Wettbewerb

Wer findet das «Osterei»?

Stöbern in alten Vorlesungsverzeichnissen? Dazu müssen Sie nicht mehr ins Archiv gehen. Ein benutzerfreundliches Online-Portal bietet neu die Möglichkeit, sämtliche Lehrveranstaltungen der UZH von 1833 bis 1900 zu finden. Mit einem kleinen Wettbewerb möchten wir Sie zum historischen «Ostereier-Suchen» anregen. Wer den originellsten Fund macht, erhält von uns ein Osterei, das ewig hält.  

Marita Fuchs

Zu gewinnen: Osterei aus Keramik. (Bild: David Werner)

Der Blick auf das Lehrangebot der Universität Zürich von 1833 bis 1900 ist ein Blick in eine fremd gewordene Welt. Möglich wird er durch die Arbeit Christian Mosers, Oberassistent an der Theologischen Fakultät, der – fasziniert von historischen Daten – in mühsamer Kleinarbeit sämtliche Daten der Vorlesungsverzeichnisse von 1833, dem Gründungsjahr der Universität Zürich, bis 1900 zusammentrug und in einem Verzeichnis im Internet bündelte. Die historischen Vorlesungsverzeichnisse sind nun online für jedermann abrufbar: Gelegenheit, um abzutauchen in vergangene akademische Welten.

Psychologie, Philosophie, Logik und Metaphysik

Im ersten Sommersemester an der Universität Zürich 1833 wurden insgesamt 105 Veranstaltungen angeboten. Mit von der Partie die Vorlesungen des ersten Rektors, Lorenz Oken. Okens dreizehnbändige «Allgemeine Naturgeschichte für alle Stände» trug zur wachsenden Popularisierung der Naturwissenschaften bei. Und so drehen sich auch seine Vorlesungen in der Philosophischen Fakultät um naturgeschichtliche Themen.

Geistes- und Naturwissenschaften sind damals in einer Fakultät versammelt – der Philosophischen Fakultät. Erst im Sommersemester 1860 zeigt sich die zunehmende Bedeutung sowohl der Geistes- als auch der Naturwissenschaften in der Aufteilung der Fakultät in eine Philologisch-historische und eine Mathematisch-naturwissenschaftliche Sektion. Die Disziplinen sind zu dieser Zeit allerdings noch nicht so ausdifferenziert wie heute, so hält ein Dozent eine Vorlesung über Psychologie, Philosophie, Logik und Metaphysik. Auch die Vorlesungszeiten sind für heutige Verhältnisse ungewöhnlich, so findet eine geologische Exkursion am Sonntag und an den Festtagen statt.

Nur zwei «Frauenzimmer»

Frauen nennt man im 19. Jahrhundert gerne «Frauenzimmer». So lehrt Christoph Friedrich Pommer, seit dem Sommersemester 1839 Rektor, «Ueber Frauenzimmer- und Kinderkrankheiten». Erst später spricht man von Frauenheilkunde.

Überhaupt, Dozentinnen muss man in den damaligen Vorlesungsverzeichnissen mit der Lupe suchen. Eigentlich findet sich nur eine einzige Frau, die Privatdozentin Emilie Kempin Spyri, die über englische Rechtsgeschichte lehrt und im Wintersemester 1894 eine Vorlesung über «Rechtsvergleichung der modernen Ehegesetzgebungen» anbietet.

Doch halt, da ist noch eine Frau, die allerdings ohne Titel im Vorlesungsverzeichnis auftaucht. Es ist Luise Dodel, die wahrscheinlich als Hilfskraft ihrem Mann, dem Privatdozenten Arnold Dodel, bei der Vorlesung über Mikroskopische Demonstrationen in der Botanik zur Hand geht.

Berühmte Männer

Berühmte Männer gibt es im Gegensatz zu den Frauen allerdings recht viele, so zum Beispiel den Historiker und Literaturnobelpreisträger Theodor Mommsen, oder Arnold Escher von der Linth, den Schweizer Geologen. Auch August Forel lehrt an der Universität, unter anderem über «Psychiatrie mit psychiatrischer Klinik, in der Irrenheilanstalt Burghölzli».

Religionswissenschaftler Christian Moser stellte die UZH-Vorlesungverzeichnisse des 19. Jahrhunderts ins Netz. (Bild: Marita Fuchs)

Gespiegelte Zeitgeschichte

Zeitgeschichtliches spiegelt sich ebenfalls in den Verzeichnissen: 1863 werden Eisenbahnen zum Thema. Adolf Tobler lehrt über das «Telegraphen- und Signalwesen der Eisenbahnen» und Heinrich Flick über das «Eisenbahnrecht». 1869 – zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Darwins Hauptwerk über die Entstehung der Arten – kommt an der Universität Zürich seine Evolutionstheorie gross in Mode. «Die Darwin'sche Theorie und ihre Consequenzen für die Botanik, Zoologie und Anthropologie» fordert die naturwissenschaftliche Forschung heraus. Auch die gesellschaftspolitische Entwicklung findet Einlass in die Veranstaltungsthemen: Im Sommersemester 1870 wird von Ordinarius Carl Victor Böhmert die «Arbeiterfrage» gestellt.

Das Vorlesungsverzeichnis des Sommersemesters 1900 enthält 311 Veranstaltungen. Im jetzigen Verzeichnis des Sommersemesters 2012 sind es 3'815.

Wettbewerb Die Vorlesungsverzeichnisse von 1833 bis 1900sind eine Fundgrube von Veranstaltungsthemen. Viele davon klingen für heutige Ohren kurios oder zumindest ungewöhnlich. Machen Sie sich auf die Suche nach ein oder zwei historischen  «Überraschungseiern». Wer den originellsten Fund macht, erhält von uns ein wunderschönes Ei aus Keramik. Siehe Bild. Die Jury besteht aus der UZH News-Redaktion. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Mit der Einsendung ihrer Ergebnisse bis zum 11.4.2012 um 17.00 Uhr an uzhnews@kommunikation.uzh.chnehmen Sie an unserem Wettbewerb teil.

Marita Fuchs, Redaktion UZH News

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