Internationale Studierende

Schwierige Zimmersuche in Zürich

Die Suche nach einem freien Zimmer ist in Zürich nicht einfach. Für internationale Studierende ist es noch schwieriger, aus der Ferne eine Bleibe zu finden. Ein Plädoyer, leerstehende Zimmer zu vermieten.

Adrian Ritter

Mangelware: In Zürich eine leere Wohnung zu finden ist für Austauschstudierende noch schwieriger als für Schweizer Studierende. (Bild: iStockphoto)

Aufgelöst stand die Austauschstudentin am Schalter der Abteilung Internationale Beziehungen der UZH. Noch immer wohne sie in der Jugendherberge und könne kein Zimmer finden. Die junge Studentin aus den USA hatte Glück, denn sie stand UZH-Mitarbeiterin Christina Hug gegenüber. Diese wusste, dass in ihrem Elternhaus in Zürich gerade zwei von drei Zimmern frei sind, die ihr Vater und ihre Tante regelmässig vermieten.

Noch am selben Tag konnte die Studentin das Zimmer beziehen. Einige Tage später lernte sie an der UZH eine Austauschstudentin aus Tschechien kennen und konnte ihr das zweite noch freie Zimmer vermitteln.

Vielfältiges Angebot, das niemals reicht

In Zürich eine Wohnung zu finden ist kein Sonntagsspaziergang. Für Austauschstudierende aus dem Ausland ist die Suche nach einer Bleibe noch schwieriger, weil sie meist erst kurz vor Semesterbeginn nach Zürich kommen. Vermieter verlangen aber oft ein persönliches Erscheinen der zukünftigen Mieter – manchmal ist es nur schon nötig, um bei der Wohnungsbesichtigung ein Bewerbungsformular zu ergattern.

Universität und ETH Zürich unterstützen ihre internationalen Studierenden und Doktorierenden bei der Suche nach einer Unterkunft. So haben die beiden Hochschulen für sie ein Kontingent an Zimmern bei der Zimmer- und Wohnungsvermittlung von UZH/ETHZ reserviert. Das StudentHostel in Zürich-Altstetten bietet 169 Zimmer für ausländische Studierende, und in Höngg existiert ein Wohnhaus für Doktorierende.

Die Rechtswissenschaftliche Fakultät der UZH verfügt seit fünf Jahren mit dem Alumni-Haus auch über ein Angebot an 16 möblierten Zimmern für internationale Gäste.

Mehr Abkommen, mehr Gäste

Das Grundproblem aber bleibt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. So konnte die UZH im vergangenen Herbstsemester bei der Zimmervermittlung 109 Zimmer für Austauschstudierende reservieren, es gingen aber 181 Anmeldungen ein. «Vor allem im Herbstsemester ist die Situation sehr schwierig», sagt Yasmine Inauen, Leiterin der Abteilung Internationale Beziehungen der UZH.

Auch für Patric Sakhri, Mobilitätsbeauftragter der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, ist klar: «Unser Alumni-Haus ist ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Warteliste umfasst manchmal bis zu 100 Personen.»

Für die ausländischen Studierenden heisst das: Möglichst frühzeitig mit der Zimmersuche beginnen und wenn möglich schon einige Wochen vor Semesterbeginn nach Zürich reisen. Manchmal bleibt den Suchenden zu Beginn nur die Jugendherberge oder ein Hostel als bezahlbare Übergangslösung. Die ETH Zürich stellte im vergangenen Herbstsemester gar eine Zivilschutzanlage zur Verfügung. Sechs Wochen lang bot sie Platz für 30 Studierende – ein Angebot, das auch in diesem Herbst wieder bestehen wird.

Die Raumknappheit verschärft sich zunehmend, weil die Hochschulen sich immer stärker international vernetzen und Austauschabkommen mit Universitäten in aller Welt abschliessen. Yasmine Inauen rechnet für die UZH mittelfristig mit einem zusätzlichen Bedarf von bis zu 200 Zimmern für internationale Studierende, die im Rahmen eines Austausches an der UZH weilen oder hier einen Abschluss erwerben wollen.

