Beratungs- und Schlichtungsstelle der UZH

Dem Druck am Arbeitsplatz begegnen

Spannungen im Arbeitsleben sollte man möglichst früh entgegentreten. Dabei helfen Rebecca Saladin und Marc Seematter. Ihre unabhängige Beratungsstelle richtet sich an alle Angestellten der UZH.

Marita Fuchs

Marc Seematter und Rebecca Saladin
Marc Seematter und Rebecca Saladin
Beraten und schlichten: Marc Seematter und Rebecca Saladin in ihrem Büro am Seilergraben. (Bild: Fabio Schönholzer)

 

Rebecca Saladin und Marc Seematter empfangen ihre Besucherinnen und Besucher in ihrem Büro am Seilergraben, es ist hell und schlicht eingerichtet, vermittelt – ebenso wie die beiden – Offenheit und Gesprächsbereitschaft. Seit August 2019 leiten sie die unabhängige Beratungs- und Schlichtungsstelle an der UZH und bieten damit Mitarbeitenden die Möglichkeit, bei Problemen, Belastungssituationen sowie Konflikten am Arbeitsplatz unkompliziert eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen. Bereits vor ihrem offiziellen Arbeitsbeginn am 2. August hatten sich schon einige Mitarbeitende mit einer Bitte um Beratung an sie gewendet. Reden dürfen sie natürlich nicht über ihre Fälle, da ihre Tätigkeit dem Amts- und Berufsgeheimnis untersteht.

Vor ihrer Bewerbung für die neue Stelle haben sie sich nicht gekannt. Doch schon beim Auswahlverfahren mussten sie ihre Kooperationsfähigkeit unter Beweis stellen: «Wir hatten eine Stunde Zeit, um die ersten hundert Tage unserer neuen Beratungsstelle zu planen und dann vorzustellen», erzählt Marc Seematter. «Da mussten wir grad in medias res.»

Jeder Fall ist anders

Ihre Fachgebiete ergänzen sich gut. Rebecca Saladin ist Psychologin und Psychotherapeutin, Marc Seematter Jurist und Mediator. Beide sind somit bestens gerüstet, bei Arbeitskonflikten und Belastungssituationen zu beraten. Eine Vielzahl an Konflikten entstehe durch mangelnde Transparenz, fehlende Kommunikation oder weil Sach- und Beziehungsebene miteinander vermischt werden, sagt Seematter. Je nach Phase eines Konflikts sei die Herangehensweise aber anders. Belastend könne auch zu viel Arbeit sein, oder zu wenig. Auch Überforderungssituationen könnten Stress auslösen. Negativer Stress sei nachteilig für sowohl für die persönliche Befindlichkeit als auch für die eigene Gesundheit und das wirke sich oft wiederum auf die Zusammenarbeit mit Kollegen und oder Vorgesetzten aus. «Wir bieten Unterstützung im Umgang mit der Stressregulation an», sagt Saladin.

Was aber tun, bei krasser Ungerechtigkeit? «Wir besprechen die Situation und zeigen Wege aus der Krise auf», sagt Rebecca Saladin. «Falls der oder die Ratsuchende den Konfliktpartner auch zu einem Gespräch einladen möchte, so können wir darauf eingehen.» Es gebe aber Grenzen, zum Beispiel bei extremen Übergriffen oder sehr komplexen und verfahrenen Situationen müssten weitere Stellen einbezogen werden.

Marc Seematter kennt die UZH nicht vom Studium her, er hat in Basel sein Jurastudium absolviert. Seine erste – im wahrsten Sinne physische – Begegnung mit der UZH war bei einem Gigathlon, bei dem die Laufstrecke direkt durch das UZH-Hauptgebäude führte. Der sportliche Jurist, der auch gern zu Hip-hop tanzt, hat lange nach seinem Studium in Beratungsfirmen gearbeitet, speziell im Bereich der aktienbasierten Vergütung, sprich: der Beteiligung von Mitarbeitenden am Unternehmen. Neben seiner 30-Prozent-Stelle für die UZH ist er heute selbstständig in der Unternehmensberatung tätig. Für die Beratungsstelle ist er jeweils auf Abruf erreichbar. «Falls ein dringendes Beratungsgespräch ansteht, bin ich flexibel, ebenso wie meine Kollegin Rebecca», sagt er.

Hemmschwellen abbauen

Die Hemmschwelle zu überwinden und sich im Konfliktfall oder bei Belastungen früh Unterstützung zu holen, könne unnötiges Leid vermeiden, sagt Rebecca Saladin. Sie vergleicht das mit einem Computerproblem: Lieber schnell um kompetente Hilfe bitten als stundenlang an einem Problem herumzubasteln und viel Energie zu verpuffen.

