Fit ins Semester

Auf die harte Tour

Um mit Schwung ins Semester zu starten, haben wir zwei boomende Fitness-Disziplinen aus dem ASVZ-Angebot ausprobiert. Das Ergebnis der Probetrainings fällt einigermassen überraschend aus: Zumba kann viel brutaler sein als Crossfit.

Claudio Zemp

Bis es weh tut: Crossfit wurde entwickelt, um den Körper widerstandsfähiger zu machen. (Bild: Frank Brüderli)

Crossfit gilt gemeinhin als härtestes Fitnessprogramm überhaupt. Es wird weltweit von Grenadieren, Kampfsportlern und Polizeiaspiranten ausgeübt. Und seit kurzem zählt es auch zu den beliebtesten Fitnessdisziplinen im ASVZ-Angebot. «Ladies, ready?», ruft Instruktor Mario, den alle nur «Gogo» nennen, beim Aufschliessen der Turnhalle. Aber es sind nur eine Handvoll Damen hier im offenen Training im Sportzentrum Fluntern.

Mario ist gebaut wie Mr. T vom A-Team, also sehr stark. Zusammen mit Tibor leitet er das Training. Die beiden sind auch Kollegen im «Crossfit Turicum», dem grössten Crossfit-Gym der Gegend. Tibor hat die Statur des Schwergewichtboxers Klitschko, nur ist er vielleicht noch muskulöser. Und ebenfalls sehr freundlich. «Crossfit wurde entwickelt, um den Körper widerstandsfähiger zu machen», erklärt er kurz die Theorie. Doch dann geht es schon los.

Mit dem Hintern Autotüren zuschlagen

Die Neulinge werden separat instruiert. Doch bereits beim Warm-up stosse ich an die Grenzen meiner Beweglichkeit. Die blöden Zehenspitzen sind einfach zu weit weg, das war schon früher im Turnen so. Ich rede mir immer ein, dafür mental ein bisschen flexibler zu sein.

Leiden am Ergometer: Claudio Zemp testet für UZH News das Crossfit-Training. (Bild: Frank Brüderli)

Zum Abschluss des Aufwärmens liegen wir gestreckt auf den Ellbogen und steppen so zwei Minuten lang. Das reicht, um meinen Bauch in Brand zu setzen und die Waden zu entzünden. Bei Halbzeit des Steppings kollabiere ich ein erstes Mal. Dabei hat das eigentliche Training noch gar nicht angefangen. Es ist also erwiesen, dass mir ein Fitnesstraining nur gut tun kann.

Wie die Treichler beim Clauseinzug

Bei der heutigen WOD-Übung, dem «Workout of the Day», werden alle möglichen Hilfsmittel miteinander in die Halle gebracht: Medizinbälle, Springseile, Schwedenbarren, Ergometer und die berühmten Kettlebells, einige Kilos schwere Gewichte in Kuhglockenform. Als Innerschweizer sollte ich wissen, wie man die schwingt: So tun es doch die Treichler am Chlauseinzug. Nur mangelt es mir auch hier an Spannung und Kraft, um die Idee des schwerelosen Schwingens in die Tat umzusetzen.  

Tibor und Mario tun ihr Bestes, um mich zu coachen. Zum Crossfit gehört ein Drill-Sergeant, und an deutlichen Anweisungen fehlt es nicht. «Situps sind bei uns nicht wie bei Cindy Crawford», sagt Tibor: «Und die Rumpfbeuge beginnt mit dem Hintern, als ob du damit eine Autotür zuschlagen wolltest.» Unterdessen hänge ich wie ein verkehrter Triangel und versuche ächzend, Kontakt zwischen Finger und Zehen herzustellen. Mario wundert sich: «Treibst du überhaupt regelmässig Sport?» Er weiss die Antwort natürlich auch.

Mit voller Wucht: «Wall Ball» geht in die Oberarme. (Bild: Frank Brüderli)

Trotz meiner limitierten Leistungsfähigkeit und technischen Turbulenzen fängt mir das Training an zu gefallen. Die «Wall Balls», ein Medizinbälle-Stossen, ist als Übung sehr interessant, obwohl mir kein einziger Wurf richtig gelingt. Es heisst aber immer weiter machen, probieren, «go go go» eben, bis «Gogo» das Signal zum Wechseln gibt. Tibor erzählt zur Auflockerung die Anekdote der letzten EM, wie die ganze Konkurrenz x-mal «Wall Balls» mit doppelt so schweren Bällen machte: «Keiner traute sich aufzuhören, weil er wusste: Wenn ich Pause mache, bin ich draussen.»