Neue Ideen gefragt

Zusätzliche Zimmer auf dem Markt wären deshalb sehr willkommen. Ein entsprechendes Potenzial sieht Yasmine Inauen etwa bei Zürcher Studierenden, die ein oder zwei Semester an einer Universität im Ausland studieren. Für sie würde es speziell Sinn machen, ihr Zimmer Austauschstudierenden zu vermieten – was über die Zimmervermittlung möglich ist.

Der Appell geht aber auch an Privatpersonen, die etwa nach dem Auszug der Kinder über freie Zimmer verfügen. Die Vermietung an eine Studentin oder einen Studenten aus dem Ausland kann eine gute Möglichkeit sein, eine solche Vermietung für eine begrenzte Zeit auszuprobieren.

Zu bedenken gilt es, dass die Lebenskosten in Zürich für ausländische Studierende ohnehin hoch sind und diese nicht in jedem Fall ein Stipendium für ihren Auslandaufenthalt erhalten. «Das Budget für die Unterkunft liegt bei den meisten deutlich unter 1000 Franken», sagen übereinstimmend Afra Schacher und Andrea Orbann, die in der Abteilung Internationale Beziehungen der UZH für den Erasmus-Austausch beziehungsweise den weltweiten Austausch zuständig sind.

Da ein vorgängiger Besuch in Zürich nicht in jedem Fall möglich ist, gilt es, auf anderen Wegen eine Vertrauensbasis zwischen Mieter und Vermieter aufzubauen – etwa per Skype sowie mittels Lebenslauf und Empfehlungsschreiben. «Der Kontakt der UZH mit den Partneruniversitäten kann ebenfalls als eine gewisse Absicherung betrachtet werden», sagt Yasmine Inauen.

Stellvertretung willkommen

Im Falle von Doktorierenden hat Pascal Felber, Leiter der Zimmervermittlung von Universität und ETH Zürich, schon erlebt, dass die zukünftigen Kolleginnen und Kollegen am UZH-Institut stellvertretend mit einem Vermieter Kontakt aufnehmen oder eine Wohnung besichtigen gehen.

Studierende finden eine solche «Stellvertretung» bei der Wohnungsbesichtigung wohl nur, wenn sie bereits Bekannte in Zürich haben. Nicolas Diener, Vorstandsmitglied im Verband der Studierenden der UZH, kann sich aber vorstellen, dass der VSUZH ein entsprechendes Dienstleistungsangebot dereinst ins Leben rufen wird.

Die Familie von Christina Hug hat mit ausländischen Studierenden bisher nur positive Erfahrungen gemacht und diese als Bereicherung des Familienlebens erlebt. Mit der US-Austauschstudentin, die damals dringend ein Zimmer suchte, ist die Familie auch zwei Jahre später noch in Kontakt. Die beiden bisher vermieteten Zimmer benötigt die Familie derzeit allerdings selber.

Wenn Sie, liebe Leserin und lieber Leser, Zimmer zu vermieten haben, sind Sie herzlich eingeladen, Ihr Angebot der Zimmervermittlungsstelle zu melden.

Betrügerische Inserate

Gerade ausländische Studierende, die mit den örtlichen Gegebenheiten nicht vertraut sind, laufen Gefahr, Opfer von Betrügereienzu werden. Pascal Felber, Leiter der Zimmervermittlung von Universität und ETH Zürich, warnt vor verlockenden Angeboten nach folgendem Muster: Der Vermieter behauptet, er weile gerade im Ausland und benötige eine Vorauszahlung, damit die Interessentin die Wohnung besichtigen kann: «Meldungen über betrügerische Immobilieninserate häufen sich. Wir empfehlen, nie Geld zu überweisen, bevor man das Zimmer oder die Wohnung gesehen hat oder überzeugt ist, dass der Inserent vertrauenswürdig ist», so Felber.

Adrian Ritter ist Redaktor von UZH News.

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