Buchvernissage

Burghölzli – Burg aus Holz

Wulf Rössler, Professor für Klinische Psychiatrie, stand zweimal dem Medizinischen Direktorium der Psychiatrischen Universitätsklinik (PUK) vor. Jetzt hat er zusammen mit dem Künstler und Fotografen Hans Danuser ein Buch über die Geschichte der Klinik herausgegeben. Am Freitag fand die Buchvernissage statt. 

Marita Fuchs

Zeigen Innen- und Aussenansichten der Psychiatrie: Künstler Hans Danuser (links) und Psychiatrieprofessor Wulf Rössler an der Buchvernissage. (Bild: Marita Fuchs)

Die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK) ist für Zürcherinnen und Zürcher das «Burghölzli». Über Zürich hinaus ist die PUK jedoch eine sagenumwobene Ikone der Psychiatriegeschichte. Das kommt nicht von ungefähr: Grosse Psychiater wie Auguste Forel oder Eugen Bleuler haben das Burghölzli geleitet; der Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie, Carl Gustav Jung, hat am Burghölzli gearbeitet und geforscht.

Die PUK war immer beides: Klinik und Forschungsstätte, sagte Regierungsrätin Regine Aeppli in ihrer Begrüssungsansprache zur Buchvernissage im Festsaal der PUK am vergangenen Freitag. Die Psychiatrie suche in jeder Zeit immer von Neuem nach einer Definition einer gültigen Norm, einer nachvollziehbaren Normalität.

Ironische Brechung des übermächtigen Namens

In seiner Ansprache stellte UZH-Professor Wulf Rössler, der zweimal dem Medizinischen Direktorium der PUK vorstand, das Buch vor. Er hat zusammen mit dem Künstler und Fotografen Hans Danuser einen prächtigen Band herausgegeben, der sich unter dem Namen «Burg aus Holz» der Institution Burghölzli aus zwei entgegengesetzten Richtungen nähert: aus einer Psychiatrie-historischen Richtung und einer künstlerischen.

Auf dem Buchcover: eine Burg aus Holz. (Bild: zVg.)

Die Beiträge Hans Danusers bestehen aus einer fotografischen Arbeit, die wie ein Leitfaden das Buch durchzieht. Dazu hat der Künstler in seinem Atelier auf einem traditionellen Bildhauer-Drehtisch eine Burg aus Holz geschaffen, die dem Projekt den Namen gab: «Burg aus Holz» – eine ironische Brechung des scheinbar so übermächtigen Namens Burghölzli. Dieses Objekt hat der Künstler in mehreren Sequenzen bei wechselndem Tageslicht in den vier Jahreszeiten fotografiert.

Innen- und Aussenansichten

Neben der künstlerischen Arbeit vermitteln einzelne Beiträge des Buches Innen- und Aussensichten der Klinik. Rössler selbst schildert darin die Entstehungsgeschichte der Klinik von der Mitte des 19. bis ins 21. Jahrhundert. Renommierte Wissenschaftler, Künstler, Literaten, Philosophen und Historiker stellen in ihren Beiträgen einen fachlichen oder persönlichen Bezug zum Burghölzli her.

So zum Beispiel Chefarzt und stellvertretender klinischer Direktor der PUK, Paul Hoff: Er schildert ein fiktives Streitgespräch zwischen wichtigen Protagonisten der Psychiatrie Anfang des 20. Jahrhunderts. Der Architekt Daniel Libeskind reflektiert, was die Architektur zum Heilungsprozess beitragen kann, Literaturwissenschaftler Peter von Matt geht der irritierenden Frage nach, ob die Dichter geistig gestört und die geistig Gestörten schöpferisch sind. Der Historiker Jakob Tanner ordnet die Entstehungsgeschichte des Burghölzlis historisch ein.

Burg aus Holz – das Burghölzli Von der Irrenheilanstalt zur Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Entwicklungen, Innen- und Aussensichten Wulf Rössler (Herausgeber), Hans Danuser (Herausgeber) NZZ Libro Verlag, Fr. 68.00   Mit Beiträgen von: Jules Angst, Elisabeth Bronfen, Hans Danuser, Gerd Folkers, Angela Graf-Nold, Michael Hagner, Paul Hoff, Daniel Libeskind, Peter von Matt, Siebke Melfsen, Adolf Muschg, Franz G. Otto, Wulf Rössler, Christian K. Schmid, Juri Steiner, Jörg Stollmann, Jakob Tanner, Philip Ursprung, Stefan Vetter, Barbara Villiger Heilig, Susanne Walitza, Robert M. Wilson Cristina Zilioli und Stefan Zweifel.

Marita Fuchs, Redaktorin UZH News.

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