Sieben Tage Ganzkörpermuskelkater

Jetzt geht es in 2-Minuten-Intervallen von Station zu Station. «Seiligumpe» wie die Boxer (zweimal für diejenigen, die’s können), Rudern, von Wand zu Wand sprinten, über Barrenelemente springen. So brennen immer neue Sehnen und bisher unbekannte Muskeln, von Kopf bis Fuss. Dann ein Pfiff, die Erlösung? Mir scheinen alle Posten absolviert. Aber nein, das war reines Wunschdenken, eine Station bleibt noch: zwei Minuten «Burpees». Das sind eine Art Super-Liegestützen, bei denen man wie ein durchgeknallter Skispringer dauernd von der aufrechten Haltung in die Bauchlage wechseln soll.

«Burpees werden von allen gehasst», lächelt Tibor milde. Mittlerweile reicht meine Energie noch für zwei kümmerliche Versuche. Aber dann ist wirklich Schluss. Von einer grossen Müdigkeit erfüllt, kämpfe ich mich hustend in die Garderobe. Das war also Crossfit – ich werde es eine Woche lang bei keiner Bewegung vergessen. 

Kampf-Tanz-Hüpfer, die entfernt an Aerobic erinnern: Zumba-Instruktorin Debbie tanzt vor. (Bild: Frank Brüderli)

Im Spiegel ein betäubter Eisbär

«Zumba» ist auch eine Fitnessdisziplin. Und sie ist an der UZH ebenfalls beliebt. Hier enden jedoch die Gemeinsamkeiten. Zumba ist in vielem das Gegenstück zum Crossfit: Eine Art Aerobic, die auf lateinamerikanischen Tänzen basiert. Der Spass steht hier im Vordergrund, weniger die Leistung.

Aerobic spricht vor allem die Frauen an, und tatsächlich bin ich der einzige Teilnehmer im Sport Center Polyterrasse. Und wieder bin ich von Anfang an heillos überfordert. Das geht alles viel zu schnell. Während die rund fünfzig Aerobic-Damen synchron und anmutig hüpfen, versuche ich, beim Nachahmen der Schritte einigermassen im Takt zu bleiben. Tänzerische Vorkenntnisse wären jetzt von Vorteil, aber meine einschlägigen Erfahrungen liegen schon zu weit zurück.

Anmutig – sofern man die richtige Schrittfolge einhält: Zumba-Training vor der Spiegelwand. (Bild: Frank Brüderli)

«Wer jetzt noch nicht warm hat, der wird spätestens beim nächsten Lied schwitzen», sagt Kursleiterin Debbie, die in jeder Hinsicht unerreichbar weit weg ist. Am hinteren Rand der Gruppe versuche ich ihre mitunter Ninja-artigen Kampf-Tanz-Hüpfer zu imitieren. Mit jämmerlichem Ergebnis: Der Typ, der mir im grossen Spiegel gegenüber tanzt, erinnert mich an einen betäubten Eisbären am Caliente.

«Trinked öppis», ruft Debbie übers Mikrofon in der kurzen Pause zwischen zwei Songs, in der sie kurz einen neuen Schritt erklärt: «Tupf, tupf, zäme, zweimal tap und zrugg und springe.» Hier werden alle meine koordinativen Kapazitäten extrem gefordert.

Schlangenarme

Ich finde weiterhin den Tritt nicht richtig. Dafür bin ich jetzt rot im Gesicht – wohl auch aus Scham, weil ich mich dauernd um die falsche Achse drehe. Die Spiegelwand ist brutal und lässt keine Schummeleien zu.

Mein Urteil steht fest. Obwohl Debbie sagt, im Migros-Clubkurs habe es jeweils auch ein paar Männer, finde ich: Zumba ist definitiv Mädchensache. Bei den indo-arabischen Bauchtanz-Schlangenarm-Elementen zum Beispiel habe ich grosse Hemmungen, ich fühle mich hier ausgeschlossen. Dabei komme ich immerhin auf schräge Gedanken: Wenn Sport Mord ist, dann würde eine Zumba-Lektion wohl dem sozialen Suizid entsprechen.

Frauensache: Beim Zumba muss man Männer mit der Lupe suchen. (Bild: Frank Brüderli)

Die Teilnehmerinnen sind aber alle restlos begeistert. Anders ist der Szenenapplaus nach jedem Song und nach dem Training nicht zu erklären. Auch Trainingsleiterin Debbie ist am Ende der Stunde bachnass. Sie hat aber auch eine Stunde lang fabelhafte Kapriolen vollbracht, von denen ich nur träumen kann, sie je nachzuahmen. Mein persönliches Fazit nach den zwei Probetrainings lautet also: Crossfit ist hart. Noch härter aber ist Zumba – zumindest für Männer.

Claudio Zemp ist Journalist.

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