Schutz vor Hautschäden

«Gesunde Bräune gibt es nicht»

Die Sonnenstrahlung verursacht viele Hautschäden. Wie schützt man sich am besten, um den Aufenthalt im Freien geniessen zu können? Professor Stephan Lautenschlager erläuterte an einem Vortrag in der Reihe «Wissen-schaf(f)t Wissen», welche Wirkung Schatten, Textilien und Sonnencremes wirklich haben.

Sabina Huber-Reggi

Sonnenschutz
Der Gesundheit zuliebe: Die Haut vor Sonne schützen. (Bild: Jörg Brinckheger)

Endlich wird es Sommer. Nach den langen Wintermonaten locken uns jetzt die ersten warmen Sonnentage ins Freie. Die UV-Strahlung des Sonnenlichts lässt unseren Körper höhere Mengen an morphiumartigen Endorphinen produzieren, die ein Glücksgefühl auslösen. Doch die UV-Strahlung hat auch zahlreiche Nebenwirkungen. Professor Stephan Lautenschlager, Titularprofessor an der Universität Zürich, arbeitet als Chefarzt am Dermatologischen Ambulatorium des Stadtspitals Triemli. Er, sprach kürzlich in der Reihe «Wissen-schaf(f)t Wissen» über die Schattenseiten der Sonneneinwirkung auf den Menschen, und wie man sich am besten davor schützen kann.

Tumore, Hautfalten und schwere Hautverbrennungen

Das Melanom, der schwarze Hautkrebs, ist die am meisten gefürchtete aber auch bekannteste Nebenwirkung der Sonnenstrahlen. Jedes Jahr werden mehr als 2200 neue Fälle diagnostiziert, Tendenz stark steigend. Auch wenn kein schwarzer Hautkrebs entsteht, verursacht die langjährige Einwirkung der Sonnenstrahlung chronische Hautschäden, die typischerweise mit «sandpapierartigen Rötungen» beginnen. Diese sogenannte aktinische Keratose kann nach Jahren in eine Form des hellen Hautkrebses übergehen.

Eine weitere Nebenwirkung der Sonneneinstrahlung ist die Alterung der Haut. Es kommt zu einer starken Pigmentierung und massiver Faltenbildung. Der Übeltäter ist ein spezifischer Teil der UV-Strahlung: die UVA-Strahlung. Sie verursacht zwar keinen Sonnenbrand, dringt jedoch – unbemerkt von den Sonnenanbetern – bis in die tiefer liegende Lederhaut vor. Durch die Schädigung dieser Schicht verliert die Haut an Spannkraft. Wer sich also aus ästhetischen Gründen gerne sonnt, bezahlt dies mit einer vorzeitigen Hautalterung. Heutzutageweiss man zudem, dass die UVA-Strahlen das Hautkrebsrisiko erhöhen. «Eine gesunde Bräune gibt es nicht», betont Lautenschlager, «da jede Bräunung mit einer Schädigung der Erbsubstanz in den Hautzellen einhergeht, die nicht immer reversibel ist».

Auch toxische oder allergische Reaktionen zählen zu den möglichen Nebenwirkungen der Sonnenstrahlung. Die Folge sind teils schwere Hautentzündungen, meistens verursacht durch das Zusammenwirken von Sonnenstrahlung und Medikamenten oder Kontakt mit bestimmten Pflanzen, wie beispielweise dem Riesen-Kerbel. «Wenn Sie so etwas im Garten haben, und Sie die Pflanze ausreissen wollen, dann bitte nachts», empfiehlt Lautenschlager.

Dermatologe Lautenschlager
«Die falsche Anwendung von Sonnenschutzmitteln ist ein riesiges Problem»: Dermatologe Professor Stephan Lautenschlager. (Bild: Max Gassmann)

Zuname der UV-Exposition in einer Outdoor-Gesellschaft

Die steigende Zahl der Hautschäden und der Tumoren ist nicht nur durch die gestiegene Lebenserwartung und bessere Dokumentation begründet. Es sei alarmierend, dass zunehmend junge Menschen bereits in der dritten Lebensdekade betroffen seien, sagte Lautenschlager. Die Gründe für diese Zunahme liegen in der erhöhten UV-Exposition während der Freizeit. «Wir sind zu einer Freizeit-Outdoor-Gesellschaft mutiert», stellt Lautenschlager fest. Selbst wenn wir nicht gezielt sonnenbaden, so setzen wir uns bei diversen Freizeitaktivitäten in erhöhtem Masse der Sonne aus und vergessen dabei, wieviel wir unserer Haut zumuten. Dazu kommt die immer dünner werdende Ozonschicht, die mehr UV-Strahlung durchlässt.

