Museumsnacht 2011

Wilde Zeiten

Explosives Trommeln im Völkerkundemuseum, griechische Tänze in der Archäologischen Sammlung und ein Wildtier-Parcours im Zoologischen Museum: Die Lange Nacht der Zürcher Museen am Samstag, 3. September 2011 wird bunt und aufregend. Mit dabei: die Museen der Universität Zürich.

Alice Werner

«Wild!» lautet das diesjährige Motto der Zürcher Museumsnacht. Klar, dass die Besucher damit vor allem ungezähmte Überraschungen im Zoo oder im Wildnispark Zürich/Sihlwald verbinden. Doch auch die Museen der Universität haben am Samstag, 3. September einiges zu bieten.

Zoologisches Museum der Universität Zürich: Eine wilde Sache. (Bild: Ursula Meisser)

Nisthilfen für Krabbeltiere

Im Zoologischen Museum wollen Vögel mit wunderlich-verwegenen Namen wie Bauchschnabeltyrann, Elsterwürger und Kampfwachtel entdeckt werden. Auf dem Wildtier-Parcours erfährt man im Gespräch mit Biologen, welche Waldtiere nachts heimlich durch die Strassen der Stadt schleichen. Und Kinder können sich beim Basteln austoben: Mit Baumaterialien aus der «Wildnis» – Schilf, Holunderzweigen, Lehm – entstehen Nisthilfen für wilde Hummeln und Krabbeltiere.

Wilde Tiere in unserer Haut

Andere Tiere – das zeigt das Moulagenmuseum der Universität Zürich – bevorzugen als Nistplatz unsere Haut. Neben «zahmen» Lebewesen wie harmlosen Pilz- und Bakterienformen, die sich zahlreich im grössten Organ des Menschen tummeln, quälen uns gelegentlich auch ungebetene Gäste: Zecken, Läuse, Milben und Wurmlarven. Wer mehr über die wilden Tiere in unserer Haut lernen möchte, kann sich einer Führung anschliessen. Für den Grusel danach sorgen die ausgestellten Wachsnachbildungen krankheitsbedingter Hautveränderungen in der ständigen Sammlung.

Urzeitliche Riesen-Wirbeltiere

Ortswechsel Paläontologisches Museum: In Kurzführungen erzählen Forscher Geschichten aus dem Leben berühmter «Ausgrabungspioniere» – wilde Kerle, die in abenteuerlichen Expeditionen nordamerikanischen Boden nach Dinosaurierknochen umgruben. Ein spannender Dokumentarfilm zeigt im Anschluss Studierende der Universität Zürich bei paläontologischer Feldarbeit in wüstenähnlichen Gebieten Venezuelas – auf der Suche nach Fossilien urzeitlicher Riesen-Wirbeltiere.

Rassige Hirschwürste

Für eine Erholungspause bietet sich die Bar der Archäologischen Sammlung an: In Gesellschaft von archaischen Gesellen aus der Antike – bezähmt und in Gips gegossen – können im baumbestandenen «Museumshain» rassige Hirschwürste probiert werden. Gestärkt geht`s weiter mit einer Führung durchs Haus zu ausgewählten römischen, etruskischen und ägyptischen Objekten, in denen sich das kulturelle Ringen um «Wildheit» und «Zivilisation» wiederspiegelt. Und wer es richtig temperamentvoll mag, sieht sich noch die Darbietung der Vereinigung der Griechen aus Pontos an, die mit ausgelassenen Tänzen Volksbrauchtum von der türkischen Schwarzmeerküste nach Zürich holt.

Bucklige Gesellen

Nächste Station ist das Anthropologische Museum: Hier dreht sich in der Museumsnacht alles um die Rekonstruktion von Skeletten: Forscher erklären, wie sehr der Zeitgeist unser Selbstbild und damit auch die Vorstellung unserer Vorfahren beeinflusst. Im Mittelalter etwa, der Epoche der wildesten Rekonstruktionen, hielt man den Neandertaler für einen buckligen Gesellen. Wie anspruchsvoll es ist, Skelette von Tier und Mensch fehlerfrei nachzubilden, können Besucher in einem Praxis-Workshop erfahren: Wer schafft es, das Knochengerüst eines Gorillas korrekt auszulegen?

Ausuferende Phantastereien

Unkonventionell, wild und ver-rückt: Im Medizinhistorischen Museum führt die Sonderausstellung «Werke aus der Psychiatrischen Pflegeanstalt Rheinau 1867–1930» in die Gedankenwelt psychisch Kranker ein. Bestaunen kann man hier bizarre Kunstobjekte – gestrickt, geschnitzt, gemalt –, kalligrafische Werke, ausufernde Phantastereien, entrückte Malereien und flammende Aufzeichnungen technischer Erfindungen.

Beschwörung der Götterwelt

Wer die Museumsnacht mit einem kräftigen Trommelwirbel beschliessen möchte, ist im Völkerkundemuseum richtig: Die Musikerin Katsunobu Hiraki führt ihr schlagtechnisches Können auf der japanischen Trommel Taiko vor. Das fassförmige Instrument wurde traditionell zur Beschwörung der Götterwelt eingesetzt. Dank der Bandbreite des Ausdrucks hat sich das Taiko-Trommeln auch zu einer beliebten Kunstform für die Bühne entwickelt. Beschwingt von den rhythmischen Tönen zieht man in die Nacht, die – wer will – noch bis vier Uhr morgens dauert.

Alice Werner ist Redaktorin UZH News.

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