Speed-Dating für Studierende

Kleine Abenteuer

Speed-Dating als flotter Weg zum Liebesglück? Für die Studierenden Tanja Studer und Rafael Götti, die seit 2009 Schnell-Kennenlern-Veranstaltungen zwischen Studentinnen und Studenten von UZH und ETH Zürich organisieren, hat das Dating eher sozialen Charakter. Im Wonnemonat Mai finden die nächsten Dates für rund 200 Studierende statt. 

Alice Werner1 Kommentar

Organisieren Speed-Dating-Veranstaltungen für Studierende der UZH und ETH: Rafael Götti und Tanja Studer. (Bild: Moritz Vifian)

Die Regeln sind klar: Nach exakt sieben Minuten klingelt es. Beide Seiten notieren verdeckt und ebenso eifrig wie hemmungslos Vor- und Nachteile des Gegenübers und, ganz wichtig, kreuzen an, ob sie den anderen wiedersehen wollen. Zwei Minuten später werden Stühle gerückt und die Männer rotieren im Uhrzeigersinn einen Tisch weiter. Nächster Startschuss, neue Konstellationen, neues Glück. Und wieder wird gekichert und gelacht, gelabert und gelitten. Nur in seltenen Fällen breitet sich zwischen Mann und Frau jenes peinlich-klebrige Schweigen aus, das selbst Ungläubige dazu bringt, ein Stossgebet zu sprechen: «Herr, lass die nächsten Minuten schnell vergehen…»

Online anmelden

Pro Abend zwei Speed-Dating-Gruppen à zehn Männer und zehn Frauen. So sehen die Speed-Dating-Veranstaltungen aus, die ETH-Student Rafael Götti und UZH-Studentin Tanja Studer seit 2009 planen und durchführen. Die nächsten Treffen finden vom 13. bis 17. Mai 2013 statt (Anmeldung unter www.speeddating.ethz.ch).

Auf die Frage, ob er kenne, was er organisiere, grinst Rafael Götti. Natürlich hat er die Sieben-Minuten-Methode schon selbst getestet: «Genau genommen schon zwei Mal.» Offiziell, weil ein Kandidat in letzter Minute abgesagt hat, inoffiziell, weil er «wahnsinnig neugierig» war. Nicht nur auf die Teilnehmerinnen übrigens, sondern auch auf sein eigenes Konzept.

Knacknuss Terminverfügbarkeit

Nach der Online-Anmeldung werden die Dating-Kandidaten anhand der ausgefüllten Fragebögen zu Gruppen zusammengestellt und eingeladen. Das klingt romantischer als es ist, denn das ausschlaggebende Kriterium, einer bestimmten Flirt-Fraktion zugeordnet zu werden, ist: die Terminverfügbarkeit. Rafael Götti zerstört nur ungern Illusionen, «aber wir haben gemerkt, dass die Matching-Quote nicht steigt, wenn wir die Fragebögen auswerten und die Teilnehmenden nach psychologischen Faktoren, nach Vorlieben oder Selbsteinschätzung zuordnen.»

Letztlich sollen die Vorab-Fragen eher gewährleisten, dass jemand bereit ist, über sich zu sprechen und den Dating-Termin tatsächlich wahrzunehmen. Ob man am Abend aller Abende dann also seinen Traumpartner trifft, bleibt eine Frage des Zufalls. Immerhin: Bei einer geschätzten durchschnittlichen Dating-Dauer von zwei Stunden hat man eine zehnfach höhere Chance, den oder die Richtige zu finden – geht man davon aus, dass man sich sonst mit nur einer Person getroffen hätte.

Experiment mit Spassfaktor

Für den angehenden Maschinenbauer Götti sind die Small-Talk-Begegnungen im Minutentakt aber sowieso mehr als nur ein effizienter Weg für Singles, einen Liebespartner zu finden. «Speed Dating ist einfach auch eine lustige Methode, um neue zwischenmenschliche Kontakte zu knüpfen.» So locker sehen es offenbar auch die Teilnehmenden, ein bisschen Spiel, ein bisschen Show gehört für sie dazu. Mini-Abenteuer im Uni-Alltag, oder, wie es Rafael Götti formuliert: «Experiment mit Spassfaktor.» Nach der genauen Motivation der Kontaktwilligen erkundigen sich die Organisatoren nicht – Diskretion ist Ehrensache.

Die Antwort kommt per Brief

So richtig old school dagegen ist die Art und Weise, wie Götti und sein Speed-Dating-Team die Teilnehmenden hinterher wissen lassen, wer an wem gegenseitig Interesse bekundet hat: per handschriftlichem Brief in, Achtung!, blau und rosa. «So viel Kitsch muss sein», ist Götti überzeugt. Und schiebt dann lieber doch noch ein paar statistische Auswertungen hinterher: Im Schnitt bekommt jeder Speed-Dater 1,43 Matches. Wobei sich Frauen mit durchschnittlich 2,8 Kreuzchen eindeutig wählerischer verhalten als die genügsamen Männer (5,1 Kreuzchen).

Rein statistisch gesehen erweist sich das weibliche Ausleseverfahren allerdings als Sackgasse. «Ob es zu Matches kommt oder nicht, entscheiden diejenigen, die mehr Kreuzchen setzen.» Beim ETH-UZH-Speed-Dating haben demnach die Männer das letzte Wort.

Alice Werner ist Redaktorin des Journals der UZH.

1 Leserkommentar

L. Spezza schrieb am Akademiker bleiben eben lieber unter sich Ich finde studentische Initiativen gut, nicht jedoch diese. Es wäre für die Gesellschaft besser, Akademiker auf Partnersuche würden sich unter das gewöhnliche Volk mischen oder wenn beim ETH-UZH-Speed-Dating auch Nichtakademiker zugelassen würden. Es gibt schon sonst genügend elitäres, separatistisches Matchmaking, man denke z.B. an jenes von Adligen oder von Reichen in sogenannten "Wohltätigkeitsclubs". Dies fördert nicht die Durchmischung der Gesellschaft, sondern verstärkt die Polarisierung und die Bildung von elitären Parallelgesellschaften, deren Mitglieder fast nur noch unter ihresgleichen verkehren. Dann muss man sich nicht wundern, wenn mächtigen Teilen der Bevölkerung das Verständnis für die Belange undNöte anderer Leute fehlt, weil sie es aus eigener Erfahrung nicht kennen.

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