Neue Boulder-Anlage des ASVZ

Klettern ohne Seil, dafür in Absprunghöhe

Neues Glück für Kletterer: Gestern wurden auf der ASVZ-Anlage Hönggerberg zwei neue Boulder-Blöcke, die schweizweit grössten freistehenden, eingeweiht. Und gleich zünftig mit magnesiabestäubten Händen beklettert. Mit Video.

Peter Rüegg

Die beiden neuen Boulder-Blöcke weihte der Akademische Sportverband Zürich (ASVZ) gestern Dienstag Abend ein – mit einer kleinen Feier und einem Boulder-Plausch. Die Verantwortlichen rechneten mit einer Handvoll Kletterfreaks, die ihre Fertigkeiten und die Routen testen wollten. Gekommen sind schliesslich weit über hundert Kletterer, die die Anlage sofort in Beschlag nahmen.

Bouldern für Anfänger und Fortgeschrittene – wir zeigen Ihnen, wie's geht.

Grösser als erwartet

Unter den «Erstbegehern» des Boulder-Paradieses war Roman Boutellier, Vizepräsident Personal und Ressourcen der ETH Zürich. Boutellier, selbst erfahrener Bergsteiger und Kletterer, sah die Anlage zum ersten Mal – und war darüber begeistert. «Ich bin total überrascht, ich habe mir die Blöcke viel kleiner vorgestellt», sagte er in seiner kurzen Ansprache. Er sei überzeugt, dass diese Boulder eine gute Sache seien und die Anlage ein Erfolg werde. Er weihte die Anlage mit der Lösung eines Boulder-Problems ein und läutete die Kuhglocke, die am obersten Griff hing.

Für ASVZ-Direktor Kaspar Egger werten die beiden Boulder-Blöcke das Bergsportangebot des ASVZ auf. Er sei ein bekennender Nichtkletterer, freue sich aber über die neue Anlage, welche auch die Attraktivität von Science City auf dem Hönggerberg steigern werde. «Die Boulder-Blöcke sind ein wichtiger Schritt vorwärts.»

Routen für Anfänger und Fortgeschrittene

Der ASVZ hat die Boulder-Blöcke in Zusammenarbeit mit dem Stab Veranstaltungen und Standortentwicklung der ETH Zürich realisiert. Das Design und die Dimensionierung der Anlage stammen vom Kletterwandbauer Peter Keller, der auch Bergführer ist. Baubeginn war im April dieses Jahres, die Idee geht aber auf die Klettersportverantwortliche Dalia Hamdy vom ASVZ zurück. Im Rahmen des Ideenwettbewerbs für die Belebung des ETH-Standortes Hönggerberg reichte sie die Idee für eine Boulder-Halle ein. Daraus sind nun zwei Jahre später die Outdoor-Boulder-Blöcke geworden – die grössten freistehenden Kunst-Boulder der Schweiz.

Helfende «Spotter»

Beide Blöcke sind 3,75 Meter hoch. Der rote Block «Science City Bleau» ist 16,6 Meter lang, der kleinere orange Block «Science City Move» misst 9,4 Meter. Insgesamt stehen den Kletterern 240 Quadratmeter Kunstfels zur Verfügung, in denen gegen 100 Routen eingerichtet sind.

Die Schwierigkeitsgrade reichen von 3a (ganz leicht) bis 7c+ (schwierig) – es finden also Anfänger wie Fortgeschrittene ihrem Können angemessene Boulder-Herausforderungen. Rund um die Blöcke liegen grüne elastische Bodenplatten. Sie erlauben den Absprung aus bis zu 2,5 Metern. Dennoch sollten Kletterer transportable Matten mitbringen und sich gegenseitig «spotten» (schützen), um Stürze abzufangen.

Die Anlage steht auf dem Campus Hönggerberg der ETH Zürich zwischen den Gebäuden HPV und HPP. Das Rumturnen an den Blöcken ist ASVZ-Sportberechtigten vorbehalten. Ende November ist Saisonschluss. Der ASVZ wird die Griffe über den Winter entfernen. Im Frühling geht die Boulder-Anlage wieder auf, mit neuen interessanten Routen.

Bouldern Bouldern ist seit den 1970er Jahren eine eigene Disziplin des Sportkletterns. Der Name leitet sich ab vom englischen Wort «boulder» für Felsbrocken oder Felsblock, ausgesprochen wird es als «buuldern». Populär geworden ist das Bouldern vor allem in den 1990er Jahren. Als ältestes Boulder-Gebiet der Welt gilt der Wald von Fontainebleau bei Paris – daher der Name «Science City Bleau». Zum Bouldern braucht es kein Seil und keinen Sitzgurt, sondern lediglich Kletterschuhe, Magnesia und Crash Pads (Matten). Geklettert wird nur bis zur Absprunghöhe von rund drei Metern, aus der es möglich ist, ohne Verletzung herunterzuspringen. Bekannte Boulder-Gebiete in der Schweiz sind Cresciano und Chironico im Tessin. Focus.

Peter Rüegg ist Redaktor ETH Life und begeisterter Boulderer.

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