchscreen für Leute, deren Hände zittern - zum Beispiel Menschen, die an einem Handtremor leiden oder deren Finger aufgrund ihres Alters nicht mehr zielsicher sind.

Zur Verbesserung der Zielgenauigkeit entwickelte Chat zusammen mit seinen Kollegen eine Methode namens Swabbing, die es dem User erlaubt, den Druckpunkt auf dem Bildschirm mittels einem Wisch auf der Oberfläche anzupeilen. Ein weiteres Thema der Dissertation behandelte die Frage, wie Menschen einen Touchscreen bedienen können ohne ihn anzusehen. Die Lösung fand Chat in magnetischen Hilfsmitteln, die die Finger steuern.

Im November 2015 wechselte Chat von der RWTH Aachen zum «People and Computing Lab» der UZH am Institut für Informatik, seit Juni 2016 ist er Professor für Interaction Design. In seiner Lehre legt der 35-jährige Wert auf inhaltliche und zeitliche Freiräume, um Themen mit den Studentinnen und Studenten diskutieren zu können, gleichzeitig sollen sie auch lehren, Fragen zu stellen.

«Mir geht es darum, die Studierenden zu eigenen und kreativen Lösungswegen zu animieren. Sie sollen eine Fragestellung aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Verrückte Ideen sind ebenso willkommen wie hartnäckiges Nachfragen», sagt er. Dazu gibt er breit gefasste Themen und offene Fragen vor und lässt Zeit für Diskussionen. «Die Studierenden müssen lernen, die Bedürfnisse ihrer künftigen Anspruchsgruppen herauszuarbeiten», so Chat.

Statistik muss nicht «trocken» sein

Eine Herzensangelegenheit ist für Chat der Umgang mit dem Thema Statistik, das manch einem Forschenden Bauchschmerzen bereitet. Die eher theoretische Materie sei besonders wichtig für das Gebiet der Human Computer Interaction, da viele Experimente mit Probanden durchgeführt werden, um neue Designs und Techniken zu evaluieren, so Chat.

Dazu hat er zusammen mit Kollegen eigene Programme entwickelt, so den «Statsplorer», um Studierenden zu helfen, die richtigen statistischen Tests auszuwählen. Mit dem Programm «Touchstone2» können Versuchsleiter Kriterien, wie zum Beispiel die Zahl der notwendigen Probanden oder verschiedene experimentelle Bedingungen, testen. Zur Vereinfachung der Bedienung lassen sich alle Elemente des Experiments direkt beeinflussen.

Wie bei seiner Lehre nutzt Chat auch beim Thema Statistik den spielerischen Umgang zur Vertiefung der wissenschaftlichen Inhalte. Und was macht er am liebsten, wenn er einmal eine schöpferische Pause braucht und abschalten will? Am besten erhole er sich im Wasser, meint Chat: Sei es beim Schwimmen oder Stand Up Paddeling.

 

Lehrpreisträger
Video-Interview mit Lehrpreisträger Chat Wacharamanotham.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News und UZH Journal

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