Die Kleidung ist der beste Schutz

«Ich finde es auch toll an der Sonne», betonte der Dermatologe, «aber man sollte sich eben schützen». Wie haben wir uns zu verhalten, damit wir die Zeit im Freien ohne Nebenwirkungen geniessen können?

Am wichtigsten sei, immer wieder den Schatten zu suchen, vorzugsweise in den Wald. Was vielen nicht bewusst ist: Der Schatten eines hellen Sonnenschirms auf hellem Sand hilft ausgesprochen wenig.

Für die Zeit an der Sonne sei Kleidung der beste Schutz, informierte Lautenschlager. Dabei sollte man aber auf die Art der Textile achten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass ein Drittel der Sommerbekleidung keinen adäquaten Schutz bietet. Weite, dunkle und feingewebte Kleidung schützt am besten. Synthetische Materialien schützen besser als Baumwolle. Zudem sei darauf zu achten, dass die Kleidung nicht nass wird. Für den bestmöglichen Schutz soll man auf den Label UV-Standard 801 achten, der Textilien mit einem hohen Schutzfaktor auszeichnet.

Nicht alle Sonnencremes schützen gegen die UVA-Strahlung

Exponierte Hautstellen sollen durch Sonnencremes geschützt werden. Dabei ist besonders darauf zu achten, dass man eine wirkungsvolle Sonnencreme benutzt. Mindestens Schutzfaktor 30 soll es sein, empfiehlt der Dermatologe. Dieser Schutzfaktor bezieht sich aber nur auf die UVB-Strahlung, die den klassischen Sonnenbrand verursacht. Zum Schutz vor anderen lichtbedingten Hautschäden, beispielweise einer Alterung der Haut oder auch Hauttumoren, muss die UVA-Strahlung mitberücksichtigt werden. Sonnenschutzmittel, die auch UVA-Strahlung filtern, sind seit 2009 mit dem UVA Label (die Buchstaben «UVA» in einem Kreis) gekennzeichnet.

«Die falsche Anwendung von Sonnenschutzmitteln ist ein riesiges Problem», meint Lautenschlager. Der wichtigste Punkt ist das gleichförmige Auftragen einer genügenden Menge Sonnencreme. Zudem muss beachtet werden, dass man frühzeitig eincremt, da die chemischen Filter erst nach 15 bis 30 Minuten zu wirken beginnen. Nach dem Baden oder Abfrottieren und beim Schwitzen müssen selbst wasserfeste Mittel erneut aufgetragen werden.

Tägliche Prognose der Strahlungsintensität als Entscheidungshilfe

In den Bergen oder am Strand ist der Sonnenschutz für viele Menschen selbstverständlich. Anders verhält es sich im Frühling während der ersten Sonnentage bei sich zu Hause im Flachland. Die Sehnsucht nach einem Aufenthalt an der Sonne ist gross, die Sonnencreme ist irgendwo im Schrank versteckt, die Haut besonders empfindlich. Als Entscheidungshilfe bei der Planung der Aktivitäten kann die Prognose der Strahlungsintensität von Meteoschweiz dienen. Auf www.uv-index.ch wird jeden Tag eine Karte mit den aktuellen Prognosen für die ganze Schweiz publiziert. Am Auffahrtswochenende war die Strahlungsintensität im Flachland als «hoch» eingestuft, was einen Schutz mit Hut, T-Shirt, Sonnenbrille und Sonnencreme erfordert.

Sabina Huber-Reggi Reggi ist Geschäftsführerin des Zürcher Zentrums für Integrative Humanphysiologie (ZIHP).

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