Villa Garbald

Philosophieren im Bergell

Zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der UZH, die im letzten Jahr die Villa Garbald für eine Studienwoche nutzten, gehört die Philosophieprofessorin Katia Saporiti. Sie ist begeistert vom Seminarzentrum im bündnerischen Bergell. Angehörigen der UZH steht es auch 2016 wieder für Retraiten zur Verfügung.

David Werner

Umgeben von einer prächtigen Landschaft und inmitten eines schönen Gartens: Die Villa Garbald. (Bild. zVg.)

Die stilvolle, von Gottfried Semper erbaute Villa Garbald im Bergeller Grenzdorf Castasegna ist der ideale Ort, um sich für eine Weile zurückzuziehen und sich in ein Projekt zu vertiefen. Von 2001 bis 2004 wurde die denkmalgeschützte Villa restauriert und durch einen modernen Wohnturm ergänzt. Seither ist das Bauensemble ein Denklabor mit zeitgemässer Seminarinfrastruktur. Es wird auch für Kulturveranstaltungen wie Ausstellungen, Lesungen und Filmabende genutzt. Zehn Einzelzimmer, vier Doppelzimmer, ein Plenarsaal, Gruppenräume und eine Bibliothek stehen zur Verfügung, ausserdem wird eine exquisite Küche geboten.

Seit 2014 unterstützt die UZH die Fondazione Garbald mit jährlich 75'000 Franken – im  Gegenzug fördert diese mittels Preisnachlässen den Aufenthalt von Studierendengruppen in der Villa. 2015 zählte das Zentrum knapp 1300 Übernachtungen.

Philosophieprofessorin Katia Saporiti buchte die Villa Garbald Ende August letzten Jahres für eine Sommerakademie mit 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie hat die Woche in bester Erinnerung. «Die Villa Garbald ist ein wunderbarer Ort zum gemeinsamen Nachdenken und Philosophieren. Das Essen ist hervorragend, es wird mit lokalen Produkten gekocht, und alles wird frisch zubereitet. Die Räumlichkeiten strahlen in ihrer Schlichtheit eine grosse Ruhe aus.» Besonders vorteilhaft findet Saporiti, dass das Seminarzentrum jeder Studiengruppe während der Aufenthaltszeit exklusiv zur Verfügung steht. «Wir hatten die gesamte Anlage mitsamt dem prächtigen Garten für uns allein, so wurde die Arbeitsatmosphäre nie gestört.»

Philosophie des Films

Thema von Katia Saporitis Summer School mit fünfzehn Doktorierenden war die philosophische Dimension von Filmen. Eingeladen waren zwei herausragende Experten, James Conant und Robert B. Pippin, beide von der University of Chicago, die eine bemerkenswerte These zur Diskussion stellten: Einige Filme und Filmgenres, so behaupteten sie, seien eine spezifische Form von Philosophie.

«Filme zeigen und behandeln philosophische Fragen auf eine ganz andere Weise, als man es aus anderen Zusammenhängen gewohnt ist», erklärt Saporiti. Die Auseinandersetzung mit den spezifischen Erfahrungen, die sich bei der Betrachtung von Filmen machen lasse, sei u.a. deshalb lohnend, weil sie die Philosophie als Disziplin herausgefordere: «Mit den gewohnten Kategorien, in denen wir die Welt sprachlich ordnen, lässt sich die Philosophie im Film nicht immer fassen. Wir stossen an Grenzen – und beginnen, die Voraussetzungen unseres Denkens zu reflektieren», so Saporiti.

Reizvolle Umgebung

Die Projektwoche folgte einem klaren Rhythmus: Während tagsüber intensiv über die Möglichkeiten und Grenzen der Philosophie diskutiert wurde, verwandelte sich der Seminarraum nach dem gemeinsamen Abendessen um 21 Uhr jeweils in einen Kinoraum – was sich problemlos arrangieren liess, da der Saal auch für Filmvorführungen bestens ausgestattet ist.

Auch die landschaftlichen Reize des Bergells trugen zum Erfolg der Summer School bei: «Die Wanderwege in der Umgebung führen durch herrliche Kastanien- und Lärchenwälder und laden dazu ein, zwischendurch einmal den Kopf auszulüften», sagt Saporiti. Möglichkeiten zum Wandern und für kleine Ausflüge gibt es reichlich: Das nahe Soglio, das man mit dem Postbus einfach erreichen kann, ist ein besonders lohnenswertes Ziel. Für den vorbildlichen Erhalt ihrer Baukultur wurde die Talschaft Bergell letztes Jahr übrigens mit dem Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes ausgezeichnet. Die Villa Garbald wurde dabei von der Jury als besonders gelungenes Beispiel für die sinnvolle Nutzung eines denkmalgeschützten Bauwerks hervorgehoben.

Seminarzentrum Garbald Die Villa Garbald ist zehn Monate im Jahr für Seminare und wissenschaftliche Projektgruppen geöffnet – jeweils von Februar bis November. Die gesamte Anlage wird während einer Projekt- oder Klausurzeit exklusiv Studiengruppen zur Verfügung gestellt. Es stehen zehn Einzelzimmer, vier Doppelzimmer und ein Seminarraum für maximal 18 Personen zur Verfügung. Neben der hauseigenen Bibliothek sorgt das Internet auch im hintersten Winkel des Bergells für den Zugang etwa zum Verbund der Hochschulbibliotheken. UZH-Gruppen steht die Villa Garbald zu besonders günstigen Konditionen offen. Die Maximalvergünstigung durch den Garbald-Fonds liegt bei 30 Prozent im Vergleich zum Normalpreis. So beträgt der Vollpensionspreis für eine Gruppe mit 14 Personen und einem Aufenthalt von mindestens drei Nächten pro Person 150 Franken.Für die Verpflegung sorgt das Betriebsleiter-Paar. Sommerangebot Für die beiden letzten Juliwochen gibt es wie letztes Jahr ein Angebot für UZH-Angehörige, die mit Freunden oder der Familie einige Tage in der Villa Garbald verbringen möchten: Die Übernachtung mit Frühstücksbuffet im Refektorium und Benutzung der Gartenanlage wird zum Preis von CHF 85.– pro Person und Nacht inkl. MwSt. zuzüglich CHF 2.50 Kurtaxe angeboten. Es wird eine Mindestbuchung von drei Nächten erwartet. Die Kosten sind vor Ort bei der Abreise zu begleichen. Reservation:betriebsleitung@garbald.ch, 
Tel. +41 (0) 81 838 15 15 (Herr Arnout Hostens) Zur Architektur und Geschichte der Villa Garbald ist im gta Verlag ein reich illustriertes Bucherschienen, das kürzlich neu aufgelegt wurde.

David Werner, Leiter Publishing

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