20 Jahre Schweizerische Studienstiftung

Talente schmieden

Die Schweizerische Studienstiftung feierte gestern in der Aula der Universität Zürich ihr zwanzigjähriges Bestehen. Als prominente Gäste waren die deutsche Ministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan und Bundesrat Didier Burkhalter angereist. Stiftungspräsident Antonio Loprieno machte sich für mehr Engagement des Bundes in der Begabtenförderung stark. 

Marita Fuchs

Aus einer privaten Initiative mit neun Studierenden im Jahr 1991 wurde die Schweizerische Studienstiftung mit heute über 700 Geförderten. Die Stiftung unterstützt junge Erwachsene, die über vielversprechende Talente verfügen. Das Ziel ist es, Persönlichkeiten zu fördern, die in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen können und wollen. «Unsere Stiftung fördert insbesondere die Persönlichkeitsentwicklung, die Motivation und das Verantwortungsgefühl der jungen Talente», sagte Stiftungspräsident Antonio Loprieno.

Deutsche Ministerin für Forschung und Bildung Annette Schavan: Individuen mit einem Gewissen für das Ganze fördern. (Bild: Cornelia Biotti)

Ziel: 30 Prozent des Budgets aus öffentlicher Hand

Ihren Erfolg verdanke die Stiftung sowohl zahlreichen ehrenamtlichen Helfern als auch Gönnern und Sponsoren. Die öffentliche Finanzierung spielte stets eine marginale Rolle, sagte Loprieno und rechnete vor: 2010 entfielen lediglich fünf Prozent des Budgets von zwei Millionen Franken auf Bund und Kantone. Doch die derzeitige Finanzierung sei nicht nachhaltig. Um die Qualität der Arbeit längerfristig zu gewährleisten, bedürfe es einer Grundfinanzierung von mindestens 30 Prozent durch die öffentliche Hand.

Talente mit Herz

In Deutschland sei die Situation ganz anders, sagte Annette Schavan, deutsche Ministerin für Bildung und Forschung, die eigens für den Anlass ihre Ferien am Bodensee unterbrochen hatte. Bundesweit erhalten zwölf Begabtenförderungswerke eine kräftige Unterstützung durch die öffentliche Hand. Seit  Schavans Ernennung zur Ministerin befinden sie sich weiterhin im Aufwind. Die zur Verfügung stehenden Mittel steigerte sie von 80,5 Millionen Euro im Jahr 2005 auf 123,3 Millionen Euro im Jahr 2009. Ziel sei es, sagte die Ministerin, in Zukunft drei Prozent eines Jahrgangs zu fördern. Es gehe darum, neben der Fachkompetenz die Verantwortung für das Ganze zu wecken. Dazu gehöre nicht nur Talent und Wissen, sondern auch eine «raison de coeur» – Herzensbildung. Sie sehe Begabtenförderung als Biografieförderung, die es ermögliche, Talente auf dem Lebensweg zu nutzen – für sich selbst und für andere. 

Bundesrat Didier Burkhalter in der Aula: «Wir benötigen verantwortungsbewusste Führungspersönlichkeiten und konstruktive Teamplayer.» (Bild: Cornelia Biotti)

Begabte Teamplayer

Bundesrat Didier Burkhalter sieht Begabtenförderung als Persönlichkeitsentwicklung. «Unsere Gesellschaft braucht Individualistinnen und Individualisten, die unbeirrt ihren Weg gehen und trotzdem das gesellschaftliche Ganze im Auge behalten; begabte junge Menschen, für die soziale Verantwortung mehr ist als eine modische Worthülse», sagte Burkhalter. Konstruktive Teamplayer mit besonderer Begabung wie zum Beispiel der Fussballspieler Lionel Messi fänden seine volle Bewunderung. Exzellenz könne niemals einen Rückzug in den universitären Elfenbeinturm bedeuten, denn mit Exzellenz verbunden sei immer auch Offenheit und Interdisziplinarität. Zur Finanzierung aus öffentlicher Hand stellte Burkhalter einen Antrag auf Erhöhung des Beitrags im Rahmen der Bildungskredite für 2013 bis 2016 in Aussicht.

Schweizerische Studienstiftung

Die Kandidatinnen und Kandidaten, die sich bei der Schweizerischen Studienstiftungbewerben, durchlaufen ein eintägiges Auswahlseminar mit Einzelinterviews und Gruppenübungen. Für die Auswahl verantwortlich ist jeweils ein Team von sieben ehrenamtlichen Assessorinnen und Assessoren in wechselnder Zusammensetzung. Leistung, Persönlichkeit, Motivation und Engagement der Studierenden stehen dabei im Vordergrund. Ein Notendurchschnitt von 5,3 wird in der Regel vorausgesetzt. Die grosse Mehrheit der Kandidatinnen und Kandidaten wird der Stiftung aufgrund ihrer ausgezeichneten Leistungen von Mittelschulrektoraten vorgeschlagen. Ein noch geringer Anteil bewirbt sich aus eigener Initiative oder wird von Hochschuldozierenden empfohlen. Die ausgewählten Kandidatinnen und Kandidaten kommen in den Genuss eines studienergänzenden, interdisziplinären Bildungsprogramms in Form von Wochenendseminaren, Sommerakademien, Exkursionen und Abendveranstaltungen.

Marita Fuchs ist Redaktorin von UZH News.

Kommentar schreiben

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Unberücksichtigt bleiben insbesondere anonyme, ehrverletzende, rassistische, sexistische, unsachliche oder themenfremde Kommentare sowie Beiträge mit Werbeinhalten.

Anzahl verbleibender Zeichen: 1000