«Es geht uns darum, aufzuzeigen wo Handlungsspielräume sind, aber auch festzulegen, wo es Restriktionen gibt, die man nicht ändern kann.» Schwele ein Konflikt bereits lange Zeit, sei es schwierig oder manchmal auch gar nicht zielführend, der Ursache für die Probleme auf den Grund zu gehen. In solchen Situationen sei es wichtig, dass die Mitarbeitenden überhaupt wieder lernen, positiv miteinander umzugehen. Um zum Beispiel ein zerstrittenes Team wieder zusammenzuführen, brauche es viel Geduld und Expertise von aussen.

Für alle da

Rebecca Saladin ist Psychologin und Psychotherapeutin, sie ist neben ihrer 40-Prozent-Arbeit an der UZH genauso wie ihr Kollege selbständig tätig, und zwar in ihrer psychologischen Praxis. Die Schwerzenbacherin hat in Zürich Geografie studiert. Sie ist begeisterte Wanderin und Skitourenfahrerin. Ihre Diplomarbeit schrieb sie über die Vereinbarkeit von Natur, Landschaft und Sportklettern. Interesse an Psychologie hatte sie immer schon, und so entschied sie sich für ein Zweitstudium in diesem Fach. Neben dem Studium arbeitete sie fünf Jahre in der Markt- und Sozialforschung als Projektmitarbeiterin.

Ihre Diplomarbeit in Psychologie schrieb sie über das Arbeitsbündnis im psychoanalytischem Erstgespräch, es ging dabei zum Beispiel um Vertrauen im Beratungsgespräch. Dass sie jetzt wieder an der Universität arbeitet, findet Rebecca Saladin sehr anregend, es ist wie ein Nachhausekommen, ein Zurück in die Welt der Hochschule.

Nicht hierarchischer als anderswo

Doch was macht nach Ansicht der Beratenden die Hochschule zu einem speziellen Arbeitsort? Es gehe nicht unbedingt hierarchischer oder anders zu und her als in der Privatwirtschaft, sagt Seematter. Es sei aber schon klar, dass Doktorierende in einem speziellen Abhängigkeitssystem stünden, die UZH habe inzwischen Gegensteuer gegeben. Aber auch gute Führung sei ein Thema. Führungskräfte müssten zuweilen unpopuläre Entscheidungen fällen, die Frage ist dann, wie man der aufkommenden Unzufriedenheit im Team begegnen kann.

Wirklich problematisch kann es auch werden, wenn eine Führungskraft einen Konflikt oder eine arbeitsbezogene Belastungssituation nicht aushalten kann – und dadurch überhaupt erst ein Dauerproblem entsteht. «Besser früh handeln und sich beraten lassen, als zu lange warten», sagen die beiden Beratenden und betonen, dass sie für alle Mitarbeitenden an der UZH da sind. Und zwar für alle, die an der UZH angestellt sind, auch für die Professorenschaft. Ebenso können sich alle Doktorierende an die Beratungsstelle wenden, unabhängig von einer Anstellung.

Kontakt zur Beratungs- und Schlichtungsstelle

Ratsuchende haben folgende Möglichkeiten, sich kostenlos an die Beratungs- und Schlichtungsstelle für die Mitarbeitenden der UZH (MBS) zu wenden:

Kontaktaufnahme per Mail oder Telefon, die Antwort erfolgt in der Regel innert einem Arbeitstag. Tel.: 044 634 11 00 /  E-Mail:mbs@mbs.uzh.ch

Alternativ dazu besteht die Möglichkeit, für eine ersten Kontaktaufnahme ohne Voranmeldung in eine Sprechstunde zu kommen. Sprechstunden jeweils Dienstags 17.00 – 18.00 Uhr sowie Donnerstags 11.00 – 12.00 Uhr (ohne Feiertage).

Die MBS befindet sich derzeit provisorisch am Seilergraben 49, 1. Stock. Im Herbst 2019 zieht sie an den Seilergraben 53 um, das genaue Datum wird auf der Website der MBS kommuniziert.

Die MBS stellt eine Ergänzung zu den bereits bestehenden beratenden Stellen innerhalb der UZH für Mitarbeitende dar. Eine Zusammenstellung weiterer Beratungsangebote finden Sie hier.

Studierende der UZH wenden sich bei Problemen an die Psychologische Beratungsstelleder UZH.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News

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