League of European Reserach Universities

Europäisches Hochschultreffen

Die Vertreterinnen und Vertreter der forschungsstarken Universitäten, kurz LERU, treffen sich Ende Februar an der Universität Zürich. Ein wichtiges Thema auf ihrer Agenda ist die Forschungspolitik.

Stefan Stöcklin

Das Netzwerk der forschungsstarken Hochschulen Europas. (Graphik: zVg)

Wenn sich Ende Februar die Dekane und Dekaninnen der naturwissenschaftlichen Fakultäten von 21 europäischen Topuniversitäten in Zürich treffen, steht das Thema Forschung auf der Agenda. Michael Schaepman, Professor für Fernerkundung am Geographischen Institut und Prodekan der Mathematisch- naturwissenschaftlichen Fakultät (MNF) der UZH, hat die Kolleginnen und Kollegen der League of European Research Universities (LERU) zu einem Austausch eingeladen, um forschungs-politische Themen zu besprechen. Die UZH ist neben der Universität Genf die
einzige Schweizer Universität im prestigeträchtigen Verbund.

Wie viel Grundlagenforschung ist nötig?

Anlass des Treffens ist unter anderem der wachsende Druck auf die Grundlagenforschung. «Forschung wird immer häufiger zur direkten Lösung gesellschaftlicher Fragen instrumentalisiert», stellt Michael Schaepman fest.
Aufgabe der Forschung sei es zwar auch, praktische Probleme zu lösen. Die
aktuelle Entwicklung verdränge aber die zweckfreie Grundlagenforschung, die
ohne Vorgaben unbekanntes Terrain erkunde. Eine gefährliche Tendenz, findet er. Laut Schaepman sollte zum Beispiel der Anteil der Grundlagenforschung im
aktuellen EU-Forschungsprogramm Horizon 2020 erhöht werden.

Die illustre Runde wird sich in Zürich weiteren Fragen der Forschung widmen. Auf
der Agenda steht die Forschungsfinanzierung, Big Data, die Wirkungsmessung wissenschaftlicher Leistung (Impact) oder die Attraktivitätssteigerung der Natur-wissenschaften für Studierende. Die Diskussionen sollen in die Positionspapiere
der LERU münden; sie sind ein wichtiges Arbeitsinstrument der LERU-Geschäftsstelle, wenn es darum geht, die Anliegen der forschungsstarken Universitäten ins politische Räderwerk der EU einzubringen.

Gehör verschaffen

Das Zürcher Treffen der Science Deans steht exemplarisch für die Arbeitsweise der LERU. Die für ein Thema zuständigen Experten und Expertinnen des Universitätsverbunds organisieren sich in Arbeitsgruppen und bearbeiten ihre Anliegen. Zusätzliche Gremien dienen der Vernetzung und dem Austausch unter den Universitäten. Zusammen liefern sie das Fachwissen für die Positions- und Briefingdokumente, mit denen die LERU die Entscheidungsträger in der Europäischen Kommission versorgt. So finden die Anliegen des Netzwerks Gehör.

Oberstes LERU-Gremium ist die Versammlung der 21 Universitätsrektoren; drei von ihnen bestellen das Direktorium. Präsident ist zurzeit Alain Beretz von der Universität Strassburg. Dem Direktorium steht eine sechsköpfige Geschäftsstelle an der KU Leuven (Belgien) zur Seite. Seit 2006 ist Kurt Deketelaere Generalsekretär.

Wichtige Stimme im Forschungsbetrieb

«Die LERU ist eine wichtige Stimme in Europa und sehr gut vernetzt», sagt Sandra Engler. Die Adjunktin von UZH-Rektor Michael Hengartner ist seit mehreren Jahren im «Senior Officer Network» Verbindungsfrau zur LERU. «Die Liga vertritt die Interessen der angeschlossenen Universitäten und setzt sich für die Anliegen von Wissenschaft und Forschung auf europäischer Ebene ein.»

Gerade als Universität eines Nichtmitgliedslandes der EU sei es wichtig, sich in den entsprechenden Gremien Gehör zu verschaffen und sich mit den europäischen Partneruniversitäten zu vernetzen, sagt Engler zur Bedeutung der LERU für die UZH. Denn die Anliegen der forschungsstarken Universitäten sind länderübergreifend gleich. Das zeigt ein Blick auf die letzten Positions- und Briefingpapiere: Sie handeln von Tenure Track, Online-Learning, Frauen in der Wissenschaft, Science 2.0 oder der Rolle der Philanthropie in der Forschungsförderung. Themen, die auch an der UZH auf der Agenda stehen.

«Das Netzwerk erlaubt es, gemeinsame Positionen für wichtige Themen in Forschung und Lehre zu erarbeiten», sagt Sandra Engler. Es dient gleichzeitig als Forum für den informellen Austausch neuer Ideen und Entwicklungen. Zudem profitieren die Studierenden. So findet jährlich eine Summer School für Doktorierende statt, dieses Jahr an der Universität von Oxford zum Thema «Sharing Excellence – The Value of Knowledge Exchange».

Für 2015 ist auch ein Austausch von Doktorierenden in den Rechtswissenschaften geplant. «Die Bedeutung des LERU-Netzwerks wächst», stellt Engler mit Befriedigung fest. Darauf setzt auch Prodekan Schaepman, für den die Balance zwischen Grundlagen- und angewandter Forschung ein grosses Anliegen ist.

LERU-Umfrage: Haben Sie die Hochschule verlassen?

Die League of European Research Universities führt zusammen mit «Vitae» und weiteren Institutionen eine Umfrage über die Karriere-Wege von Forscherinnen und Forschern nach ihrem Weggang von den Universitäten durch. Befragt werden sie nach ihren aktuellen Tätigkeiten. Die Umfrage richtet sich insbesondere an Forschende, die mindestens einen Post-Doc absolviert haben. Die Ergebnisse sollen künftigen Forschenden bei ihrer Karriere-Planung helfen sowie den Forschungsinstitutionen bei ihren Lehrangeboten. Die durch Vitae erfassten Daten werden anonym behandelt. Link zur Umfrage: www.surveymonkey.com/s/wdrsdn-L

Starkes Netzwerk in zehn Ländern

Die League of European Research Universities (LERU) umfasst 21 forschungsstarke Universitäten in zehn Ländern, die sich hochstehender Lehre und kompetitiver Grundlagenforschung verschrieben haben. Der Verband wurde 2002 gegründet und repräsentiert über 550 000 Studierende. Dazu gehören im deutschsprachigen Raum die Universitäten Zürich, Freiburg, Heidelberg und München. Das Forschungsbudget beträgt insgesamt über fünf Milliarden Euro.

Stefan Stöcklin, Redaktor UZH News und UZH Journal

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